Mit solchen „Vibro-Trucks“ will das Unternehmen Vulcan Energy den Untergrund der nördlichen Ortenau mittels Schallwellen untersuchen. Foto:  

Das Thema Geothermie liegt im Trend: Die Fachmesse Geotherm in Offenburg verbucht so viele Aussteller, wie nie. Zudem steigt laut Experten die Akzeptanz in der Bevölkerung. Das will die Firma Vulcan nutzen und nun in der nördlichen Ortenau aktiv werden.

Mehr als 240 Aussteller erwartet die Messe Offenburg/Ortenau zur diesjährigen Geotherm. Laut Projektleiterin Gabriele Weislogel kommen damit 50 Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr zu „Europas größter Geothermie-Messe“. Diese findet am Donnerstag und Freitag, 29. Februar und 1. März, bereits zum 17. Mal in Offenburg statt – dieses Jahr in der Edeka- und in der Baden-Arena.

 

Zum parallel geplanten wissenschaftlichen Fachkongress wurden mehr als 50 Referenten zugelassen. „Wir schaffen mit der Geotherm einen Marktplatz für die Oberflächennahe und Tiefengeothermie“, konstatierte Weislogel bei einer Online-Pressekonferenz im Vorfeld der Fachmesse. Auch das Interesse aus dem Ausland sei weiter gewachsen.

Karlsruher Firma will nach Erdwärme, Sole und Lithium suchen

Mit beim Pressegespräch dabei war Horst Kreuter, Gründer der Firma Vulcan Energy. Er ist seit der Gründung der Geotherm 2007 Mitglied deren wissenschaftlichen Beirats. Sein Unternehmen richtet begehrliche Blicke auf den Untergrund des Oberrheingrabens. Es handele sich um die „heißeste Region in Mitteleuropa“ in Sachen Geothermie, betonte Kreuter. „Es gibt kaum ein Quadratmeter, der noch nicht mit einer Explorationslizenz abgedeckt ist.“

Auch Vulcan hatte vom Regierungspräsidium Freiburg eine solche „Aufsuchungserlaubnis“ für die nördliche Ortenau erhalten. Das heißt, dass das Unternehmen den Untergrund im „Feld Ortenau II“ – zwischen Bühl, Appenweier, Kehl und Rheinmünster – auf Erdwärme, Sole und Lithium hin untersuchen darf.

„Das Hauptziel ist die Wärmeversorgung, weil diese das größte Potenzial hat“, erläuterte Kreuter. Fast 100 Prozent der aus dem Untergrund geförderten Wärmeenergie käme dabei auch beim Kunden an. „Bei der Stromerzeugung beträgt die Effizienz nur 14 Prozent. Wir verlieren viel Energie bei Umwandlung“, so der Experte.

Proteste gegen geplante Geothermieprojekte in der Region gab es Anfang 2021 auch in Neuried. Foto: Armbruster

Das Ziel sei nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Industrie der Region mit Wärme zu versorgen. „Große Unternehmen entlang der Rheinschiene haben Interesse“, konstatierte Kreuter. Der Oberrheingraben sei allerdings auch ein großes Rohstoffreservoir: „Über 40 Prozent des Lithiums für die E-Mobilität könnten wir aus den Oberrheingraben zur Verfügung zustellen – und das langfristig.“

Auch bei den Regierungen in Frankreich und Deutschland habe die Geothermie mittlerweile Priorität. Ministerpräsident Winfried Kretschmann habe bei einem Treffen mit Projektentwicklern kürzlich betont, dass die Wärmewende ohne die Nutzung der Geothermie im Oberrheingraben nicht machbar sei, so Kreuter.

Untersuchungen sollen in kommenden ein bis zwei Jahren stattfinden

Der Zuspruch in Sachen Geothermie hatte in der Region rund um die Vorfälle im elsässischen Vendenheim in den vergangenen Jahren sehr gelitten. Um den Jahreswechsel 2020/21 hatte ein französisches Tiefengeothermie-Projekt nördlich von Straßburg Erdbeben ausgelöst, die auch zu Schäden an Häusern in der Ortenau geführt hatten.

„In der Folge war die Akzeptanz und die ganze Diskussion um Geothermie doch eher kritisch“, fasste Kreuter zusammen. Deswegen habe Vulcan das Projekt zunächst zurückgestellt. „Wir wussten, dass wir viel in die Kommunikation investieren müssen.“ Das hatte zuletzt auch das Regierungspräsidium Freiburg gefordert.

Mittlerweile sei die negative Stimmung gegenüber der Tiefengeothermie spürbar abgeflacht, konstatierte Kreuter. Das sei unter anderem auch den steigenden Gaspreisen geschuldet. Er gehe davon aus, dass Vulcan in den kommenden ein bis zwei Jahren die 3D-Seismiken – also Untersuchungen des Untergrunds mit Schallwellen – als Grundlage für spätere Arbeiten vornehmen könne und danach „bald in die Umsetzung“ komme.

Info für Bürger

Auf einer Infoveranstaltung der Geotherm am Donnerstag, 29. Februar, ab 13.30 Uhr können sich Bürger mit Vertretern des Landesforschungszentrums Geothermie zu dem Potenzial der Geothermie austauschen, Infos zu den Einsatzgebieten sowie über technische Ausführungen erhalten. Eine Expertenführung über die Messe schließt sich an. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist unter geotherm@messe-offenburg.de erbeten.