Die höchste Auszeichnung des Bundes erhielt er für seine jahrzehntelange Arbeit. Sein Engagement sorgte dafür, dass die Tiere in der Rohanstadt einen ganz besonderen Rückzugsort fanden.
Hochrangige Vertreter des Landes, des Regierungspräsidiums, von Naturschutzverbänden und Lokalpolitik sowie langjährige Weggefährten ehrten Edmund Hensle. Von Staatssekretär André Baumann aus dem Umweltministerium des Landes erhielt Hensle im Namen der kurzfristig verhinderten Ministerin Thekla Walker das Bundesverdienstkreuz am Bande samt Ehrenurkunde, die von Ministerpräsident Kretschmann und Bundespräsident Steinmeier unterschrieben ist.
Anlass der hohen Auszeichnung im historischen Bürgersaal ist Hensles 40-jähriges ehrenamtliches Engagement für den Schutz der Fledermäuse in Baden-Württemberg.
Bürgermeister Bruno Metz sprach von einem „besonderen Anlass“, zu dem man sich im Bürgersaal getroffen habe. Natur- und Artenschutz würden in Ettenheim seit langem einen hohen Stellenwert einnehmen. Dazu gehöre eben auch die Schaffung des großen Fledermaus-Quartiers in der ehemaligen Holzindustrie Stoelcker, bei deren Ende es in hohem Maße Hensles Einsatz zu verdanken sei, dass in Zusammenarbeit von Regierungspräsidium, zuständigen Banken und der Stadt eines der größten Fledermausquartiere des Landes erhalten werden konnte.
Der Geehrte ist gefragterFledemausexperte
Auch das örtliche Fernwärmenetz, gespeist aus verschiedenen erneuerbaren Energiequellen, wird dort genutzt.
Baumann als Vertreter des Umweltministeriums des Landes würdigte den Einsatz „mit Kopf und Herz“ des ehemaligen Lehrers am Scheffel-Gymnasium Lahr, der sein Wissen auch in Vorträgen und bei Exkursionen weitergegeben und die Bedeutung des Erhalts der hochgradig durch Nahrungsmangel und Lebensraumverluste gefährdeten Fledermäuse hervorgehoben hatte. „Wir brauchen Experten wie Sie“, wandte sich Baumann an den Geehrten. Das Fledermaus-Quartier in der ehemaligen Ettenheimer Stuhlfabrik stelle „etwas ganz Besonderes“ dar.
Baumann skizzierte die Positionen Hensles unter anderem als ehrenamtlicher Regionalvertreter der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Freiburg (AGF) von 1978 bis 1993, als Geschäftsführer der 1993 gegründeten Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg von 2003 bis 2008 sowie als Vorsitzender der AGF ab 2008 bis 2017. Hensle berate Privatpersonen und Naturschutzbehörden, sei Ansprechpartner für Fledermaus-Notfälle und betreue wissenschaftliche Projekte. Über Vorträge, Exkursionen, Ausstellungen und Tagungen wirke er als Multiplikator. „Durch Ihr vielfältiges Engagement für Fledermäuse haben Sie ein Bewusstsein für diese faszinierenden Tiere und die Notwendigkeit ihres Schutzes geschaffen“, so Baumann.
Hensle gibt sein Wissen auf vielfältige Weise weiter
Dann steckte er dem 79-Jährigen unter langanhaltendem Applaus der Teilnehmer der Feier das Bundesverdienstkreuz am Bande an - verbunden mit den strengen Tragehinweisen dieser höchsten Auszeichnung des Bundes. Mit der Würdigung der bisherigen Leistungen verband Baumann die Hoffnung auf noch langjährigen weiteren Einsatz. „Sie stehen ja noch gut da“, so Baumann zum 79-Jährigen.
Verständnis für die nächtlichen Beobachtungen
Der Geehrte ließ die Geschichte von den Anfängen seines Interesses an dieser faszinierenden nachtaktiven Art über all die Stufen seines Einsatzes gegen deren Bedrohung Revue passieren: „Vom Chauffeur in den Anfangsjahren bis zu den heutigen Digitalarbeiten der AGF“. Dankbar sei er neben all den Mitstreitern vor allem seiner Familie, die für all seine Aktivitäten, auch die nächtlichen Beobachtungen, Verständnis aufbringe. Je größer sein Wissen in diesem Metier geworden sei, umso gefragter sei er als Experte gewesen – bis heute. Die hohe Auszeichnung, die er eben erhalten habe, sehe er als Auszeichnung all jener Ehrenamtlichen, die sich in ihrer Freizeit für Natur- und Artenschutz einsetzen. Ausdrückliches Lob sprach er den Verantwortlichen des zuständigen Referats beim Regierungspräsidium Freiburg aus, das schon früh pragmatischen Lösungen gegenüber der so oft lähmenden Bürokratie den Vorrang eingeräumt habe. „Vertrauen der Verwaltungen in das Ehrenamt ist so wichtig“, so Hensle. So habe man beispielsweise auch bei anfänglichem Dissens rund um das Quartier am Ettenbach miteinander eine einvernehmliche Lösung gefunden.
Beim abschließenden Umtrunk wurden die weitreichenden Kontakte des inzwischen mit seiner Familie in Altdorf wohnhaften Artenschützers noch einmal deutlich.
Geschützte Bewohner
Im Ettenheimer Fledermausquartier leben Fledermäuse der Art „großes Mausohr“. Die Tiere fliegen in der Dunkelheit aus, um zu fressen. Jede Nacht müssen sie etwa ein Drittel ihres Körpergewichts an Insekten jagen. Das gestaltet sich immer schwieriger, da die Insektenpopulation weiter zurückgeht.