Wohnraum: Anwohner kristiseren geplantes Bauvorhaben / Hausach will Flächenverbrauch reduzieren

Beim Thema Wohnraum erhitzen sich die Gemüter im Kinzigtal. Ein geplantes Mehrfamilienhaus in Hausach soll Suchenden eine Bleibe bieten, doch die Anwohner sind nicht erfreut. Sie haben ihre Bedenken nun in einem Flyer zusammengefasst.

Hausach. Viele Menschen wollen im Kinzigtal wohnen und arbeiten, doch eine bezahlbare Bleibe zu finden, ist schwierig bis unmöglich. nWohnraum ist im Kinzigtal knapp: Denn die Region bietet aufgrund ihrer Topografie – ein Tal hat nun einmal nur begrenzt Fläche zu bieten und dann ist da noch die Kinzig, für die Hochwasserflächen bereit gehalten werden müssen – nicht unendlich viel Platz für Wohnraum. Statt Einfamilienhäusern wollen viele Kommunen nun vermehrt Mehrfamilienhäuser bauen und auf Verdichtung zu setzen.

nDas Dilemma wird in Hausach deutlich: So auch in Hausach. In der Dorfstraße soll ein altes Gasthaus abgerissen werden, damit ein Mehrfamilienhaus entstehen kann. Die Pläne dafür sowie deren Offenlage waren Thema der jüngsten Gemeinderatssitzung. Viele Anwohner waren als Zuhörer erschienen, um ihre Bedenken zu äußern. Damit war die Situation in Hausach symptomatisch für das Problem des gesamten Kinzigtals: Auf der einen Seite stehen Rat und Verwaltung, die dringend benötigten Wohnraum schaffen wollen, auf der anderen Seite Anwohner, die fragen: Aber zu welchem Preis?

nDas kritisieren die Anwohner: Einer von ihnen ist Josef Vetterer, der mit einigen seiner Nachbarn das Vorhaben kritisiert. "Als wir im November des vergangenen Jahres die Pläne das erste Mal zu Gesicht bekommen haben, war das Haus noch größer vorgesehen", berichtet Vetterer. Erst auf die Kritik der Anwohner sei der derzeitige, kleinere Plan geboren worden. Doch auch den aktuellen kritisieren sie. Gebäudehöhe und Bebauungsdichte fügten sich nicht in das vorhandene, "sensible" Umfeld ein und die moderne Bebauung entspreche nicht dem dörflichen Umfeld, der Bau sei zu massiv, meinen die Anwohner. Desweiteren sei auch das erhöhte Verkehrsaufkommen zu bedenken. Zudem würde das eine Haus nah am Gehweg stehen. "Wenn die Autos da wegfahren, stehen sie mit der Schnauze am Bürgersteig", gibt er die schlechten Einsichtsverhältnisse zu bedenken.

nDas sind ihre Verbesserungsvorschläge: Dennoch ginge es ihnen nicht darum, den Bau grundsätzlich zu verhindern. "Uns ist klar, dass das passieren wird", sagt Vetterer. Aus diesem Grund haben die Anwohner Verbesserungsvorschläge zusammengestellt. So regen sie beispielsweise eine Tiefgarage an sowie die Reduzierung der Dachneigung und ein Abrücken von der jetzigen Gehwegkante.

nDie Reaktion des Rats enttäuscht die Anwohner: Gemeinsam mit einigen Nachbarn hat er seine Bedenken und Verbesserungsvorschläge in einem Flyer zusammengefasst und einige Visualisierungen erstellt, die unterstreichen sollen, dass das geplante Haus nicht in die "sensible" Bebauung passt. Diesen hatten sie vor der Ratssitzung sowohl dem Gremium als auch der Verwaltung zukommen lassen. Enttäuscht habe ihn die folgende Reaktion der Räte. "Die waren sich schon alle einig, es gab keine Einwände", meint Vetterer.

nGemeinde will Flächenverbrauch reduzieren: "Wir müssen einfach Innenverdichtung betreiben, um Wohnraum zu schaffen", erklärt Hausachs Bürgermeister Wolfgang Hermann. Eine Flächenverbrauch wie früher könnten sich due Gemeinden einfach nicht mehr leisten. Das geplante Mehrfamilienhaus wäre nicht das erste, das in Hausach entsteht, und bei vielen sei es zuerst so gewesen, dass sie auf den ersten Blick massiv wirkten. "Aber dann fügten sie sich gut ins Bild ein", meint Hermann. Dass das Haus in der Dorfstraße massiver als die derzeit dort stehende Scheune sei, sei aber klar.nBürgermeister befürwortet Tiefgaragen: Er persönlich sei ein Freund von Tiefgaragen, nur seien sich die Anwohner in dieser Hinsicht auch nicht einig. Einige seien dafür, andere, gerade die Anlieger, nicht. "Wir wären jedenfalls froh, wenn die Autos in Tiefgaragen kommen." Ansonsten seien bisher ganz normal Stellplätze geplant. Eine erhöhtes Verkehrsaufkommen oder Gefährdung des Verkehrs sieht er nicht. "Da sollte man sich eher die Verhältnisse in anderen Straßen wie den ›Reben‹ oder in der Altstadt ansehen", sagt Hermann.

nIst die Bebauung wirklich sensibel?: Die Aussage, dass die Bebauung an der Dorfstraße "sensibel" ist, kann Hermann nur insofern teilen, dass die Dorfkirche das älteste Gebäude Hausachs ist. Aber allein das mache eine Bebauung noch nicht sensibel, meint der Bürgermeister.

nDer Gedanke an die Zukunft: Hausach hoffe, mit einem Mehrfamilienhaus nicht nur Wohnungen für Singles oder Paare zu schaffen, sondern auch altersgerechten Wohnraum, so dass Senioren ihre zu groß gewordenen Häuser für Familien frei machen, erklärt der Bürgermeister die hinter dem Vorhaben liegenden Gedankengänge. Desweiteren suchten viele Industriebetriebe händeringend nach Fachkräften, doch diese fänden in der Umgebung keinen Wohnraum.

nEs ist noch nichts entschieden: "Es wird immer so getan, als wäre bereits alles entschieden. Dem ist nicht so", betont Hermann. Das Verfahren gehe seinen gewohnten Gang und jetzt bestehe während der Offenlage die Möglichkeit, Einwendungen einzureichen. Davon wollen die Anwohner auch Gebrauch machen, erklären sie. Eine Unterschriftenaktion sei ebenfalls nicht auszuschließen, meint Vetterer.

Die bestehenden Gebäude – ein Gasthaus mit Scheune und Schuppen – sollen abgerissen werden. Geplant ist eine dichtere Bebauung mit zwei differenzierten, dreigeschossigen Häusern. Die Flächen der Wohnungen sollen zwischen 51 bis 129 Quadratmeter liegen.

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