Freuen sich über die neue Busfahrschule der SWEG, in der jährlich bis zu 50 Busfahrer ausgebildet werden sollen (von links): Geschäftsführer Thilo Grabo, Fahrlehrer Hasan Günebakan, Busbetriebsleiter Konstantin Egert und Personalleiter Torsten Berger. Foto: Köhler

Sie sind Herr über Hunderte PS und tragen Verantwortung für Dutzende Fahrgäste: In der Fahrschule der SWEG lernen angehende Busfahrer alle Fähigkeiten am Lenkrad und den Umgang mit Kunden. Fahrlehrer Hasan Günebakan zeigt die Besonderheiten auf.

Der Fachkräftemangel ist auch bei der SWEG spürbar, erklärt Thilo Grabo, Geschäftsführer des Verkehrsunternehmens. Landesweit fehlen die Busfahrer, sagt er, deswegen habe man unter anderem mit der Busschule eine „großflächige Kampagne gestartet, damit die SWEG gut aufgestellt ist“.

 

Konstantin Egert, Leiter des SWEG-Busbetriebs, ergänzt, dass man immer Busfahrer benötige. Denn „autonomes Fahren ist noch Zukunftsmusik“. Dass Busfahrer aktuell „Mangelware“ sind, habe auch damit zu tun, dass eine Ausbildung in Theorie und Praxis drei Monate dauere und etwa 12 000 Euro koste.

Deshalb wolle man sich betriebsintern auf das Thema Ausbildung fokussieren. „Wer nach der Ausbildung drei Jahre im Betrieb bleibt, bekommt die Fahrschule komplett bezahlt“, sagt Grabo. Das sei ein Novum in Baden-Württemberg.

Schulungsraum wurde eingerichtet

Für die Ausbildung hat die SWEG auf ihrem Betriebsgelände in der Rheinstraße einen Schulungsraum eingerichtet. Noch wichtiger allerdings: Der Fahrschulbus. Für die Fahrstunden hat die Verkehrsgesellschaft einen Reisebus umgebaut. Vorne rechts direkt beim Einstieg befindet sich ein Sitz, auf dem der Fahrlehrer seinen Schüler im Blick behalten kann. Wenn es brenzlig wird, kann er, wie man es von einem Fahrschulauto kennt, durch eigene Pedale eingreifen. Zudem wurde ein besonderer Spiegel angebracht.

Einblicke in die Ausbildung gibt Fahrlehrer Hasan Günebakan: „Die Schüler fahren zuerst auf unserem Hof um Pylonen herum. Sie müssen erst einmal Augenmaß gewinnen“. Viele würden die Maße des Busses durch den Überhang vorne und hinten am Anfang unterschätzen. „Man muss erst wissen, wie man lenken soll“, sagt Günebakan. Ist er zufrieden, wie ein Schüler den Bus im geschützten Raum steuert, geht es auf die Straße. Wann das der Fall ist, sei von Fahrschüler zu Fahrschüler unterschiedlich. Wenn sie Vorerfahrung haben, schaffen die schnellsten den Sprung schon nach 90 Minuten.

Alle anderen Schüler sitzen mit im Bus

Bei den Fahrstunden sitzen nicht nur Schüler und Lehrer alleine im Bus. Alle weiteren Kursteilnehmer sind mit dabei, schildert Günebakan. Das habe mehrere Vorteile. Zum einen könne sich der Fahrschüler an das Gefühl gewöhnen, wie es ist, Menschen zu transportieren, zum anderen können die Insassen von den Fehlern des Fahrenden direkt lernen. Dadurch entstehe eine Gruppendynamik, die, so Günebakan, schneller zum Erfolg führt.

Wann die Fahrschüler dann fit für die Prüfung sind, entscheidet Günebakan. Mindestens vorgeschrieben sind aber 22 Fahrstunden, wenn die angehenden Busfahrer bereits seit zwei Jahren oder länger einen Lkw-Führerschein haben. Danach gibt es verschiedene Stufen. So muss ein Fahrschüler, der erst kürzlich seinen Auto-Führerschein gemacht hat, mindestens 89 Stunden am Steuer des Busses absolvieren.

„Alle neun Fahrschüler, die seit Februar bislang die Ausbildung durchlaufen haben, haben die Prüfung direkt bestanden“, zeigt sich der Fahrlehrer stolz. Er hofft, dass er jährlich in fünf Kursen jeweils zehn Fahrschüler fit für die Straße machen kann. Dafür sucht die SWEG aber derzeit noch einen zweiten Fahrlehrer.

Ein wichtiger Teil der Ausbildung soll auch die soziale Komponente sein, machen alle Verantwortlichen deutlich. „Man muss nicht nur spritsparend und rücksichtsvoll fahren, sondern auch zu den Fahrgästen freundlich sein“, sagt Grabo. Vorstellen könne sich die SWEG auch Kooperationen mit Landkreisen oder Jobcentern, um Flüchtlinge zu Busfahrern weiterzubilden.

Voraussetzungen

Busbetriebsleiter Konstantin Egert erklärt, dass Interessierte für den Busführerschein bereits einen Autoführerschein vorweisen müssen. Eine medizinische Tauglichkeit müsse nachgewiesen werden, ebenso wie Grundsprachkenntnisse in Deutsch. Die SWEG nehme für die Ausbildung auch gerne Quereinsteiger auf.