Pandemiebeauftragte Doris Reinhardt Foto: cbs

Corona: Pandemiebeauftragte Doris Reinhardt kritisiert Priorisierung / Hohes Impftempo dank der Allgemeinmediziner

Lahr/Ortenau - Seit Ostern dürfen auch die Hausärzte ihre Patienten gegen Corona impfen. Seitdem ist die Anzahl der Geimpften rapide gestiegen. In einer Videokonferenz erzählen die Ortenauer Hausärzte, wie das Spritzen der Vakzine in ihren Praxen abläuft.

"Im Ortenaukreis impfen inzwischen mehr als 380 Hausärzte", erzählt Doris Reinhardt, Pandemiebeauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung für den Ortenaukreis. Die Impfbereitschaft sei groß. Das hohe Impftempo sei dank der Hausärzte gekommen, nur sei auch genug Impfstoff nötig.

Momentan gilt beim Impfen die Priorität 3, bei der Menschen über 60 geimpft werden können. Diese hätten in der Praxis keine Impfstoffwahl. Laut Reinhardt seien die meisten aber froh über Astrazeneca. "Die Impfbereitschaft steigt durch ein Wir-Gefühl", so die Pandemiebeauftragte.

Gerade durch die Astrazeneca-Verwirrung sei die Impfbereitschaft zu Beginn eher schlecht gewesen. Doch die Meinung der Hausärzte sei enorm wichtig und sie überzeugten schlussendlich die Allgemeinheit, Astrazeneca zu akzeptieren. Dafür sei die Aufklärung sehr wichtig: Jeder Patient müsse über potenzielle Folgen der Impfung belehrt werden. Reinhardt ist davon überzeugt, dass eine authentische und ehrliche Belehrung zu einer besseren Akzeptanz der Impfung führt.

Organisation ist ein "Riesenaufwand"

Die dahinter steckende Organisation beschreibt Reinhardt als "Riesenaufwand". Bei jedem Patienten müsse zunächst geprüft werden, ob er überhaupt priorisiert sei oder schon Covid hatte und abhängig davon, wie viele Impfungen er bekomme. Und danach sei die Prozedur noch nicht zu Ende, es müssten noch Zweittermine vereinbart werden.

Der Impfstoff von Biontech müsse zudem in Praxen durch ein sorgfältiges Verfahren aufbereitet werden, wobei viele Fortbildungen und Schulungen nötig gewesen seien. Reinhardt ist jedoch dankbar für das kollegiale Verhalten zwischen den Praxen, es gebe in der Ortenau viel Hilfe untereinander.

Impfstoffreste blieben keine übrig, es werde immer so viel geimpft, wie Impfdosen da seien. Ärgerlich sei manchmal nur, wenn der Großhandel nicht so viel liefern könne wie angegeben und dann Termine abgesagt werden müssten.

Reinhardt ist zuversichtlich, dass die Priorisierung noch im Mai aufgegeben werde. Sie kritisierte das Impfen nach Prioritätengruppen. Wenn sie den großen Andrang in Supermärkten sehe, dann sei es schade, dass die ganzen Mitarbeiter dort noch nicht geimpft seien. Auch das wäre sehr wichtig. Sie könne sich vorstellen, dass mit fallender Priorität irgendwann auch Fachärzte impfen könnten – dann werde jede helfende Hand gebraucht.

Rainer Leweling, Geschäftsführer des Caritasverbandes im Landkreis Emmendingen, beruft sich in der Videoschalte mit der Ortenauer CDU auf den Fakt, dass 30 Prozent der über 80-Jährigen noch nicht geimpft seien. Dies erkläre er sich durch die höhere Anonymität in Städten bei älteren Menschen. Hier im ländlichen Raum hätten diese wohl eher noch mindestens einen Angehörigen.

Ein Zuschauer meldete sich. Er habe einen Impftermin in Freiburg beantragt, aber dann einen früheren Termin in Offenburg bekommen. Eine Stornierung des zweiten Termins sei aber mit der Nummer 116 117, dem allgemeinen Impfterminbuchungssystem, nicht möglich gewesen. Die Kommunikation sei hier erschwert.

Diana Kohlmann aus dem Impfzentrum äußerte sich dazu, dass die Impfzentren enorm darunter leiden, wenn Termine nicht abgesagt würden. In Offenburg gebe es pro Tag um die 100 Leute, die nicht zu ihrem Termin erscheinen.

Durch eine Absage könnten andere Menschen den Termin kurzfristig buchen. Durch die stetige Arbeit daran sei mittlerweile jedoch ein guter Ausgleich geschaffen worden zwischen Menschen, die nicht kämen und Menschen, die noch kurzfristig erscheinen könnten.

Die Ortenauer Pandemiebeauftragte Reinhardt betonte, dass Hausärzte die Impfzentren nicht ersetzen könnten. Es gebe zudem auch viele Menschen, die keine Hausärzte haben. Deshalb sei das Nebeneinander der Imfpzenttren und Hausärzte wichtig.

Info

Unter der Telefonnummer 116117 oder im Internet unter www.116117.de kann jeder Berechtigte bei freien Terminen einen Impftermin buchen. Die Webseite www.impfterminradar.de zeigt (auch per Alarm) für ganz Baden-Württemberg an, wo und für welche Altersgruppen freie Termine verfügbar sind.

Inzwischen vergebe das Ortenauer Landratsamt laut Diana Kohlmann erst rund eineinhalb Wochen im Voraus Impftermine. Freitags sei ein guter Zeitpunkt für neue Buchungen, da donnerstags die Liefermenge angekündigt werde.

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