Bei der Eröffnungs gab es viele Mitmachaktionen wie den Schatullenbau. Foto: Störr

Die Jubiläumssaison des Gutacher Freilichtmuseums Vogtsbauernhof ist am gestrigen Sonntag eröffnet worden. Neben der Eröffnung der Sonder-Ausstellung zur Geschichte des Museums waren besonders die Mitmach-Angebote für Familien gefragt.

Pünktlich um 9 Uhr läutete Geschäftsführerin Margit Langer die Glocke des Hippenseppenhofes zur Eröffnung der 60. Saison im Freiluftmuseum. Um 11 Uhr wurden dann langjährige Wegbegleiter im Museumspavillon begrüßt, zu denen unter anderem Berthold Breithaupt und Vertreter der Familie Bächle aus Durbach (ehemalige Besitzer des neuen Ortenau-Hauses) zählten.

 

Margit Langer umriss das Jahresprogramm in groben Zügen, über das wir am Wochenende ausführlich berichtet hatten. „Am 7. April wird der Monat des Hippenseppenhofes als erstem Hof des eigentlichen Museums durch einen Exkurs von Berthold Breithaupt eröffnet“, blickte sie voraus. Alle anderen Veranstaltungen im Jahresverlauf würden durch die Mitarbeiter und Honorarkräfte des Museums durchgeführt.

Eröffnungsveranstaltung hat es 1964 nicht gegeben

Thomas Hafen oblag als wissenschaftlichem Leiter der kurze Rückblick. Eine Eröffnungsveranstaltung habe es 1964 nicht gegeben, Hermann Schilli habe Führungen angeboten oder sonntags geöffnet. „Das Freilichtmuseum hieß damals noch ,Kreiseigener Denkmalshof’ – das muss man sich mal vorstellen – allein dieses Namens-Konstrukt“, erzählte Hafen und lachte. Dafür habe ein Schüler damals 20 Pfennig Eintritt bezahlt, wie auf dem ältesten Bild des Freilichtmuseums belegt ist. Als letzte Bäuerin des Vogtsbauernhofes war dort auch Barbara Aberle zu sehen und das Trachtenmädchen Marianne Hengstler. Diese wurde gestern von Thomas Hafen im Kreis der Gäste besonders begrüßt.

Und dann plauderte Hafen aus dem Nähkästchen, für ihn war es die 20. Saisoneröffnung im Freilichtmuseum. Zur ersten habe er die Glocke des Hippenseppenhofes läuten dürfen und sich nach der Dauer des Geläuts erkundigt. „Drei ,Vater unser’ lang“, habe damals die Antwort gelautet, die er seither auch weitergebe.

Hinsichtlich der anschließenden AusstellungsEröffnung erklärte er: „Jede Kürzung, jede Verknappung, führt zu Unschärfen.“ Gerade für die parallel entstehende Chronik habe man sich von ursprünglich 1000 auf 100 Bilder reduzieren müssen. Aber Geschichte sei am Ende das, was überliefert werde und erhalten bleibe. Beim Rundgang durch die Ausstellung entwickelte sich schnell ein Zwiegespräch zwischen Thomas Hafen und Berthold Breithaupt, der die Gäste an seinen Erinnerungen teilhaben ließ.

So sei in den 1960er-Jahren zunächst ein zentrales Freilichtmuseum für Baden-Württemberg geplant gewesen. Gründer Hermann Schilli habe sich den Hippenseppenhof als Grundstein seines Museums angesehen und für Gutach gewollt. Doch dann habe er erfahren, dass dieser Hof für das zentrale Museum in Friedingen vorgesehen war.

„Als Schilli davon erfuhr, ist er nach Freiburg ins Regierungspräsidium gefahren und hat sich darum gekümmert“, blickte Breithaupt zurück. 1966 sei der Hof dann ab- und in Gutach wieder aufgebaut worden, auf dem Dachbalken ist Breithaupts Name eingraviert. Ab 1969 seien die ersten Bollenhut-Trägerinnen auf dem Gelände unterwegs gewesen und 1973 im Laufe der Saison der 100 000. Besucher begrüßt worden. „Und dabei hatte Schilli bei Museums-Gründung 5000 Besucher als visionäres Ziel vor Augen gehabt“, erklärte Thomas Hafen. 1980 sei der Besucher-Rekord über alle Zeiten mit 543 000 Gästen festgehalten worden, bis heute hätten gut 18 Millionen Menschen aus der ganzen Welt den Vogtsbauernhof besucht.

Das Programm

Zur Eröffnung der Jubiläums-Saison hat sich das Team des Freilichtmuseums viel für Familien einfallen lassen. Da wurden Schwarzwald-Schatullen gebaut und die Kücken-Aufzucht-Station besucht, es gab verschiedene Handwerks-Vorführungen in den guten Stuben der Höfe und es lag Drehorgel-Musik in der Luft. Allerdings bedurfte es bei sechs Grad Außentemperatur und Regenschauern schon etwas Motivation, um sich auf dem Museumsgelände zu verweilen.