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Hausach Auf dem Schoß des Grafen Heinrich

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Was zuerst wie Ringelreihen aussieht, entpuppt sich als anspruchsolle Choreografie – zumindest für mich. Foto: Ritter Foto: Schwarzwälder-Bote

Graf Heinrich hat ein Problem: Seine Mutter will ihn so schnell wie möglich verheiraten, um die Erbfolge zu sichern. Am liebsten mit der vermögenden Baroness Clara. Diese ist zwar durchaus hübsch anzusehen, aber leider hat sie auch eine durchdringende Quietschstimme. Kein Wunder also, dass Heinrich sich lieber mit seinen beiden Hobbys beschäftigt: Seiner Burg und der "Erforschung der weiblichen Physiognomie", wie er es nennt. Um genauer zu sein: Meiner. Wie es dazu kommen konnte, dass ich auf dem Schoß des Grafen sitze, während er vorsichtig meinen Hals küsst, ist mir ein Rätsel.

Vor ein paar Minuten stand ich noch mit ein paar Schauspielern, die die Burgfestspiele in Hausach gestalten, auf einer Wiese vor der Burg Husen und hielt zwei Kinder an den Händen. Mit ihnen und ein paar anderen Schauspielern übte ich im Rahmen ihres Probenwochenendes den Tanz ein, mit dem sie das Bühnenspektakel über das Leben des Grafen Heinrich eröffnen. Was auf den ersten Blick ein wenig wie Ringelreihen aussah, entpuppte sich schnell als anspruchsvolle Choreografie. Zumindest für mich.

Während die Kleinen fröhlich durch die Gegend hopsten, versuchte ich, meinen rechten vom linken Fuß zu unterscheiden, drehte mich an der falschen Stelle und lief in die falsche Richtung. Erst als Annette Gündel, die die Tanzübungen leitet, Musik einschaltet, finde ich den Rhythmus: links, hüpf, links, hüpf, drehen, klatschen. Geht doch.

Wie heiß es auf der Burg Husen ist, dass die Kleidung am Körper klebt und ich bestimmt schon einen Sonnenbrand habe, vergesse ich für einen Moment. Dennoch bin ich froh über eine kleine Pause, während der ich mich mit einer der Tänzerinnen, Jasmin Preuss, unterhalte, die, wie sie erzählt, im Stück später noch "eine tragende Rolle" spielt. Sie macht bereits zum zweiten Mal bei den Burgfestspielen mit.

"Ich habe zuerst Improvisations-Theater gemacht, bis ich durch Zufall zur Festspiel-Gruppe dazugekommen bin", erzählt sie. Das Theater hat für sie eine besondere Bedeutung: "Schauspielern bringt für mich auch fürs Leben etwas", sagt sie. "Man kann hier Dinge tun, die man sich im Alltag nicht traut." Dass ich diese Erfahrung gleich auch machen werde, ahne ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Schließlich proben die "Gaukler" die Anfangsszene – ohne mich. Ich nehme dankbar eine mir angebotene kalte Apfelsaftschorle entgegen und stelle fest, dass es mir noch mehr Spaß macht, den Tanzenden zuzusehen als selber mitzumachen. Während dessen herrscht unter den Schauspielern, die auf ihren Einsatz warten und Intendant Jürgen "Mäx" Clever kurz Verwirrung. "Wo ist denn die Gespielin?", fragt Clever. Sie ist nicht aufzufinden. Doch Clever hat schnell eine Lösung gefunden: Mich.

Auf die Frage, ob ich einspringen würde, bringe ich nur "Oh je" heraus. Nicht genug Widerstand anscheinend, denn einen Augenblick später finde ich mich mit dem "Grafen", um genauer zu sein mit Schauspieler Marco Jörger, auf der Bühne wieder. Er erklärt mir, was ich zu tun habe und warnt mich vor: "Ich werde dich gleich am Hals küssen und dann schmeiße ich dich von meinem Schoß."

Unbeholfen nehme ich dort Platz und eine leise Musik markiert den Beginn des Theaterstücks. "Graf" Marco schafft es, die Liebkosungen unaufdringlich und höflich zu schauspielern und dennoch fühle mich nicht ganz wohl. Wo soll ich hinschauen? Was mache ich mit meinen Armen? Ich erkenne mich nicht wieder. Verflixt, ich bin doch eigentlich gar nicht schüchtern. Der "Graf" nimmt mir ein wenig der Anspannung: "Die Musik dauert irgendwie länger als sonst", flüstert er kichernd.

Schließlich geht es los. Während die Schauspieler über die gräflichen "Studien am Weibe" diskutieren, mutiere ich zur Staffage. Glücklicherweise. Ich nutze die Zeit, um zu überlegen, wie ich mich auf das Stichwort möglichst effektvoll fallen lassen kann. Marco hat mir erklärt, wie die Szene ablaufen soll und wie wir es schaffen, dass ich mich dabei nicht verletze. Er hält mich schon jetzt am Ellbogen fest, womit er meinen Fall abbremsen will.

Als die Worte "Ihre Kutsche ist bereits hier" zu hören sind, springt Marco auf und ich nutze den Schwung, um mit lautem Gepoltere auf die Bretter zu fliegen. Effektvoll ist dieser Sturz anscheinend, denn Marco unterbricht erschrocken sein Spiel, um zu fragen, ob ich mir weh getan habe. Mir geht es gut, ich muss sogar lachen und sofort geht die Probe weiter.

Mein Part ist damit beendet, dass ich beleidigt die Bühne verlasse, damit der Graf seine Mutter in Empfang nehmen kann. Die ist anscheinend nicht erpicht darauf, die Gespielin ihres Sohns kennenzulernen. Als Zuschauerin verfolge ich schließlich die Diskussion Heinrichs mit seiner Mutter, die ihn auffordert, endlich zu heiraten. Eine geeignete Kandidatin hat sie bereits mitgebracht: Baroness Clara verzaubert den Grafen mit ihrer Schönheit, hat aber einen Makel: Sie hat eine fürchterliche Quietschstimme. Heinrich will sie auf keinen Fall ehelichen. Ich amüsiere mich köstlich, wünsche mich aber schon fast wieder zurück auf die Bühne. Jasmin hatte Recht. Im normalen Leben hätte ich mich nie getraut, so slapstickmäßig zu stürzen. Und es hat Spaß gemacht, diese Seite an mir kennenzulernen. ­                  Charlotte Reinhard

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Samstag, 18. Juli, Sonntag, 19. Juli, Mittwoch, 22. Juli, Freitag, 24. Juli, Sonntag, 26. Juli, Mittwoch, 29. Juli, Samstag, 1. August, Sonntag, 2. August. Beginn jeweils um 20 Uhr

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Charlotte Reinhard

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