Wladimir Krivopljas misst die Quellschüttung im Pumpenhaus in Heiligenzell. In 10,6 Sekunden schüttet die Quelle zehn Liter Wasser aus. Foto: Bohnert-Seidel

Wasserversorgung: Friesenheimer System hat sich verändert / Bürgermeister ist sich des Problems bewusst

Schuttern - Verkalkte Wasserkocher, Bügeleisen, Kaffee- und Spülmaschinen sind längst keine Seltenheit mehr. Vielfach beklagen die Friesenheimer den hohen Kalkanteil im Wasser. "Das ist einfach so", sagt Schutterns Ortsvorsteher Hans-Jürgen Kopf.

Ratsmitglied Guido Leberl (CDU) hatte den hohen Kalkgehalt im Wasser in der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrats von Schuttern aufgegriffen. "Das Frischwasser scheint kalkiger zu sein", stellte er fest. Ortsvorsteher Hans-Jürgen Kopf sagte dazu nur: "Das ist einfach so." In früheren Jahren sei dem Trinkwasser ein höherer Prozentsatz an Quellwasser beigemischt als dies heute der Fall sei.

Nachdem aufgrund anhaltender Trockenperioden die Quellschüttung nicht mehr so ergiebig sei wie früher, müsse entsprechend der Grundwasseranteil aus dem Tiefbrunnen in höherem Grad beigemischt werden, führte Kopf aus. "Das ist der Grund warum das Wasser heute härter ist als früher." Im Hinblick auf die Problematik für Haushaltsgeräte machte Kopf deutlich: "Wir werden in Schuttern um den Einbau von privaten Entkalkungsanlagen nicht drumrum kommen." Auch er habe sich jüngst eine eingebaut. Der Härtegrad des Wassers lasse sich nur durch eigene Entkalkungsanlagen beeinflussen. "Die Quellen im Wald geben das Wasser nicht mehr her", so Kopf.

Bürgermeister Erik Weide, der ebenfalls an der Sitzung teilgenommen hatte, erklärte: "Wir erkennen sehr wohl das Problem." Das Wassersystem habe sich komplett verändert. Lag der Anteil von Quellwasser in früheren Jahren noch bei 80 Prozent sowie einer Beimischung von Grundwasser aus dem Tiefbrunnen bei 20 Prozent, habe sich das Verhältnis mittlerweile gerade umgekehrt. Das Verhältnis liege mittlerweile bei 70 zu 30. Zu trocken sei bereits das Jahr 2021. "Vom Berg kommt nichts mehr", erklärte Weide und ergänzte: "Das Wasser ist kalkiger. Punkt."

Es fehlen Niederschläge, die die Quellen im Wald wieder auffüllen

Daran sei nichts zu ändern. Die Wasserversorgung der Gemeinde müsse sichergestellt sein. Wenn von oben aus der Quellschüttung nicht mehr viel komme, müsse das hingenommen werden. Inwieweit die Gemeinde Friesenheim das Wasser entkalken könne, wird sich zeigen. Investitionen in dieser Hinsicht müssten auf den Wasserpreis umgelegt werden, so Weide.

Der Wasserpreis sollte jedoch nicht so hoch sein, dass ihn die Menschen nicht mehr bezahlen können. So bleibe wohl dem ein oder anderen nichts anderes übrig als für eine eigene private Entkalkungsanlage zu sorgen. Der Wichtigkeit des Themas sei sich Weide aber sehr wohl bewusst. "Aber der Kalk wird nicht mehr verschwinden", so Weide.

2017 hat der damalige Wassermeister Werner Hogenmüller ein Mischungsverhältnis von 90 Prozent Quellwasser zu zehn Prozent Grundwasser verkündet. Selbst bei Niedrigständen lag das Mischungsverhältnis bei 80 zu 20 Prozent. Vier Jahre später ist es nahezu umgekehrt. Es fehlen langanhaltende Niederschläge, die die Quellen im Wald wieder auffüllen. Kalkhaltiges Grundwasser bestimmt heute in der Hauptsache das Trinkwasser der Gemeinde.

Die Wasserversorgung der Gemeinde Friesenheim basiert auf zehn Quellen, zwei Tiefbrunnen und sechs Hochbehältern. Der Wasserpreis liegt in der Gemeinde bei 1,60 Euro pro Kubikmeter. Im Jahr 2013 lag der jährliche Wasserverbrauch der Bevölkerung bei 500. 000 Kubikmetern. Heute sind es 650 .000 Kubikmeter pro Jahr – was einer Steigerung von 30 Prozent entspricht.

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