Stehen Geothermie-Anlagen, wie diese im Rheingraben bei Karlsruhe, auch bald in Lahr? Die Badenova sucht derzeit nach potenziellen Erdwärme-Standorten in der Region. Foto: Anspach

Für einige ein „No Go“, für andere alternativlos: Wie Tiefengeothermie bei der Energiewende helfen soll, hat der Energieversorger Badenova in Lahr vorgestellt – und dabei auch kritische Fragen beantwortet.

Die Technologie der Tiefengeothermie zählt zu den umstrittensten Formen der Energiegewinnung. Zwar gilt sie als besonders nachhaltig, doch führten Bohrungen in die Erde in der Vergangenheit bereits zu Erdbeben und zu Schäden an Häusern.

 

Die Lahrer Stadträte zeigten sich im Gemeinderat gegenüber Untersuchungen des Energieversorgers Badenova in der Region offen. Sie forderten aber eine ausführliche Erklärung, warum es nicht zu Vorfällen wie 2007 in Staufen im Breisgau oder 2020 im elsässischen Vendenheim kommen soll.

Diese gab Klaus Preiser, technischer Geschäftsführer der Firma „Badenova Wärme Plus“. Zunächst stellte er klar, dass es, anders als in Vendenheim, keine Bohrungen im Tiefengestein geben soll. Diese Bohrungen seien nur notwendig, wenn man in der Erde nach Temperaturen von bis zu 200 Grad suche.

Solche Temperaturen würden benötigt, um mit dem erhitzten Wasser und dem Wasserdampf Strom zu erzeugen. Doch das will die Badenova nicht. „Wir wollen die Technologie nur zur Wärmegewinnung nutzen“, sagte Preiser. Dafür reichten 50 bis 60 Grad, die man aller Voraussicht nach schon in einer Tiefe von 1200 bis 1400 Metern finden würde.

Bei Vendenheim sei die verantwortliche Firma eben in das dortige Tiefengestein vorgedrungen. Durch das Wasser, das in die Erde gepumpt wurde, habe sich im Gestein der Druck erhöht und es sei zu Klüften gekommen, die schließlich Erdbeben zur Folge hatten. „Dieses Verfahren ist in Baden-Württemberg gar nicht erlaubt“, erklärte der Badenova-Geschäftsführer.

Der Vorfall bei Staufen wiederum sei ein „schreckliches Unglück“ gewesen. Dort hätten Bohrungen eine Verbindung zwischen dem Grundwasser und einer so genannten Gipskeuperschicht geschaffen. Durch den Wasserkontakt habe sich ein Mineral in Gips umgewandelt, wodurch sich sein Volumen massiv ausdehnte – und zwar um 60 Prozent, wie Preiser erklärte. Diese Ausdehnung habe sich bis auf die Erdoberfläche ausgewirkt. Mit einem „geschlossenen Kreislaufsystem“ will man erreichen, dass hier so etwas nicht passiert.

Mit Skepsis blickte Stadtrat Lukas Oswald (Linke) auf die Karte, die das 207 Quadratmeter große Gebiet rund um Lahr zeigt, in dem Untersuchungen nun vorgenommen werden sollen. Er befürchtete, dass später auch in Waldgebieten gebohrt werden könnte. Dorothea Fechner von „Badenova Wärme Plus“ stellte jedoch klar: „Waldschutz-, Vogelschutz- und Wasserschutzgebiete sind tabu“.

Noch keine Technologie zur Gewinnung von Lithium

Kritisch hinterfragt wurde von den Stadträten ebenfalls, warum im Aufsuchungsantrag auch von Lithium die Rede ist. Es wurde befürchtet, dass die Badenova nur Gewinnmaximierung durch die Förderung des Metalls im Sinn habe. Preiser hielt dagegen, dass es derzeit noch keine Technologie gebe, um das Lithium aus dem hervorgeholten Wasser zu filtern. Nur für den Fall, dass sich die Technik weiterentwickelt, habe man den Antrag gestellt. Die Wärme stehe im Fokus.

OB Markus Ibert sprach sich, wie zuvor schon mehrmals Landrat Frank Scherer, deutlich für das Vorhaben aus, die „unerschöpfliche Energiequelle“ zu nutzen: „Wenn wir die Dekarbonisierung vorantreiben wollen, werden wir an der Tiefengeothermie nicht vorbeikommen“. Einig waren sich alle Beteiligten, dass man für Bohrungen, die es nach aktuellen Stand frühestens in etwa fünf Jahren geben würde, die Akzeptanz der Bevölkerung braucht. Die Badenova will die Bürger mit Informationsveranstaltungen auf dem Laufenden halten, erklärte Preiser.

Die weiteren Schritte

Die Badenova-Vertreter kündigten an, dass man erst einmal wenig von ihnen hören werde. Es gelte, alte Daten von Öl- und Gasbohrungen aus den 1970er-Jahren auszuwerten. Weitere drei Jahre werde es dauern, bis man alle nötigen Messungen vorgenommen hat, von denen die Menschen nichts mitkriegen würden. Frühester Zeitpunkt für den Betrieb einer fertigen Anlage sei in sieben Jahren.