Die Tür geht zu: Pfarrer Christoph Nobs muss das Kinzigtal verlassen. Foto: Archivfoto: Reinhard

Hornberg/Hausach/Gutach - Das kam plötzlich: Pfarrer Christoph Nobs wird Ende Juli die Seelsorgeeinheit Hausach-Hornberg verlassen. Das Ordinariat beendet die mehrjährige Probezeit, hält sich mit einer Begründung aber zurück. Die Nachricht löst Bestürzung aus.

Die Entscheidung steht fest: Der Dienst von Pfarrer Christoph Nobs in der Erzdiözese Freiburg soll zum Ende des Monats auslaufen.

Das sagen die Pfarrgemeinderäte: Die Bekanntgabe in der Sitzung des Pfarrgemeinderats am Montagabend löste hochemotionale Reaktionen aus. "Eure Exzellenz, so geht das nicht", wollte Pfarrgemeinderat Zbigniew Andrzej Pacwa dem Freiburger Erzbischof Stephan Burger zurufen. Mit diesem Wunsch verlieh Pacwa der großen allgemeinen Bestürzung und Verstörung Ausdruck.

Nachdem die ersten Schockwellen verebbt war, meldeten sich viele Teilnehmer zu Wort. "Das ist eine Unverschämtheit seitens der Amtskirche, uns so auf unserem neu eingeschlagenen Weg auszubremsen", empörte sich Klaus Lehmann aus Hausach. Maßlos enttäuscht zeigte sich Irma Kern darüber, wie mit der Gemeinde umgegangen werde. Ernüchtert fühlte sich Pfarrgemeinderätin Beatrix Wurster: "Ich weiß nicht, ob ich in diesem Gremium bleibe", meinte sie und fühlte sich in "Schockstarre". Sie frage sich, warum Menschen mit ihrer Kritik am Pfarrer nicht zu ihnen gekommen sei und weiterhin, ob sie eine Gemeinde vertreten wolle, die in einem gewissen Ausmaß so hinterlistig agiere.

Das sorgt für Verärgerung: Für besondere Irritation sorgte die Kürze der Zeit, in der die Entscheidung getroffen wurde und offenbar "nicht mehr verhandelbar" ist. "Am 21. Juni wurden Uwe Faller und ich von Pfarrer Christoph Nobs informiert und wir haben unverzüglich einen Brief an den Erzbischof verfasst", berichtete Vorsitzende Monika Tschersich. Angesichts der Aufbruchstimmung in der Seelsorgeeinheit, der kreativen und intensiven Unterstützung durch Nobs bei neuen Projekten haben "wir damit zuletzt gerechnet". "Was uns sehr geärgert hat und wir ausgesprochen bedauerlich finden ist, dass niemand vom Pfarrgemeinderat zum Dienstverhältnis unseres Pfarrers befragt wurde", stellte Tschersich fest. Bei dem Gespräch im Erzbischöflichen Ordinariat habe kein Austausch stattgefunden, es wurde lediglich mitgeteilt: Der Beschluss ist unabänderlich. Bis zuletzt habe man gehofft, dass sich das Blatt noch wenden ließe und habe Stillschweigen bewahrt.

Das sagen die Bürgermeister: Siegfried Eckert meldete sich als Christ und Gutachs Bürgermeister zu Wort und betonte seine Wertschätzung für die Arbeit des Pfarrers. Gemeinsam mit den Bürgermeisterkollegen Siegfried Scheffold und Wolfgang Hermann sei ein Termin in Freiburg vorgesehen. "Freiburg muss hören, dass wir uns nicht mitgenommen fühlen", so Eckert.

Das sagt der Pfarrer selbst: Nobs verlas in der Pfarrgemeinderatssitzung: "Um etwaigen Spekulationen zuvorzukommen, möchte ich Sie informieren, dass gegen mich keine gravierenden Vorwürfe vorliegen." Dann verließ er die Sitzung, um sie nicht zu blockieren, wie er sagte. Manche hätten ja Probleme mit ihm und Kritik in Freiburg geäußert. Weil Nobs vorzeitig ging, war die geplante Verabschiedung nicht möglich – es gab aber langanhaltenden Beifall, der ihn zur Tür begleitete. Nobs meldete sich am Dienstag zwar auf einen Anruf hin bei der Redaktion, wollte sich jedoch nicht zu der Angelegenheit äußern. Auch Gemeindereferentin Katharina Gerth wollte öffentlich nichts sagen.

