Bei der solidarischen Landwirtschaft Friesenheim wächst nicht nur das Gemüse. Auch die Mitgliederzahlen, Anbaufläche und das Angebot ist im Vergleich zur ersten Saison größer geworden. Dennoch hat im vergangenen Jahr „nicht alles so geklappt, wie gedacht“.
Simone Erb empfängt unsere Redaktion an dem Ort, den sie seit fast genau einem Jahr ihren Arbeitsplatz nennen darf: ihr rund zehn Ar großes Stück Land in Friesenheim. Dort betreibt sie mit ihrem Ehemann Frank die sogenannte solidarische Landwirtschaft – kurz: Solarie. „Mitglieder unterstützen uns mit Beiträgen und erhalten dafür wöchentlich frisches Gemüse zur Abholung“, erklärt Erb, was dahinter steckt.
Das Ganze läuft nun seit Anfang 2023, seit Dezember ist der Betrieb in Winterpause. Gearbeitet wird trotzdem. Das bestätigt ein Blick in das große Gewächshaus: Ordentlich aneinandergereihte Beete, aus der Erde sprießen saftig-grüne Blätter aller Art. „Rund 60 Kulturen bewirtschaften wir hier“, erklärt Erb. Von Zucchini bis Knoblauch über Sellerie ist alles dabei. Angebaut wird das Ganze für 37 Mitglieder, die ihr Gemüse ab dem 1. März wieder abholen können. Im Vergleich zur ersten Saison ist die Anzahl um 14 Mitglieder gewachsen. Allgemein scheint die Solarie Friesenheim einen guten Start hingelegt zu haben. „Seit diesem Jahr haben wir auch ein neues Gewächshaus und eine Lagerfläche“, erklärt Erb. „Für einen Anfang kann man zufrieden sein“, zieht sie Bilanz, betont jedoch: „Es hat aber nicht alles geklappt, wie ich es mir gedacht habe.“ So sei es ihr im vergangenen Jahr nicht gelungen, Kulturen wie Mais anzubauen.
Künftig wird auch unter freiem Himmel angebaut
Ein Grund, deshalb niedergeschlagen zu sein, ist das für Erb nicht – im Gegenteil. Auch in diesem Jahr möchte sie neue Dinge ausprobieren und hat bereits konkrete Vorstellungen, wie die solidarische Landwirtschaft in Friesenheim künftig aussehen soll: „Wir wollen noch mehr Kulturen anbauen – nicht nur in unseren Gewächshäusern, sondern auch im Freiland.“ Zudem habe man auch neue Obstbäume gekauft, um neben Gemüse auch Früchte anbieten zu können. „Hühner holen wir uns auch, damit unsere Mitglieder eine Hühnerpatenschaft eingehen können“, blickt Erb in die Zukunft.
Steigende Mitgliederzahlen, ein weiteres Gewächshaus und der Anbau auf Freilandfläche – mit dem wachsenden Angebot, wächst auch die Arbeit, die täglich auf Erb zukommt. Aus diesem Grund hat sie seit diesem Jahr auch eine neue – und gleichzeitig erste – Mitarbeiterin. „Das ist ein richtiger Glücksfall“, zeigt sich Erb zufrieden mit der Arbeit ihrer helfenden Hand.
Die Vorbereitungen laufen noch bis Freitag. Ab diesem Tag dürfen die Mitglieder wieder auf das Solarie-Gelände kommen, um ihre Lebensmittel abzuholen. Erb sieht dem mit gemischten Gefühlen entgegen: „Ich bin vieles, aber nicht gelassen“, sagt sie lachend. Allerdings freue sie sich darauf, die neuen und alten Mitglieder zu begrüßen und die Gemeinschaft wieder aufleben zu lassen. Zumal das Konzept der solidarischen Landwirtschaft mehr sei, als der bloße Austausch von Geld und Ernte. „Man gibt sich gegenseitig so viel“, erzählt Erb aus Erfahrung. So habe ihr ein Mitglied Kabel zur Verfügung gestellt, wodurch das zweite Gewächshaus mit Strom versorgt werden kann.
Wie die zweite Saison der Solarie laufen wird, lasse sich nicht sagen. „Jedes Jahr ist anders“, erklärt die Landwirtin in Bezug auf das Wetter. „Es kann nicht immer alles perfekt laufen, es gab allerdings noch nie eine Woche, in der es für die Mitglieder nichts gab.“
So kann man mitmachen
Wer Teil der solidarischen Landwirtschaft Friesenheim sein möchte, kann sich noch bis Freitag, 1. März, bei Simone Erb melden. Die Kontaktdaten gibt es auf der Internetseite unter www.solarie-friesenheim.de.