Das Trio „A Million O Clock“ mit Benedikt Reising (Saxofon), Shane Cooper (Bassgitarre) und Thandi Ntuli (Keyboard und Gesang) überzeugte bei ihrem Auftritt in der Galerie Treiber in Ettenheimmünster mit ihrem ganz eigenen Jazz-Stil Foto: Masson

Eine südafrikanisch-schweizerische Band gastierte in Ettenheimmünster und spielte einen ganz eigenen Stil. Das Trio „A Million O Clock“ präsentierte dem Publikum in der Galerie Treiber ihre ganz eigene Interpretation von Jazzmusik.

Ein nicht alltägliches Musikerlebnis erwartete kürzlich die Gäste des Konzertes in der Galerie Treiber. Dort präsentierte sich die Band „A Million O Clock“ – dieses Mal ohne ihren Perkussionisten Paul Amereller – als dennoch überzeugendes Jazz-Trio ohne Manko.

 

Verbal zu beschreiben ist ihr Musikstil schwerlich. Man muss sie einfach hören, weil sie in keine Schublade passen. Da finden sich klassische und moderne Jazzklänge mit ganz speziell südafrikanischen Einflüssen zusammen. Kunststück auch, denn Thandi Ntuli am Keyboard und Shane Cooper an Bassgitarre stammen aus Johannesburg (Südafrika), wo sie den Saxofonisten Benedikt Reising aus Bern (Schweiz) erstmals trafen und nach einigen grenzübergreifenden Sessions – etwa im Baseler Tingueli-Museum oder im Südtiroler Wald – jazzig näher zusammen fanden.

Konzert nimmt einen sanften Anfang

Die Drei weben manche Klangteppiche, etwa zum Einstieg in Ettenheimmünster mit „Bici“ unaufgeregt nahezu meditativ mit sphärischen Tönen und leiser Klangstimme von Ntuli dazu. Bei „Second Thamba“ ließ Reising sein Saxofon dann erstmals gehörig swingen, pointiert von Ntolis filigran beherrschtem Keyboard samt kleinem Solo unterstützt. Nur anfänglich beschränkte sich Cooper mit seiner extrem langhalsigen Longscale-Bassgitarre auf monotonen Background, doch sehr bald setze er verstärkt rhythmische Akzente. Etwa beim „For Shoni“ mit sogar asiatisch anmutenden Klangandeutungen.

Beim „A Million O Clock“ reduzierte sich Cooper zumeist auf mantrahaften Rhythmus, während Reising sein Saxofon von hohem Flötenpfeifen bis zu tiefen Bässen spielen ließ, von Ntulis Keyboard im Dialog prächtig aufgegriffen und übernommen. Doch später hatte er Gelegenheit, mit seinen Instrument auch solistisch zu glänzen – oder eben mal einfach mit Schenkelklatschen und Fußstampfen seinen eigenen Rhythmus zu den Liedern dazu zu geben.

Musiker binden südafrikanische Klänge ein

Was ist der Stil der drei Jazz-Musiker? Nach eigenem Bekunden lange Bögen und verwobene Melodien, dies allesamt deutlich stark vom südafrikanischen Jazz inspiriert, mit eigener Klangsprache und Harmonie untereinander. Feising scherzend: „Vielleicht kann man das eklektischen Groove-Jazz nennen?“ Der zeigte sich auch bei „Funeral in Saigon“ mit heiter anmutend marschierender Begräbniskapelle, „Umhome“ samt ausdrucksstarkem südafrikanischem Gesang Ntulis zwischen Sehnsucht und Hoffnung. Im „Wild Man“ meinte man den Urwald jazzig zu hören und mit „Messenger“ auch einen Musikboten seinen Jazzdienst versehend.

Bei so viel Mixed-Jazz zwischen interpretierter Emotion samt Intimität, Rauheit und purer Freude am Jazz mitsamt seiner südafrikanischen Ausprägung nahm es nicht Wunder, dass sich die Konzertgäste mit entsprechendem „San Song“ natürlich eine Zugabe erklatschten.

Der Bandname

Übrigens: Der Band-Name „A Million O Clock“ entstand, als der Südafrikaner Shane Cooper einst vor dem Berner Münster mit seinem ungestümen Geläute ungläubig reagierte: „What time is it? A Million O Clock?“