Das sagt das Ordinariat: Offiziell beruht die Entscheidung auf der "Einbeziehung der Erfahrungen in den vergangenen drei Jahren und Berücksichtigung der personellen Planungen". Der Wortlaut entstammt der Mitteilung von Nobs, mit der er die Sitzungsteilnehmer informierte. Gleiches ist in einer Mitteilung des Erzbischöflichen Ordinariats an die Presse nachzulesen. Dort steht unter anderem außerdem: "Wie das Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg entschied, kann der zum Erzbistum München und Freising gehörende Nobs nicht als Priester in der Erzdiözese Freiburg übernommen werden." Nobs befinde sich in einer mehrjährigen Probezeit, während der Priester und die Erzdiözese prüfen würden, ob sie auch über diese Zeit hinaus zusammenarbeiten könnten. Dies war allem Anschein nach nicht der Fall.

Das steht im Pfarrbrief: Die Gläubigen informiert Pfarrgemeinderatsvorsitzende Monika Tschersich im aktuellen Pfarrbrief über die Vorgänge. "Der Pfarrgemeinderat hätte sich so sehr gewünscht, Pfarrer Nobs hätte uns in den kommenden Jahren bei der Entwicklung in die große Pfarrgemeinde begleiten können", heißt es dort. Vieles in der Pfarrei sei im Aufbruch. "Wir durften ihn erleben als einen dynamischen und erfrischenden Pfarrer, der die Eigenschaft besitzt, den Menschen unverschnörkelt, ungekünstelt und authentisch zu begegnen", lobt Tschersich. Des weiteren hatte Nobs seine Stellungnahme, die er auch in der Pfarrgemeinderatssitzung vorgelesen hatte, im Pfarrbrief abdrucken lassen.

So soll es weitergehen: Verwaltungsmäßig würde Hausach-Hornberg der Seelsorgeeinheit Haslach zugeordnet, heißt es im Pfarrbrief. Der neue Pfarrer in Haslach, Michael Lienhard, wird der gemeinsame Leiter. Die Kirchengemeinde Hausach-Hornberg soll mit einem Kooperator besetzt werden. "Wenn alles klappt, wird Dienstbeginn im Herbst sein", erklärt das Ordinariat auf Anfrage des Schwabo. Nobs soll am Sonntag, 25. Juli, verabschiedet werden.

Christoph Nobs hatte im Frühjahr 2018 seine Arbeit als Pfarrer für die Seelsorgeeinheit Hausach-Hornberg aufgenommen. Sein Vorgänger Gerhard Koppelstätter war in den Ruhestand gegangen. Ursprünglich stammt Nobs aus Bräunlingen, studierte in Freiburg und war dann als Seelsorger in Bayern tätig, unter anderem auch für Gefängnisinsassen. Auch in Kolumbien arbeitete er in der kirchlichen Menschenrechtsarbeit.

Mit Pfarrer Christoph Nobs geht ein Pfarrer, der mit den Zeichen der Zeit ging und aussprach, was er dachte. Schon zu Beginn seiner Pfarrtätigkeit bezeichnete er sich als kritischen Geist, betonte, dass jeder Mensch für sich ein Experte in Religion sei und rief zum Miteinander sowie Vernetzen auf – auch über Konfessionsgrenzen hinweg, wie sich bald zeigen würde. In Interviews kritisierte er "streng hierarchische oder pyramidale Systeme" und bezog das auch auf die Kirche. Mit Sätzen wie "es geht nicht mehr, dass nur eine exklusive Gruppe von Männern, die dann auch noch zölibatär lebt, die alleinige Macht hat", zeigte er den Reformwillen, den viele Menschen an der Kirche vermissen und machte deutlich, dass er auch sich als Pfarrer nicht für eine erhabene, fehlerlose Eminenz hielt.

Doch nicht nur diese Einstellung, auch die manchmal forsche Weise, mit der er seine Ideen voranbringen wollte, stieß manchem wohl sauer auf. Das wurde das erste Mal deutlich, als im Januar 2019 die Gemeindereferentin Claudia Rieger überraschend nach Haslach wechselte. Damals gab es Gerüchte, dass dieser Vorgang mit seinem Führungsstil zu tun habe. In dieser Situation übten Nobs und Hans-Michael Uhl seitens der evangelischen Kirche, die ebenfalls über Personalmangel klagte, den Schulterschluss und zeigten Offenheit gegenüber ökumenischen Ideen, um die Lücken zu schließen. Mit solchen begeisterte Nobs viele, aber er irritierte auch einige. So oder so: Mit ihm geht ein fortschrittlicher Pfarrer, der für eine moderne Kirche hätte stehen können.

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