Verkleiden und vor ein paar Häusern ein bisschen Singen? Von wegen: Das Haslacher Dreikönigssingen ist alles andere ein Spaziergang. Ob Minustemperaturen, Regen oder Schnee: Die beiden Gruppen sind unterwegs. Unsere Redaktion hat sie begleitet.
Ein buntes Gewusel aus Kindern, Erwachsenen, Umhängen, Kronen und Mützen wühlt sich am frühen Nachmittag durch das katholische Gemeindezentrum. Rote, blaue und grüne Stulpen werden über Schuhe gezogen, schwarze Schminke in Gesichtern verteilt, Umhänge übergezogen, mit Sicherheitsnadeln fixiert und Kronen zurechtgedrückt. Auch die beiden Bollerwagen werden auf Funktionstüchtigkeit überprüft, die Ladung auf Vollständigkeit kontrolliert. Neben Getränken, Ersatzakkus für den leuchtenden Stern und Snacks gehören dazu auch Regenponchos für die Könige. Denn das Wetter zeigt sich gerade nicht von der besten Seite. Klatschnass seien sie am Tag zuvor geworden, berichtet Manuel Seitz, der eine der Gruppen als „Sterndriller“ begleitet. Doch schlechte Witterung hält einen Dreikönigssänger nicht auf, die Kinder seien „echt hart im Nehmen“, sagt Seitz. In seiner Stimme klingt Anerkennung mit. Er hat auf der letzten Tour ein Paar Schuhe ruiniert.
Die Haslacher Sterne drehen sich und leuchten
Endlich sind alle fertig angezogen, Seitz schultert den Stern und vor dem Gemeindehaus gibt es das erste Ständchen, das sich die beiden Gruppen gegenseitig vortragen. Neun Lieder gehören zum Repertoire der Haslacher und nur hier werden sie gesungen. Das ist genau so ein Alleinstellungsmerkmal wie die beiden Sterne, die die Gruppe begleiten. Sie können mit einer Kordel nicht nur gedreht werden, sie leuchten dank einer LED-Lampe im Inneren auch.
Seitz’ Gruppe ist heute in einem „Top-Gebiet“ unterwegs“. Die Region um den Rotkreuzweg, die Lauterbachgasse und die Sandhaasenhalde steht heute auf dem Programm. Zwei Kinder werden vorgeschickt, als „Klingler“, laufen sie voraus, klingeln an den Häusern und kündigen die Dreikönigssänger an.
Gleich beim ersten Haus werden die Sänger mit offenen Armen empfangen. Eine ältere Dame freut sich sehr über den Besuch und strahlt während des Singens über das ganze Gesicht; gleichzeitig stehen ihr vor Rührung die Tränen in den Augen. Nach dem Vertragsende und Seitz’ obligatorischen Satz „Die Haslacher Dreikönigssänger wünschen ein frohes, neues Jahr“ steckt sie einem König einen Schein in das Spendenkässchen. „Das Dreikönigssingen ist einfach Haslacher Tradition“, meint sie und begleitet die Gruppe noch ein Stückchen. Jedes Lied singt sie auswendig mit.
„Wir gehen die Liste mit den neun Liedern der Reihe nach, von vorn nach hinten durch“, führt Jürgen „Buggi“ Burger aus. Er trägt die Titel auf einem laminierten Zettel um den Hals und ist dafür zuständig, den Titel zu nennen, der als nächstes dran ist. „Aber wenn jemand einen bestimmten Liedwunsch hat, erfüllen wir den natürlich“, fügt Burger hinzu. Die Stücke haben jeweils mehrere Strophen, gesungen werden aber nur die ersten ein bis zwei. „Sonst würde das zu lange dauern“, so Burger.
Manche Hausbewohner warten schon vor der Türe, andere lassen, obwohl sie den Klinglern zugesagt hatten, auf sich warten. Immer wieder bleiben Passanten stehen, hören zu oder singen sogar mit. Wie sehr sich manche Haslacher auf die Dreikönigssänger freuen, zeigt sich beim nächsten Haus. Nach ihrem Vortrag wird die gesamte Gruppe ins Haus eingeladen. Für die Kinder gibt es Saft und Lebkuchen, für die Erwachsenen Weißwein. Zum Dank wird dem Hausbesitzer ein Ständchen im Wohnzimmer gesungen, direkt vor der Weihnachtskrippe.
Kaum haben die Sänger das Haus verlassen, beginnt es zu regnen. Die Könige bekommen die durchsichtigen Regenponchos übergezogen, der Rest muss dem Regen so trotzen. Als ein Mädchen leise vor sich schimpft, meint Seitz nur „Ach komm, es ist nur Regen.“ Es klingt so als hätten sie Dreikönigssänger schon Schlimmeres erlebt.
Zwischendurch gibt es Bonbons für die Stimme
Die Klingler sind wieder ein paar Häuser weiter und zeigen an einem Mehrfamilienhaus, wie meisterhaft sie die Kunst beherrschen, mehrere Klingeln auf einmal zu drücken. „Die meisten Leute sind nett, wenn wir sagen, dass gleich die Dreikönigssänger kommen. Aber einmal hat mir auch schon mal jemand die Tür vor der Nase zugeschlagen“, berichtete Lily-Marlene. Es gibt auch einen Tourplan, doch „Buggi“ weiß auswendig, welches Haus an der Reihe ist. „Die Gebiete hat man irgendwann im Kopf und auch, wo es etwas spendiert gibt. Es ist eher überraschend, wenn mal etwas anders ist“, erzählt er. Der Regen hat wieder aufgehört, Sarah Weis verteilt Hustenbonbons, „für die Stimme,“ wie sie sagt. Immer wieder bekommen die Kinder Süßigkeiten zugesteckt, die dann in den Bollerwagen gelegt werden. „Sie werden am Ende auf einen Haufen gelegt und dann darf jeder reihum sich etwas rausnehmen“, sagt Seitz.
Beim Haus von Gemeinderat Joachim Prinzbach gibt es wieder eine kurze Pause. Die Kinder bekommen Schokolade, Wasser und Saft, die erwachsenen Begleiter Salzbrezeln. Ein willkommener Stopp, denn obwohl es mittlerweile dunkel ist, ist die Tour noch lange nicht beendet. Bis 22 Uhr sind die Sänger noch unterwegs, bevor sie in einem Gasthaus zum Abendessen eingeladen werden.
Die Lieder
Die neun traditionell gesungenen Lieder der Haslacher Dreikönigssänger sind: „Ihr Hirten erwacht“, „Stille rings“, „Ei, was hunderttausend“, „Ach, was für große Freude“, „Singet, preiset“, „Ich lag in einer Nacht“, „Ei, Brüder seht ihr nicht?“, „Oh, Jesulein“ und „Hört, Menschen“.