Horst Biegert, technischer Leiter (von links), Thomas Hafen, wissenschaftlicher Leiter, Notburga und Heinz Bächle, Marie-Luise Schmider, Geschäftsführerin Margit Langer und Tamara Schwenk (Marketing) freuen sich, dass das Ortenauhaus eröffnet wird. Foto: Kornfeld

Nach zweijähriger Bauzeit wird am Sonntag, 2. Juli, das Ortenauhaus im Freilichtmuseum Vogtsbauernhof offiziell eröffnet. 300 geladene Gäste werden zum Festakt um 11 Uhr erwartet, um 13 Uhr ist das Haus dann für alle Besucher geöffnet.

„Es wird ganz besonderer Tag“, sagte Margit Lander, Geschäftsführerin des Freilichtmuseums Vogtsbauernhof, beim Gespräch im Museum mit anschließendem Rundgang durch das Rebhaus.

 

Drei Hofanlagen sind im Langzeitkonzept des Museums für den nördlichen Bereich vorgesehen, die „den Norden des Schwarzwalds“ ins Museum holen sollen. Das erklärt der wissenschaftliche Leiter des Museums, Thomas Hafen. Das Effringer Schlössle wurde 2018 eröffnet, das zweite ist das Ortenauhaus, ein drittes Projekt wird folgen. Das Ortenauhaus ist das erste Haus im Museum das nicht landwirtschaftlich genutzt wurde, es war ein reines Wohnhaus und hatte keinen Stall.

Zwischen alten Zeiten und Wirtschaftswunder

Das Haus aus Durbach wurde im Jahr 1961 zum letzten Mal saniert und diese Epoche war noch nicht im Museum vertreten, so fiel der Entschluss, diese Zeit darzustellen, erklärte Thomas Hafen. Die Epoche sei einerseits vom Wirtschaftswunder geprägt gewesen, andererseits sei noch viel aus den vorhergehenden Zeiten präsent gewesen.

Das spiegelt sich auch eindrücklich in der Einrichtung des Hauses wider, wie beim Rundgang deutlich wird. Da steht ein Bügeleisen, das mit Strom betrieben wird, im Regal, aber auch ein ganz altes Bügeleisen war aufgehoben worden. Unter den Betten steht ein Nachttopf, obwohl es bereits eine Toilette mit Spülung gibt.

Die Moderne und alte Zeiten existierten damals kurze Zeit nebeneinander. „Man möchte sich nicht trennen, aber auch das Neue haben“, charakterisiert Thomas Hafen die Menschen der damaligen Zeit.

„Es ist bewegend, wenn wir ein Haus bekommen, dass so viel mitbringt“, bezieht er sich auf die vielen persönlichen Dinge, die im Ortenauhaus zu finden sind: „Ich habe das Gefühl, wir kennen Zita Feger sehr gut“.

Beim Rundgang waren Marie-Luise Schmider, die ehemalige Besitzerin des Hauses und ihre Eltern Notburga und Heinz Bächle mit dabei. Schmider hatte das Haus dem Museum geschenkt. Sie hatte es von der letzten Bewohnerin des Hauses, Zita Feger, geerbt. Notburga Bächle, eine Nichte von Zita Feger, hatte mit ihrer Familie Jahrzehnte lang neben dem Haus gewohnt, Marie-Luise Schmider war oft bei Zita Feger zu Besuch. „Ich bin oft mittags zu ihr gelaufen und habe bei ihr die Schulaufgaben gemacht“, erinnert sie sich.

In der Stube des Ortenauhauses sieht es aus, als könnte man bei Tante Zita am Kaffeetisch Platz nehmen Foto: Haas

Für die Familie war es das erste Mal, dass sie das Haus nach der Translozierung von Durbach nach Gutach betreten konnte. Viele Erinnerungen kamen da wieder hoch, sind doch auch die Einrichtungsgegenstände mit dem Haus praktisch von Durbach nach Gutach mit „umgezogen“. Da ist der Tisch, an dem die Familienfeste bis ins Jahr 2000 gefeiert wurden, mit der gleichen Tischdecke und dem Porzellan, das die Familie benutzte, und da ist das Sofa, auf dem Zita Feger immer saß. „Das Kissen hat sie bestickt“, sagt Notburga Bächle und weist im Wohnzimmer auf einen Stuhl.

Überall hängen alte Fotos von der Familie, im Schlafzimmer von Zita Feger liegt ein aufgeschlagenes Fotoalbum auf dem Tisch. In der Küche erklingt aus einem alten Radio mit erstaunlich gutem Klang das Radioprogramm der damaligen Zeit: Elvis singt „Muß i denn zum Städtele hinaus“.

Ältere Menschen, die die 60er-Jahre bewusst erlebt haben, werden viele vielleicht schon vergessene Gegenstände aus ihrer Kindheit wieder entdecken. Erinnerungen werden wach.

„Wir wollten das Haus nicht zupflastern mit Texten“, erklärt Thomas Hafen. Die Zeit sollte wieder erlebbar gemacht werden und das ist bestens gelungen.

Die Eröffnung

 

Zur offiziellen Eröffnung des Ortenauhauses am Sonntag, 2. Juli, gibt es ein umfangreiches Tagesprogramm. Der feierliche Festakt für geladene Gäste beginnt um 11 Uhr mit Grußworten von Arne Braun, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie Landrat Frank Scherer. Gäste aus Politik, Wirtschaft, und Tourismus sowie Vertreter der beteiligten Baufirmen werden erwartet. Ab 13 Uhr ist das Gebäude für alle Besucher geöffnet. Die Trachtenkapelle Durbach spielt bis 13 Uhr und die „Mellow Yellow Dixie Fellows“ ab 14 Uhr. Verschiedene Weine können am Stand des „Weinparadies Ortenau“ probiert werden. In der neuen Ortenauer Winzerstube gibt es regionale Spezialitäten.