Heinrich Krämer (Zweiter von rechts) spielte mit Tochter Michaela und den Enkeln Timo (links) und Lea (rechts) gemeinsam in der Hofstetter Musikkapelle. Michaela Rohkohl war die erste Frau in den Reihen der aktiven Musiker.Foto: Störr Foto: Schwarzwälder Bote

Jubiläum: Hofstetter Musikkapelle feiert 100-jähriges Bestehen / Musiker-Gen in Familie weitergegeben

Die Hofstetter Musikkapelle feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum. Der Schwabo stellt den Verein in einer losen Reihe vor. Heute steht eine Familie im Mittelpunkt, die als erste mit drei Generationen gemeinsam auf der Bühne musiziert hat.

Hofstetten. Musiker-Urgestein Heinrich Krämer ist seit seinem 17. Lebensjahr der Musik aufs Engste verbunden. Wer ihn kennt weiß, dass er die Hofstetter Musikkapelle als Dirigent und Jugendausbilder maßgeblich geprägt hat sowie lange Jahre leitende Funktionen im Präsidium des Blasmusikverbandes Kinzigtal innehatte. Daneben spielte er in unterschiedlichen Tanzkapellen, im Stabsmusikkorps der Bundeswehr, in verschiedenen Auswahlorchestern und bei "Egerländer Gold".

Diese Begeisterung für die Musik ging an seine Kinder Norbert und Michaela über, die nach der musikalischen Früherziehung und dem Blockflötenunterricht mit der Ausbildung am Schlagzeug und dem Klavier begannen. Und während der Weg in die Hofstetter Musikkapelle für Norbert Krämer vorgezeichnet war, rieb sich Schwester Michaela irgendwann verwundert die Augen. "Für mich war schon von klein auf klar, dass ich in der Musikkapelle mitspiele. Schließlich war mein Großvater Gründungsmitglied (Muser-Jörg), meine Onkel spielten und mein Vater war ab 1972 zusätzlich Dirigent", erzählt Michaela Rohkohl.

Doch dann habe sie gemerkt, dass man sie in der Kapelle gar nicht wolle. Damals gab es nämlich nur vereinzeltet Frauen in den Blaskapellen, bei allen anderen wäre das Musizieren ausschließlich Männersache gewesen. Als dann aber ihr großer Bruder das erste Konzert gespielt hatte, war für sie klar: "Das will ich auch!" Und sie begann, bei ihrem Vater hartnäckig nachzufragen. Allerdings hatte sie lediglich das Klavier spielen gelernt, was in einer Blaskapelle eher weniger gefragt war.

Nach drei langen Jahren gestand Heinrich Krämer seiner Tochter dann zu, die Querflöte zu erlernen. Erst im Frühjahr 1985 fasste der Vorstand der Hofstetter Musikkapelle den zukunftsweisenden Beschluss, dass fortan auch Mädchen mitspielen dürfen. Ein halbes Jahr später stellte Heinrich Krämer den Antrag zur Aufnahme seiner Tochter, dem dann auch entsprochen wurde.

Die nächste Herausforderung bestand in der Auswahl der Uniform, wie sich Michaela Rohkohl lachend erinnert. "Der Uniform-Schneider wollte mir eine Tracht andrehen, aber das habe ich vehement abgelehnt."

Auswahl der Uniform als Herausforderung

Auch das von Josef Giesler (Schul-Sepp) vorgeschlagene "Schiffchen" als Kopfbedeckung habe sie weit von sich gewiesen. Sie wollte eine Uniform wie die Musiker tragen – wahlweise mit Hose oder Rock. Das erste Jahreskonzert spielte sie dann am 30. März 1986 und freute sich über die positive Resonanz. Bis weitere Mädchen in die Musikkapelle kamen, sollte es dann fünf Jahre dauern.

Tochter Lea Rohkohl hatte dann von Anfang an den Ehrgeiz, in der Kapelle mitzuspielen und entschied sich für die Klarinette. Dass sie gemeinsam mit Opa Heiner in der vereinseigenen "Vesperband" auftritt, bereitet Lea besondere Freude. Und sie war auch der Grund, warum Heinrich Krämer länger aktiv musizierte, als ursprünglich geplant war. "Ich wollte gerne noch mit beiden Enkeln auf der Bühne spielen, was beim Osterkonzert 2016 dann der Fall war." Denn auch Timo Rohkohl ist begeisterter Musiker und seit 2014 exzellenter Schlagzeuger bei den Osterkonzerten, beide Enkel haben das Jungmusiker-Leistungsabzeichen in Gold absolviert. Im Oktober 2017 spielten sie dann ihr letztes gemeinsames Konzert im Prechtal, seither tritt Heinrich Krämer etwas kürzer.

Am 30. März 1986 spielte Michaela Rohkohl als erste Frau beim Jahreskonzert der Hof­stetter Musikkapelle mit. Anfang 1992 waren von 55 aktiven Musikern fünf Frauen, ein Jahr später von 62 Aktiven sechs Frauen. Die Frauenquote stieg nach 2010 (16 Prozent) deutlich an, und lag ab 2011 bei 25 Prozent. Im April 2016 wurden 35 Prozent Frauen registriert, bis 2019 war die Quote wieder auf 26 Prozent gesunken. Anlässlich des 30-jährigen Mitspielens von Frauen in der Hofstetter Musikkapelle unternahmen die Musikerinnen im Oktober 2015 einen eigenen Ausflug. Seither wird jährlich ein anderes Ziel für den Ausflug der aktiven Musikerinnen ausgesucht.

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