Fünf Schnurrgruppen zogen am Samstag durch Halbmeil und zeigten, dass in dem kleinen Ort kein Lebensbereich von den Schnurranten nicht erfasst wird. Manche Missgeschicke waren förmlich auf dem Silbertablett serviert worden.
So glossierten die „Drei vom Berg“ (Felicitas Reinberger, Ivo Reinberger und Mathias Kern) genüsslich die Vorbereitungen auf den 60. Geburtstag der örtlichen Zumba-Trainerin, den ihre beiden Söhne dorfweit bekannt gemacht hatten. „60 Jahr, schwarzes Haar, meine Jungs sind nicht ganz dicht“, war die musikalische Bilanz des Jubeltags, denn tatsächlich feierte die lebensfrohe Halbmeilerin „nur“ ihren 59. Geburtstag. Im Familienkalender waren „die Jungs“ einfach um ein Jahr zu früh dran.
Kein Verkommen gab es in der Bewertung des „Schirle“ als gallischem Dorf mit einigen Besonderheiten und Sonderlingen: Geich zwei Schnurrgruppen hatten sich dieses Fleckens Wolfach angenommen. Im Kaufrausch wurden Kochtopf-Deckel im Sonderangebot gekauft, mit viel Fortüne dabei das Eheglück gerettet, da der Gatte im Kleiderschrank eine „private“ Pfanne für besondere Gourmet-Momente hortete, auf die dann der Deckel passte.
Wenn die Recherche im Sand verläuft
Der „flotte Dreier“ (Andrea Schillinger, Anna Schmieder und Renate Volk) deckte einen Nachbarschaftsstreit am Wolfacher Vorstadtberg auf, hatten sich dort doch übereifrige Heinzelmännchen des Bürgermeisters steilem Wiesengrundstück angenommen und dort das einzigartige Zukunftsprojekt des Thomas G. umgemäht. Dieser hatte inmitten der Wiese Tannensetzlinge gepflanzt, auf dass diese dereinst noch während seiner Amtszeit den Platz vor dem Rathaus als stattliche Christbäume schmücken werden. „Tannenmörder, zeig Dich!“, die Recherche des Schultes wäre im Sande verlaufen, hätte sich der reuige Täter nicht selbst angezeigt.
Wie schon beim Zunftabend in Wolfach war auch der Luxus-Schafstall in Kirnbach Thema. Der „flotte Dreier“ nahm dies zum Anlass darüber nachzudenken, ob eine Künstliche Intelligenz mit ihren Erfahrungen aus Milliarden von Datensätzen zu den Kosten der Offenhaltung mit Schafen und Ziegen hier vielleicht anders entschieden hätte. Mit einem zu Herzen gehenden „Love me gender“ (bezogen auf des Bürgermeisters orakelhafte Grußworte zum Abschied des Wolfacher Narrenvaters, der der Zunft ein gutes Händchen für die Wahl des Narrenvaters/Narrenväterin gewünscht hatte) verkündeten die drei Schnurrantinnen nach 15 Jahren ihren Abschied von der Schnurrbühne.
Ein Versuch mit Aperol-Hamster
Gleich ein halbes Dutzend Schnurren hatte Armin Eichenhofer auf seiner Trittleiter parat, angefangen von der Schnapsidee der Kolping-Gruppe, am Kuchenmarkt den selbst gemachten Eierlikör im Wasserbad zu erhitzen bis hin zu in Teilen sehr romantischen Erklärungsversuchen zur mysteriösen Programmierung einer „Alexa“, die munter mit dem Herrn des Hauses parlierte, aber immer dann ihre Lautstärke runterdimmt, wenn die Herrin des Hauses nach Hause kommt.
Mit einer Mischung aus mütterlicher Sorge und Häme glossierten die „Drei Zwieble“ (Monika Schmidtke, Sonja Harter und Kerstin Herrmann) ein zeitlich eng getaktetes Wochenende zweier junger Halbmeiler Wanderer. Der Trip mit ADAC-Einsatz, überteuertem Eintritt und abgebrochenem Gipfelsturm war die Schnurre genau so wert wie der Aperol-Hamster-Versuch einer Halbmeilerin, bei dem die Grenzen der „haushaltsüblichen Mengen“ neu definiert wurden.
Der Abschluss
Den Abschluss im Dorfgemeinschaftshaus machten zu später Stunde die Halbmeiler Halunken. Katharina Hettig, Magnus Harter und Steffen Hettig wurden ein weiteres Mal auf dem „Schirle“ fündig. Dort hatte sich ein Vollblut-Elektriker mit Prepper-Anwandlungen für eine Nacht den Traum von einem Coca-Cola-Automaten erfüllt, ehe der Zuckerwasser-Konzern das defekte Gerät aus der Realschule wieder für sich reklamierte. Und wer beim Fernseh-Gottesdienst Andreas Gabalier statt der Predigt auf der Tonspur wähnt, empfahl Harter, vor Einschalten des Fernsehers zu prüfen, ob in der weihnachtlichen Stube auch wirklich alle anderen Audio-Geräte ausgeschaltet sind.