Rechtsaußen Christian Schäfer bejubelt seit 2007 Tore für die SG BBM Bietigheim. Foto: Baumann

Christian Schäfer spielt seit 2007 für die SG BBM Bietigheim, hat zwei Bundesligaaufstiege mitgemacht und peilt mit dem Handball-Zweitligisten den dritten an. Vor dem DHB-Pokalkracher gegen den THW Kiel spricht der Torjäger über seine Ziele und sportliche Zukunft.

Das Spiel des Jahres? Christian Schäfer zögert kurz, bevor er antwortet: „Natürlich ist es das Saisonhighlight, aber sportlich gesehen wären die Punkte am zweiten Weihnachtsfeiertag in Großwallstadt wichtiger.“ Der Rechtsaußen und Torjäger der SG BBM Bietigheim hat wie alle beim Handball-Zweitligisten im Aufstiegsrennen Blut geleckt. Durch das 31:30 am vergangenen Samstag beim direkten Konkurrenten TuS N-Lübbecke beträgt der Rückstand auf Aufstiegsplatz zwei nur noch zwei Punkte. „Es ist wichtig, knappe Spiele zu gewinnen, das hat auch mit Qualität zu tun, und wir haben derzeit einen richtig guten Lauf“, freut sich der 34-Jährige.

 

Nur noch Resttickets

Da kommt der DHB-Pokal-Achtelfinalkracher an diesem Donnerstag (19.30 Uhr/Egetrans-Arena, es gibt noch Resttickets) gegen den deutschen Rekordmeister THW Kiel gerade recht. Oder etwa nicht? „Ja klar, so einen Höhepunkt kurz vor Weihnachten vor vollem Haus hat sich der gesamte Verein verdient“, sagt Schäfer. Letztmals war die Arena mit 4500 Zuschauern beim Abstiegsdrama im Juni 2019 gegen den VfL Gummersbach (25:25) ausverkauft – seitdem spielt die SG wieder in der zweiten Liga.

Schäfer hat all die Aufs und Abs mit der SG BBM mitgemacht. 2007 war er nach der A-Jugend aus Kleinbottwar nach Bietigheim gekommen – und blieb dem Club bis heute treu. „Immer wieder gab es Anfragen von anderen Clubs, mit denen ich mich auch mal ernsthaft beschäftigt habe, aber die SG hat sich auch entwickelt, und das Gesamtpaket hat immer gepasst.“ Er fühlt sich wohl mit seiner Frau Kira (geborene Eickhoff), selbst früher Bundesliga-Handballerin in Bietigheim und U-20-Weltmeisterin, und den Kindern Julius (3) und Pauline (2). Zudem konnte er zwei Studien (Public Management und Wirtschaftswissenschaften) neben dem Profisport abschließen, der darunter keinesfalls litt.

In den Spielzeiten 2015/16 (281 Treffer) und 2020/21 (234 Treffer) sicherte er sich jeweils die Zweitliga-Torjägerkrone. Er ist ein Dauerbrenner in Sachen Tore. Auch aktuell rangiert der stellvertretende Kapitän unter den Top Ten der Liga. Seine größten Erfolge feierte der Linkshänder mit den Bundesligaaufstiegen 2014 und 2018.

„Gezielte Verstärkungen“

Und diesmal? Wäre das Team in der zweiten Saison unter Coach Iker Romero reif für die erste Liga? „Wir haben die Qualität und auch das Ziel, bis zum Ende ganz oben dranzubleiben“, sagt Schäfer selbstbewusst. Im Fall der Fälle müsse man sich auf wenigen Positionen gezielt verstärken und dann eine Etage höher eben „den Mitaufsteiger und ein etabliertes Team hinter sich lassen“.

Als Vorteil sieht er die gewachsene Erfahrung des Teams. Nicht nur er selbst sowie Dominik Claus und Nikola Vlahovic (jeweils mit der SG BBM) bringen Bundesliga-Expertise mit, sondern auch Kreisläufer Fabian Wiederstein (HBW Balingen-Weilstetten), Torwart Fredrik Genz (Füchse Berlin) oder Spielmacher Juan de la Pena (HBW und SC Magdeburg). Zusätzlicher Vorteil: Mit dem spanischen System von Romero kommt die Mannschaft im zweiten Jahr unter der Regie des früheren Weltklassespielers immer besser zurecht. „Die Abläufe sind klar strukturiert, und vor allem die Automatismen in der Abwehr greifen inzwischen“, hat Schäfer erkannt.

Ob das vielleicht sogar für eine Überraschung gegen den aktuellen Bundesligazweiten und Champions-League-Teilnehmer THW Kiel reichen könnte, der zuletzt eine 23:36-Packung in Flensburg kassierte? „Es ist wie immer in solchen Spielen: Wir brauchen einen Sahnetag mit überragenden Torhütern, der hohe Favorit einen richtig schlechten, dann kann vielleicht etwas gehen“, sagt Schäfer. Er selbst hat ja schon viermal in der Bundesliga gegen den THW gespielt – die vier Niederlagen endeten in Kiel 27:40 und 20:34 und daheim 25:37 und 21:32. Es soll deutlich knapper werden am Donnerstag. Doch das wichtigere Spiel geht ja ohnehin am 26. Dezember über die Bühne – wenn es um 17 Uhr beim TV Großwallstadt um Punkte für den Aufstieg geht.

Patrick Rentschler hört auf

Karriereende
Kreisläufer Patrick Rentschler vom Zweitligisten SG BBM Bietigheim muss seine Handballkarriere verletzungsbedingt beenden. Im Juni 2021 hatte er sich im Defensiv-Zweikampf sein Knie verdreht und einen Kreuzbandriss sowie einen Meniskus- und Knorpelschaden erlitten. Nach über zwölf Jahren im Bundesligatrikot der SG hat er sich nun für das Ende seiner aktiven Laufbahn entschlossen. „Die Entscheidung ist mir sehr schwergefallen, aber sie ist leider alternativlos. Mit meinem rechten Knie ist kein Leistungssport mehr möglich“, erklärt der 32-Jährige, der Immobilienwirtschaft studiert hat und seit einigen Jahren als Steuerberater arbeitet.

Bruder
Patrick Rentschlers Bruder, der Ex-Frisch-Auf-Profi Marco Rentschler, spielt inzwischen für die SG BBM II in der Verbandsliga. Der 27-jährige Linkshänder war von 2015 bis 2021 für den Göppinger Bundesligisten am Ball.

Identifikationsfigur
„Patrick Rentschler ist eine der prägendsten Identifikationsfiguren der SG-Geschichte. Von den Minis an hat er alle Jugendmannschaften der SG durchlaufen und sich einen Platz im Bundesligakader erkämpft. Als Leistungsträger und späterer Kapitän hat er einen riesigen Anteil an der Erfolgsgeschichte der SG“, sagte SG-Geschäftsführer Bastian Spahlinger. „26 Jahre im Verein, zwölf Jahre im Bundesligateam und hoffentlich noch viele weitere Jahre in der SG-Familie! Wir werden Pagge würdig verabschieden.“ Rentschler wird im Rahmen des DHB-Pokal-Spiels gegen gegen den THW Kiel in der Egetrans-Arena auf dem Spielfeld verabschiedet. Zudem ist im Sommer 2023 ein Abschiedsspiel geplant, bei dem zahlreiche Weggefährten von Pagge als All-Star-Team ihm zu Ehren noch mal die Handballschuhe schnüren werden. (red)