Sie sind die Gesichter ihres Stadtteils: Im Zuge der Kommunalwahl am 9. Juni entscheidet sich auch, ob die Lahrer Ortsvorsteher im Amt bleiben. Zwei von sieben kündigen ihren Rückzug an.
Die Ortsvorsteher der sieben Lahrer Stadtteile sind die ersten Ansprechpartner für die Anliegen der Anwohner. Als Ehrenamtliche leiten sie die Sitzungen der Ortschaftsräte und sind auch im Gemeinderat präsent, um ihren Ort bestmöglich zu vertreten. Auf fünf Jahre – von Kommunalwahl zu Kommunalwahl – werden sie gewählt. Unsere Redaktion hat bei den Ortsvorstehern nachgefragt, ob sie für ihr Amt wieder kandidieren werden.
Sulz: Der größte Lahrer Ortsteil wird im Sommer einen neuen Ortsvorsteher bekommen. Rolf Mauch kündigt im LZ-Gespräch an, dass er sich zwar für den Gemeinde- und Ortschaftsrat aufstellen lässt, jedoch als Ortsvorsteher nicht mehr kandidiert. „Ich möchte den Weg frei machen für jüngere Menschen“, begründet er seine Entscheidung, die er „nicht unbedingt schweren Herzens“ getroffen habe. Nach drei Amtsperioden – der 65-Jährige ist seit 2009 Ortsvorsteher – sei es Zeit, „dass etwas Neues kommt“. Es gebe Sulzer, die nur ihn als Ortsvorsteher kennen und er wolle das Amt „nicht machen, bis ich 70 bin.“ Besondere Projekte in seiner Amtszeit will er nicht hervorheben. „Das hat angefangen mit der Ampel am Sulzer Kreuz“, sagt er. Danach habe es viele weitere Projekte gegeben.
Kippenheimweiler: 2013 hat Tobias Fäßler das Amt als Wylerter Ortsvorsteher übernommen, 2024 soll Schluss sein. „Ich trete nicht mehr an“, kündigt Fäßler im Gespräch mit unserer Redaktion an. Dies habe „gesundheitliche Gründe“, erklärt der 54-Jährige. Schon jetzt lasse er sich häufig vertreten, „eine Verbesserung ist nicht zu erwarten“. Für Fäßler war es „eine Ehre, das Amt auszuüben“, erzählt er weiter. Schweren Herzens gebe er es im Juni ab. Den Ortschaftsrat habe er über diese Entscheidung bereits in Kenntnis gesetzt. Rückblickend sieht er die Gestaltung des Ortes über das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR), das Bürgerzentrum, die Arbeiten auf dem Friedhof und die Sanierung des Kindergartens als wichtigste Projekte an. Und wie denkt Fäßler über die Zukunft von Wylert? „Ich bin überzeugt, dass wir großes Potenzial haben und bin guter Dinge, dass sich ein guter Nachfolger finden wird.“
Hugsweier: Georg Bader ist seit fünf Jahren Ortsvorsteher im kleinsten Lahrer Stadtteil und möchte dies gerne bleiben, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt. Seine Motivation: dazu beitragen, dass der Ort weiter zusammenwächst und „Vorhaben fertig bringen“. Darunter fasst der 58-Jährige das Projekt „Dorv“-Zentrum sowie die Verkehrssituation im Ort mit der gewünschten durchgehenden Einführung von Tempo 30 in der Hauptstraße. Auch die sogenannte „Rubin-Brücke“, ein Zubringer zur Rubin-Mühle, der den Verkehr im Ort entlasten soll, bleibe ein wichtiges Thema.
Mietersheim: Ortsvorsteherin Diana Frei wird erneut für das Amt kandidieren, kündigt sie an. „Das Amt ist unglaublich abwechslungsreich und spannend“, sagt sie. Die 45-Jährige schätzt die Möglichkeit, „den Stadtteil zu gestalten“. Frei ist seit 2013 Ortsvorsteherin. Seitdem habe man „viel erreicht“. Als Beispiele führt sie die Mitsprache Mietersheims an der Gestaltung des LGS-Geländes und des Fachmarktzentrums an. „Auch beim bürgerschaftlichen Engagement hat sich viel getan“, sagt Frei. Ein wichtiges Thema für die Zukunft sei es, die Wildbauten im Außenbereich im Blick zu behalten. Zudem gelte es, einen Jugendraum in der Ortsverwaltung zu realisieren.
Kuhbach: Per Losentscheid wurde Norbert Bühler im Jahr 2009 Ortsvorsteher von Kuhbach. Ob er für eine vierte Amtsperiode kandidiert, kann er zum jetzigen Zeitpunkt „noch nicht sagen“, erklärt er. „Ich warte erst einmal die Wahlen ab“. Die Gestaltung der Dorfmitte, „bei der immer noch nicht alles vorangeht, wie es sollte“, so Bühler, bezeichnet er als das zentrale Thema der vergangenen Jahre. Froh sei er hingegen über die Friedhofserweiterung. Ein Projekt, das ihn – oder potenziell seinen Nachfolger – begleiten werde, sei der Grundschulneubau in den Breitmatten. „Er muss kommen“, fordert Bühler deutlich. Das derzeitige Gebäude „platzt aus allen Nähten“.
Langenwinkel: Annerose Deusch ist von den sieben Ortsvorstehern am längsten im Amt (seit 2004). „Wenn es der Wähler so will, mache ich noch einmal weiter“, kündigt sie an. Ihre Hauptmotivation ist klar: Sie will beim Thema Klinik-Neubau „das Beste rausholen für Langenwinkel“. Doch auch in den vergangenen Jahren hätten sie und der Ortschaftsrat bereits viel erreicht: Unter anderem, dass „die neue Kreisstraße so gebaut wird, wie wir uns es vorstellen“. Aber auch die Renovierung zahlreicher Gebäude im Ort sowie die Sanierung des Friedhofs seien ihr positiv in Erinnerung geblieben.
Reichenbach: Der älteste der Ortsvorsteher in Lahr, Klaus Girstl wird in diesem Jahr 70, möchte gerne eine weitere Amtsperiode dranhängen. „Es sind noch ein paar Sachen offen, die ich gerne abschließen würde“, sagt er. Dazu zählt er die Sanierung der Schule, die Wasserversorgung im Gereut und die Kinderbetreuung. „Reichenbach braucht eine neue Kita“, erklärt er. In 15 Jahren als Ortsvorsteher könne er aber auch auf viel Erreichtes zurückblicken. Zum Beispiel den Ausbau der B 415 mit lärmoptimiertem Asphalt, der den Verkehr deutlich leiser mache. Auch das „rege Vereinsleben“ im Ort freut Girstl.
So läuft die Wahl
Bei der Kommunalwahl am 9. Juni werden in Baden-Württemberg unter anderem die Gremien Ortschaftsrat und Gemeinderat neu gewählt. Im Anschluss stimmt der neu gebildete Ortschaftsrat über den Ortsvorsteher – und damit seinen Vorsitzenenden – ab. Gewählt wird der neuer Ortsvorsteher schließlich vom neuen Gemeinderat, der zumeist dem Vorschlag folgt.