Die Idee für die Lern-App hatte der Lahrer Musikschuldirektor Tobias Meinen. Foto: Schabel

Kultur: In Lahr entwickelte Übungs-App fördert Musikschüler / Große Pläne

Lahr - Mit einem völlig neuen Angebot für Musikschüler macht Lahr derzeit landesweit Furore. Eine Anwendung auf dem Handy oder Tablet soll das Erlernen von Instrumenten noch einfacher und spannender machen. Die App "Erna" ist jetzt für alle verfügbar.

Bereits Jahre vor der Digital-Welle, die in Coronazeiten die Schulen erfasst hat, dachte der Lahrer Musikschulchef Tobias Meinen über eine digitale Lösung nach, die das Erlernen von Musikinstrumenten attraktiver macht. Bei einem Pressegespräch stellte Meinen nun mit Bürgermeister Guido Schöneboom und dem städtischen Digitalisierungsbeauftragten Peter Kees die fertig entwickelte Lernplattform vor.

Was kann die App?

Meinen lieferte ein paar Kostproben davon, was die App zu bieten hat: Im Bereich Korrepetion finden sich Stücke aus der klassischen Musik, die Musikschülern als Klangbeispiele und zur Begleitung beim Üben dienen. Klavierschüler sehen die Hände eines Pianisten beim Spiel, darüber laufen die Noten mit. Instrumentalisten können dank "Erna" auch Teil eines Ensembles oder einer Band sein und so ihr Zusammenspiel mit anderen Instrumenten trainieren. Die Schüler können das Tempo der gespeicherten Stücke verändern, verschiedene Tonspuren auch einzeln anhören; viele weitere Funktionen unterstützen das Lernen. "Die Schüler haben hier ein kleines Aufnahmestudio mit Begleitung", verdeutlichte Meinen die Möglichkeiten. Musiklehrer können über "Erna" mit ihren Schülern per Text-Chat kommunizieren. Das alles hat es so bisher nicht gegeben. "›Erna‹ ist ein Quantensprung in der musikpädagogischen Welt", freute sich Schöneboom. Der App-Name verweist übrigens auf eine Oper von Vivaldi.

Wann und wo kommt die Übungs-App zum Einsatz?

Nach den Ferien steht "Erna" den 2200 Schülern der Lahrer Musikschule kostenlos zur Verfügung. Gegen einen monatlichen Obolus von zwei bis fünf Euro kann die Lern-App von Schülern aller 215 Mitgliedsschulen in Baden-Württemberg genutzt werden. Das Land hat die Entwicklung der digitalen Lernplattform mit 100 000 Euro gefördert, weitere 100 000 Euro kamen von der Stadt Lahr ­– deshalb ist die App für Lahrer Musikschüler umsonst.

Welche Rolle spielen prominente Musiker?

Für die App haben mehr als 50 bekannte Musiker im Tonstudio des Lahrer App-Unternehmens Ernani bereits 1200 Werke einstudiert, die von "Alle meine Entchen" bis zu Antonio Vivaldis Sonate Nr. 5 in e-moll reichen. Darunter ist die in Lahr geborene Tabea Zimmermann, eine Bratschistin von Weltruf, außerdem weitere Musikergrößen, die in den wichtigsten Konzertsälen der Welt gastieren.

Was sind die langfristigen Ziele?

Die Lahrer Lern-App soll zum Exportschlager werden, nicht nur bei baden-württembergischen Musikschulen, sondern auch darüber hinaus, so Meinen. Deshalb würden auch kontinuierlich weitere Stücke für sie eingespielt.

Die Programmierung der Grundfunktionen der App hatte die Stadt Lahr bei der Firma Sinusquadrat in Offenburg in Auftrag gegeben und nach Abschluss den Quellcode frei zugänglich gemacht. Den Quellcode hat das 2020 gegründete Lahrer Start-up- Ernani lizensiert, Inhalte und Nutzungskonzepte für die App entwickelt. Die Musiklernplattform ist nun unter dem Namen Erna in den App-Stores für jedermann zu kaufen, für fünf Euro monatlich.

  
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