Spannend war auch der Streifzug durch die frühere örtliche Gastronomie.Interessant waren die Ursprünge des Gasthauses Blume am Bahnhof. Foto: Kern

Philokartie ist die Liebe zu den Postkarten. Das Heimatmuseum hat dem Thema zwei Vorträge gewidmet. Hat heutzutage das Selfie die Ansichtskarte aus dem Urlaub abgelöst, geben vor allem historische Grußkarten Einblicke in vergangene Zeiten.

Der erste Vortrag Ende September befasste sich mit der Entstehung, Entwicklung und Vielfalt des nostalgischen Mediums im Allgemeinen. Unter anderem wurde aufgezeigt, wie mit Karten für den Ersten Weltkrieg geworben und in den Kriegsjahren damit die Öffentlichkeit manipuliert wurde. Im zweiten Teil präsentierte Udo Prange zahlreiche Zeugnisse, die Einblick gewährten in die Hausacher Geschichte oder das Andenken an Persönlichkeiten der Stadt wachrief.

 

Eine davon war die Ansicht der „Karl Moog Hütte“, die an den Bürgermeister erinnerte, nach dem sie benannt wurde. Karl Moog leitete von 1919 bis 1933 die Geschicke der Stadt. Bei einer Parteiveranstaltung der NSDAP fand eine Gegendemonstration der Pfadfinder statt und Moog rief dazu auf, die Ruhe zu bewahren: „Jetzt singen wir erst mal das uns allen bekannte Lied“. Statt des erwarteten Horst-Wessel-Liedes stimmte er das Volkslied „Im Schönsten Wiesengrunde“ an. „Damit war seine Zeit als Bürgermeister beendet, er wurde abgesetzt“, erklärte Prange. Hochbetagt habe Moog noch an der Einweihung des neuen Freibads teilgenommen.

Die feierliche Eröffnung des Hausacher Tunnels 1995 wurde ebenfalls festgehalten auf einer bunten Karte, die Helmut Selter erhielt. Der für seine Liebe zu seinem Heimatstädtle allseits bekannte und unvergessene Selter war auch jahrzehntelang freier Mitarbeiter des Schwarzwälder Boten.

Immer wieder kamen spontane Beiträge aus dem Publikum, wenn Prange die Ansichtskarten erörterte. „Ach, da war das Dorf noch nahezu unbebaut“, hieß es oder: „Wo ist eigentlich das Spritzenhaus auf der Karte?“ Das wurde auf einer späteren Postkarte noch entdeckt, doch bei manchen war in der Tat einiges weg retuschiert worden, wie etwa die katholische Kirche in der Hauptstraße. Das hatte laut Prange mit den Busladungen voll Touristen zu tun, die damals in den Luftkurort Hausach kamen. Das mit der Kirche verbundene Glockengeläut sollte gar nicht erst die Vorstellung auslösen, die in Aussicht gestellte Ruhe zu stören. Das Prädikat Luftkurort ging der Stadt übrigens verloren, als die Straße erneuert wurde und der Verkehrsdurchfluss sich erhöhte, wie Prange auf Nachfrage erklärte.

Spannend war auch der Streifzug durch die örtliche Gastronomie. Vieles wurde umbenannt, anderes gibt es gar nicht mehr. Interessant sind die Ursprünge des Gasthauses Blume am Bahnhof. Im Jahr 1870 wurden die Gleis- und Tunnelarbeiter noch aus großen Kesseln im Hof verköstigt mit einer Barackenkonzession. „Das Traditionsgasthaus ist auch bald Geschichte, denn Ende des Jahres wird die Blume schließen,“ merkte Prange an.

Er kündigte für das letzte Novemberwochenende die Vorstellung des neuen Kalenders mit Motiven von Harry Niecznik in besonderer Technik an.

Das Herrenhaus-Museum

Das städtische Museum im Herrenhaus ist ein Barockbau aus dem Jahr 1760, das für die Besitzer und „Herren“ des Schmelz- und Hammerwerkes errichtet wurde. In den 1960er- Jahren wurde ein möglicher Abriss diskutiert, der auf Initiative des Historischen Vereins verhindert wurde. Nach umfangreicher Sanierung wurde das Gebäude im Jahr 1990 wieder eröffnet.