Mit der Idee, am Gründonnerstag einen Kneipengottesdienst mit Abendmahl anzubieten, hat Pfarrerin Anna Manon Schimmel von der evangelischen Emmausgemeinde ins Schwarze getroffen. 80 Besucher folgten der Einladung in den Dundenheimer „Adler“.
Jung und Alt aus Nah und Fern, traditionelle Kirchgänger beider christlicher Konfessionen, Atheisten, und die Stammbesucher aus der Kneipe belegten bereits 45 Minuten vor Beginn im Gastraum alle Sitzplätze an den Tischen.
Im direkt angeschlossenen Nebenraum waren mehrere Stuhlreihen aufgebaut worden, die sich schnell füllten. Statt andächtiger Stille im sakralen Kirchenraum und getragenen Orgelklängen gab es bei diesem Gottesdienst musikalische Begleitung des Duos Rinaldo und Charlie, die mit Gitarre und Akkordeon bekannte Evergreens spielten, sowie den ganz normalen Kneipenbetrieb, der während der Predigt allerdings unterbrochen wurde.
Der Abend bot weit mehr als ein gemütliches Beisammensein bei Bier und Wein. In Jeans und Pullover statt im schwarzen Talar gelang es Pfarrerin Anna Manon Schimmel, die bekannte biblische Geschichte vom letzten Abendmahl am Gründonnerstag erfrischend neu zu erzählen und die aufmerksamen Zuhörer zum Nachdenken anzuregen. „Gott ist mit uns, er ist bei den Menschen, auch hier in der Kneipe“, zeigte sie sich überzeugt.
Pfarrerin Schimmel hatte den Gottesdienst unter das Thema „Unter Freunden“ gestellt und berichtete zunächst aus ihrem eigenen Leben. Ihr gelinge es nicht, das in vielen Kalendersprüchen gepriesene Idealbild einer Freunden zu erfüllen, die nie einen Geburtstag vergisst, Postkarten und Briefe schreibt und immer wieder anruft.
„Ich bewundere Leute, die das können, aber das ist ein ziemlich anstrengender Job“, meinte sie. Die Pfarrerin ermunterte die Besucher, auf bereitliegenden Bierdeckeln zu notieren, was ihnen Freunde besonders Gutes getan hätten und die Bierdeckel mit einer Wäscheklammer an einer Leine zu befestigen, die quer durch die Kneipe gespannt war.
Pfarrerin schlägt Brücke zum letzten Abendmahl
Man konnte aber auch notieren, ob man den Freunden verzeihen konnte, wenn man einmal enttäuscht wurde. Und an diesem Punkt knüpfte sie an das biblische Geschehen am Gründonnerstag an. Jesus habe seinen letzten Abend mit seinen Freunden, den Jüngern verbracht, ihnen die Füße gewaschen und das letzte Abendmahl mit ihnen gefeiert.
Alle seien harmonisch beieinander gewesen und doch habe Judas noch in derselben Nacht verraten und Petrus habe Jesus nach dessen Verhaftung verleugnet. „Die Freunde haben es in dieser Nacht vermasselt“, meinte die Pfarrerin auch angesichts dessen, dass die Jünger nach dem Beisammensein im Garten Gethsemane einschliefen, anstatt auf die Bitte von Jesus einzugehen und mit ihm zu wachen und zu beten.
„Aber Jesus verzeiht seinen Freunden, noch bevor diese Fehler begangen sind, obwohl er weiß, was geschehen wird“, betonte Pfarrerin Schimmel. Es sei nicht schwer, Jesus zu lieben, aber er habe gezeigt, wie man sogar Menschen wie Judas und Petrus trotz ihrer Verfehlungen lieben könne. Das sei ein schwerer, weiter Weg., „Dies ist mein Gebot: Ihr sollte einander lieben, wie ich euch geliebt habe“, zitierte sie.
Erstmals wurde bei einem Kneipengottesdienst gemeinsam das Abendmahl gefeiert. Die Pfarrerin und mehrere Helfer teilten Brot und Wein oder Traubensaft aus und sie bat die Anwesenden darum, einander „vorbehaltlos und erwartungslos“ zu begegnen. Das gemeinsam gesprochene Vater unser und der von der Pfarrerin erteilte Segen beschlossen einen ungewöhnlichen Gottesdienst, der bei den Besuchern viel Anklang fand.
Pfarrerin Schimmel dankte eingangs und auch noch mal abschließend den „Adler“-Wirten Manuel und Sylvia. Sie gedachte auch des ehemaligen Wirts Dietmar Fässler, der an diesem Tag gestorben war.
Großer Andrang
2019 hatte Pfarrerin Schimmel erstmals zu einem Kneipengottesdienst in Ichenheim ins Gasthaus „Hechten“ eingeladen. Sie hatte diese Idee aus Weinheim mitgebracht, wo sie als Pfarrerin im Probedienst gearbeitet hatte. Schon 2019 war der Andrang überwältigend, die Besucher standen sogar im Eingang des „Hechten“, um den Gottesdienst zu verfolgen.