Brauchtum: Hausacher Narren finden trotz Corona-Pandemie Möglichkeiten, ihre Fasent zu feiern

Ihrem diesjährigen Fasentsmotto "A bissle isch besser als wie nix" sind die Hausacher treu geblieben. Die traditionellen Veranstaltungen fanden statt – wenn auch anders und viel kleiner.

Hausach. Während die Narrenbolizei auf der Jagd nach der mysteriösen Corina ist, die die Fasent boykottiert, Schnurrobmann Marco Schwab das rote Taschentuch zückt und lautstark um das abgesagte Schnurren weh klagt (wir haben über die Filme in den sozialen Medien berichtet), haben es sich die Hausacher Narren trotz der herrschenden Corona-Pandemie nicht nehmen lassen, die Fasent in einem entsprechenden Rahmen zu feiern.

nSchlüsselübergabe: Ungewohnt leer ist der Ratssaal der Stadt Hausach bei der diesjährigen Schlüsselübergabe. Fast allein sitzt Bürgermeister Wolfgang Hermann am Ratstisch, vor sich den großen Rathausschlüssel. Am rechten Ende des Tisches sitzt Hauptamtsleiterin Viktoria Malek, am linken Kämmerer Werner Gisler. Aus dem Off erklingt die bekannte Stimme von Jürgen Clever, dem Intendanten der Burgfestspiele. "Wir befinden uns im Ratssaal der Stadt Hausach und schreiben das Jahr zwei der Pandemie. Eigentlich sollte hier heute der Bär steppen. Doch rechte Stimmung will nicht aufkommen." Die Rathausmitarbeiter wundern sich, dass die Blauen nicht erscheinen. Ohne die kann der Schlüssel ja nicht übergeben werden und nur zu gerne hätte der Bürgermeister ein paar Tage Ruhe. Doch zur Überraschung aller – so etwas hatte es noch nie gegeben – verkündet Narrenbolizist Hermann-Josef Keller, dass die Narren den Schlüssel in diesem Jahr gar nicht wollen – und macht sogleich einen Abgang.

Also versucht der Burgis den Schlüssel bei Lia Kartes vom Hauptamt und dann bei Chefsekretärin Ulrike Tippmann loszuwerden. Vergeblich. Also versucht Hermann, den Polizisten zu finden. Als er ihn schließlich aufspürt, lässt Keller sich überreden, den Schlüssel aus dem Fenster abzuseilen. Unten nimmt ihn Vize-Narrenvater Thomas Stötzel entgegen.

nWagenbauer: Die Wagenbauer machen sich in einem Filmchen auf die Suche nach aktiven Wagenbauern. Doch on Noggehöll, TKKG AC Guck ins Glas, bei den Hausacher Ultras, der Soko Burkhardt, dem Einbacher Joker, der Powenz Bande, HEAV, dem Würfelhuffe oder Funky Monky: Überall da, wo normalerweise fleißig an beeindruckenden Wagen gewerkelt wird, herrscht Ruhe. So bleibt den Wagenbauern nur, mit ein paar Bildern in den Erinnerungen der vergangenen Umzüge zu schwelgen.

nNarrenmesse: Die fast einstündige Narrenmesse ist auf der Videoplattform Youtube zu finden. Wie Pfarrer Christoph Nobs in diesem erklärt, findet die Narrenmesse just am Tag der Aussätzigen statt, "und das waren die Narren in früheren Zeiten auch oft", schlägt Nobs den Bogen. "Irgendwann werden wir dich besiegen und unsere Freiheit endlich wieder kriegen, dann lassen wir es wieder richtig krachen, dann hast du blödes Virus nix mehr zu lachen", singen beispielsweise Nobs und Gemeindereferentin Katharina Gerth. Doch auch ernste Töne klingen an. So wird Jesus beispielsweise um Beistand für die an Covid-Erkrankten und alle gebeten, die unter den momentanen Einschränkungen besonders leiden.

nCoronaspaziergang: Statt des Großen Umzugs macht sich der Blaue Marco Schwab am Fastnachtssonntag auf den Weg, um zu schauen, was für einen Umzug es in der Gummenstraße gibt. Die Hauptstraße ist schließlich wie leer gefegt. Und tatsächlich findet sich ein einsamer Katzenmusiker, der aber so viel Lärm macht, als wäre die ganze Gruppe unterwegs. Ein Narrenbolizist regelt den nicht vorhandenen Verkehr. Seine Kollegen folgen ihm auf ihren Pferden. Und natürlich dürfen auch die Wagen bei dem Umzug nicht fehlen. Der diesjährige Mottowagen der Hausacher Fasent ist allerdings nur ein von einem Spättle gezogener Leiterwagen. Und der ist leer. Bis auf einen einzigen Lolli. Denn: "A bissle isch besser als wie nix". Auch die Narrenkapelle tritt in reduzierte Besetzung auf, nämlich zu zweit. Gleiches gilt für Spättle, Blaue, Burgfrauen, Hansele, Senwig- und Sulzbachhexen, die in Zweiergruppen oder mit ihren Familien durch die Straße ziehen. Auch das Bachhisle-Auto zeigt sich einmal. Aufsehen erregten auch ein rosa Elefant und knallgrünes Krokodil, die tanzend für Stimmung sorgten. Bei dem ungeahnten Platz war es auch möglich, ein Rad- und Bobbycar-Rennen zu veranstalten.nElfemess: Ebenfalls auf Youtube ist ein Video zur Elfemess zu finden. "Nicht vor Ort und doch dabei", lautet deren diesjähriges Motto. Obmann Thomas Stötzel steht in dem Clip alleine vor der "Lina", dem traditionellen Startpunkt, und erklärt, dass die Elfemess unter den gegebenen Umständen leider nicht möglich ist. "Aber: ›A bissle isch besser als wie nix‹. Und deswegen gibt es hier ein paar Impressionen von den vergangenen Elfemessen", sagt er. Verabschiedet wird sich mit den Worten "Wir sehen uns 2022!"

Ein paar Elfemess-Fans treiben das aber noch etwas weiter. Sie feiern sie einfach passend als Handwerker verkleidet zu Hause, steigen auf dem Tisch und geben dort einen Sketch zu einem Närrischen Liefermess, äh -service, zum Besten, wobei sie meisterhaft Buchstaben an falsche Stellen setzen. So wird aus "Die kultur ist am Boden" "die Bultur ist am Koden".

nSchlüsselrückgabe und Verbrennung: Kurz und schmerzlos ist die Schlüsselrückgabe am Fasentssdienstag. Mit den Worten "A bissle war besser als wie nix" bindet Blauer Thomas Stötzel den Rathausschlüssel an ein Seil, woraufhin er nach oben in den Hausacher Ratssaal gezogen wird. Er und Secretarius Daniel Sonntag verbrennen auf dem Klosterplatz anschließend die Fasent 2021 in Form einer Strohpuppe.

20 bis 30 Likes haben die Videos der Narrenzunft auf Facebook. Am beliebstesten waren der Corona-Spaziergang mit 40, der Clip der Wagenbauer 57 und die Schlüsselübergabe mit 59 Likes.

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