Das Kinzigtal ist ein sicherer Ort. Das wurde bei der Präsentation der Kriminal-Statistik sowie der Unfallstatistik des vergangenen Jahres deutlich. Auch wenn es teilweise Anstiege gab, sei das kein Grund zur Sorge, so der Hauptkommissar Simon Schmitt.
Erster Polizei-Hauptkommissar Simon Schmitt begrüßte die Bürgermeister und deren Vertreter aus dem Zuständigkeitsbereich des Haslacher Polizeireviers. Als Schlaglichter 2023 benannte er eine Steigerung der Aufklärungsquote um knapp zehn Prozent auf 65 und den Rückgang der Fahrrad-Diebstähle um fast 40 Prozent auf 93 Fälle. Da hätten sich gerade in Haslach die Befestigungsbügel beim Schwimmbad bewährt, wo kein einziges Rad gestohlen wurde. Die registrierten Straftaten wären mit 1547 gleich geblieben, allerdings hätten die Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum mit 82 Fällen um knapp 44 Prozent deutlich zugenommen und auch die Vermögens- und Fälschungsdelikte wären mit 283 Fällen um knapp 17,5 Prozent gestiegen. „Man muss das alles im Licht der kleinen Zahlen sehen“, betonte Simon Schmitt.
Im Vergleich der Häufigkeitszahlen liege Haslach aber weit weg von Städten wie Kehl, Offenburg oder Baden-Baden, im direkten Vergleich der Gemeinden des Haslacher Polizei-Reviers steche Hofstetten mit lediglich 278 deutlich heraus. In der Zusammensetzung der Straftaten wurden zwei „gegen das Leben“ von Volker Mäntele als Leiter des Wolfacher Polizeipostens besonders erläutert. Wohnungseinbrüche würden im Kinzigtal mit 14 Fällen keine große Rolle spielen, dafür habe es mit 59 Fällen einen leichten Anstieg bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung gegeben. „Es ging in erster Linie um den Erwerb und Besitz von kinderpornografischen Unterlagen“, erklärte Simon Schmitt. Aber auch das Anzeige-Verhalten habe sich gerade bei Frauen geändert.
Ein Drittel weniger Sachbeschädigungen
Und während es ein Drittel weniger Sachbeschädigungen gab, stiegen die Vermögens- und Fälschungsdelikte um knapp 17,5 Prozent auf 283 Fälle. Ins Gewicht falle dabei die Arbeit der Ermittlungsgruppe Zell, die ein Pärchen mit falschen Internet-Bestellungen im Wert von 28 000 Euro hochgenommen hatte und eine Person überführte, die mit IP-Zugängen einen Nebenverdienst akquirierte. Das allein habe zu einer ganzen Anzahl von Fällen geführt.
Die gestiegenen Zahlen der Rauschgift-Kriminalität warf die Frage nach der Legalisierung von Cannabis und eine Diskussion auf (siehe Info), im vergangenen Jahr waren insgesamt 59 Fälle registriert worden. „Kokain war im Tal eigentlich weg, das kommt jetzt wieder. Gerade bei Jugendlichen, weil es gerade „in“ ist“, erklärte Markus Limberger als Leiter der entsprechenden Ermittlungsgruppe.
Die Zahlen steigender häuslicher Gewalt erklärte Schmitt zum Teil ebenfalls mit dem geänderten Anzeige-Verhalten von Frauen, die nicht mehr bereit wären, psychische und physische Gewalt zu ertragen. In diesem Bereich wäre der Opferschutz extrem wichtig, wofür es mittlerweile verschiedene Anlaufstellen gebe.
Von den 759 Tatverdächtigen des vergangenen Jahres wären 530 Deutsche gewesen, bei den anderen handele es sich überwiegend um Türken, Rumänen, Syrer und Ukrainer. Matthias Bruder oblag als stellvertretendem Revierleiter die Präsentation der Unfall-Statistik, von denen 803 mit Sachschäden und 161 mit Personenschäden einhergingen. Anhand konkreter Beispiele zeige er die Dramatik eines solchen Ereignisses für die Hinterbliebenen auf. „Der Mensch scheint eine Fehlermaschine zu sein, die tödlichen Unfälle sind nicht reversibel“, erklärte er. Im Gesamten stiegen die Unfallzahlen um sieben Prozent.
Das sagt die Polizei zur Cannabis-Teilegalisierung
In Zell wurde im vergangenen Jahr ein Dealer hochgenommen und dessen Abnehmer angezeigt, was die hohe Zahl der Fälle dort erklärt. Auch in Haslach sei eine Wohnung durchsucht, ausgeräumt und der Dealer weggesperrt worden. „Es ist deutlich ruhiger geworden“, erklärte Markus Limberger. Allerdings sei die Teil-Legalisierung von Cannabis aus Sicht der Polizei zu schnell gekommen, auch von der Menge der Freigabe sei man überrascht gewesen. „Das ist viel zu viel“, betonte Limberger und sah bereits einer Schwemme von Cannabis-Produkten auf dem Markt entgegen. Auch stelle sich die Frage nach der Kontrolle von Schutz-Zonen um Schulen, auf die Polizei käme eine riesige Mehrarbeit zu. „Im Moment lebt alles vom Schwarzmarkt“, kritisierte er, weil es in der kurzen Zeit noch gar keine legalen Cannabis-Produkte geben könne. Zum Jahresende sei eine Indoor-Anlage mit drei Pflanzen und 256g Marihuana-Blüte hochgenommen worden. „Und das gibt man jetzt frei“, monierte der Kommissar. Das Hauptproblem werde im Umgang mit Jugendlichen und den Schulen gesehen, auch die Grenzwerte zur Teilnahme am Straßenverkehr gelte es zu überdenken. Haslachs Bürgermeister Philipp Saar wusste von Anfragen nach Cannabis-Shops oder entsprechenden Konsum-Clubs, grundsätzlich dürfte es spannend sein, was das für die Kommunen künftig heiße. Die Teil-Legalisierung sei ein Schnellschuss gewesen, der wenig gut überlegt gewesen sei.