Die Idee, in Lahr einen drei Hektar großen Surfpark zu bauen, ist erstmals öffentlich diskutiert worden. Die Stadträte sprachen – sehr zur Freude des Initiators – viel Lob aus, stellten aber auch Forderungen.
Ein Surfpark, der jährlich bis zu 200 000 Gäste nach Lahr lockt, soll zu einem „Leuchtturmprojekt“ für die Stadt werden. Dieser Begriff fiel mehrfach bei der Sitzung des Technischen Ausschusses am Mittwochabend. Die Fraktionen sprachen sich mit starker Mehrheit dafür aus, das Vorhaben weiter zu verfolgen und nun Kriterien für einen geeigneten Standort festzulegen.
Baubürgermeister Tilman Petters umriss das Projekt, das seitens der Stadt erstmals öffentlich vorgestellt wurde, über das die LZ aber bereits Anfang März berichtete: ein 100 mal 150 Meter großes Becken, 130 neue Arbeitsplätze, klimafreundliche Gewinnung von Energie und Wasser – „es kann gelingen, dass so ein Projekt ausgeführt wird. Die Stadtverwaltung unterstützt den Vorschlag“, betonte Petters. Der Park, der aktuell den Namen „Surfield“ trägt, entspreche den touristischen Ambitionen der Stadt und könne den „jugendlichen Charakter betonen“. Die Stadträte sehen dies ähnlich.
Von einem „tollen, interessanten Projekt“ sprach etwa Klaus Schwarzwälder (Freie Wähler). Er freue sich, dass man damit auch der Jugend zeigen könne, „dass etwas für sie gemacht wird“. Mit Hotels und Konferenzräumen auf dem Areal könne man einen Mangel in der Stadt beheben. Schwarzwälder hofft auch darauf, dass die Lahrer Innenstadt durch den Surf-Tourismus mehr belebt wird. Den Investoren um Mario Gerlach attestierte er ein „glaubwürdiges Auftreten“, forderte jedoch: „Es muss auch umgesetzt werden, was sie bewerben.“
Anreisekonzept sorgt für Skepsis
Auch die Grünen seien offen für das Touristenziel, betonte Dorothee Granderath, wenngleich die Begeisterung „bei manchen größer, bei anderen kleiner“ sei. Es sei wichtig, dass die Gebäude begrünt werden und die Energie aus nachhaltigen Quellen kommt. Geplant ist, Regenwasser zu speichern und den Strom per Agri-PV-Anlage zu erzeugen. Zudem forderte die Grünen-Rätin, das Projekt in einem ausgewiesenen Gewerbegebiet zu verwirklichen.
Granderath äußerte jedoch auch Skepsis. So bezweifle sie, dass es gelingen wird, einen großen Teil der Gäste mit dem ÖPNV zum Surfpark zu bringen. Auch an eine merkliche Belebung der Innenstadt glaube sie nicht. „Der Investor trägt das Risiko, dass die Deutschen auch in zehn bis 15 Jahren noch eine Spaßgesellschaft sind“, sagte die Stadträtin. Die Finanzierung müsse auf soliden Füßen stehen, damit nicht am Ende eine Bauruine übrig bleibt.
Zweifel, dass Parkplätze ausreichen
„Wenn man das Tourismuskonzept ernst nimmt, muss man auch dieses Projekt ernst nehmen“, erklärte Roland Hirsch (SPD). Es sei zu begrüßen, dass der Investor sein Projekt in Lahr umsetzen möchte, eine Prüfung anhand noch festzulegender Kriterien sei selbstverständlich. Man sei aber zuversichtlich, dass diese abgedeckt würden, so Hirsch.
Ilona Rompel (CDU) geht davon aus, dass nicht nur Touristen die Attraktion nutzen, sondern sich auch „einige Lahrer auf das Surfbrett wagen“. Wie Granderath hält sie eine „Verquickung mit dem ÖPNV“ für unrealistisch. Bei den geplanten Besucherzahlen zeigte sie sich skeptisch, dass die 560 geplanten Parkplätze ausreichen würden. Zudem forderte Rompel eine Rückbauverpflichtung, sollte die Stadt das Areal verpachten und der Investor es nicht kaufen. Welche Variante es wird, sei nach der Standortsuche zu klären, erklärte Petters.
Joachim Volk (FDP) und Jürgen Durke (Linke Liste/Stadtrat für Tiere) äußerten sich ebenfalls positiv. Die einzige Gegenstimme kam von Manfred Himmelsbach (AfD).
Investor sieht Abstimmung als positives Signal
Investor Mario Gerlach sieht das Abstimmungsergebnis im Technischen Ausschuss als „sehr positives und motivierendes Signal“, wie er am Donnerstag im Gespräch mit der LZ erklärte. Er gehe davon aus, dass auch der Gemeinderat grünes Licht gibt und mit der Standortsuche begonnen werden kann. „Wirklichen Gegenwind“ habe sein Team noch nicht erhalten, betonte er. „Es gibt natürlich kritische Fragen, aber wir wollen mit unserem Konzept überzeugen.“ Meistens würden Themen angesprochen, die die Initiatoren auch selbst beschäftigen.
Und wann wird in Lahr die erste Welle gesurft? „Das können wir natürlich jetzt noch nicht so genau sagen“, verweist Gerlach auf die Schritte, die es noch zu gehen gilt. Einen Wunschtermin, wenn alles ideal läuft, hat der Investor aber schon im Kopf: „2027!“
So geht’s weiter
Nach dem TA wird sich der Gemeinderat am 22. April mit dem Thema befassen. Stimmt dieser dem Beschlussvorschlag zu, wird die Stadt gemeinsam mit dem Investor auf die Suche nach einem geeigneten Standort gehen. Dazu soll zuvor ein Kriterienkatalog entwickelt werden. Aufgrund der verfügbaren Flächen und der Nähe zur Autobahn scheint es wahrscheinlich, dass sich der Surfpark auf oder beim Flugplatz ansiedeln wird.