Carsten Gabbert, hier mit dem Bergdorf Schweighausen im Hintergrund, war 16 Jahre Bürgermeister von Schuttertal. Foto: Schabel

In Lahr und Schuttertal gibt es nur positive Reaktionen auf die Nachricht, dass Carsten Gabbert neuer Regierungspräsident wird. Der gebürtige Lahrer war 16 Jahre Bürgermeister von Schuttertal.

Carsten Gabbert – ein alter Bekannter in der Region – wird neuer Regierungspräsident im Regierungspräsidium Freiburg. Er tritt ab dem 1. April die Nachfolge von Bärbel Schäfer an. Unsere Reaktion hat Stimmen zu dieser Entscheidung eingeholt.

 

Lahrs OB Markus Ibert lobt Gabbert auf Nachfrage in den höchsten Tönen. „Ich kenne und schätze ihn seit vielen Jahren, als Mensch ebenso wie für seine hohe fachliche und politische Kompetenz“, so der Rathauschef über Gabbert, der in Lahr geboren und zur Schule gegangen ist. Als Regierungspräsident sei er „eine sehr gute Wahl“.

Nach einer kaufmännischen Ausbildung und seinem Wirtschaftsabitur studierte Gabbert in Freiburg Geschichte und Germanistik. Auf einen kurzen Abstecher in die freie Wirtschaft folgte mit 31 Jahren die Wahl zum Rathauschef in Schuttertal, als einer von nur sechs grünen Bürgermeistern in Baden-Württemberg. Nach 16 Jahren in dem Amt zog er sich 2020 aus dem operativen Politikgeschäft zurück und gründete eine Beratungsfirma, die etwa Kommunen Fortbildungen zu Digitalisierung und Personalentwicklung anbietet.

Lahrs OB Markus Ibert bedauert, dass Gabbert für das Lahrer Klinikum nicht mehr zur Verfügung steht. Foto: Stadt

Im Dezember trat Gabbert dann überraschend in den Dienst der Stadt Lahr – als „Leiter des städtischen Projektteams zum Klinikumsneubau“, so die offizielle Stellenbeschreibung. Vom Grunderwerb bis zur Bürgerbeteiligung – Gabbert sollte helfen, dass der Klinikneubau in Langenwinkel glatt läuft. Ein Amt, dass er nun logischerweise aufgeben wird. „In der Leitung unseres Klinikumsprojekts hat er sich bei der Stadt Lahr hervorragend eingefunden und auch in kurzer Zeit dazu beigetragen, das Vorhaben weiter voranzubringen“, betont Ibert. „Ich bedauere, dass er uns nicht mehr zur Verfügung steht, gratuliere ihm zugleich herzlich und wünsche ihm für sein neues Amt nur das Beste – viel Kraft, Optimismus und jederzeit eine gute Hand zum Wohl unserer gesamten Region“, so der OB.

Parteifreundin Dorothee Granderath reagierte erfreut. Foto: Grüne

Freude herrscht auch bei Dorothee Granderath aus dem Vorstand der Lahrer Grünen. Carsten Gabbert sei eine sehr gute Besetzung als Regierungspräsident, ist auch sie sich sicher. Denn er habe bereits Erfahrungen auf zahlreichen verschiedenen Feldern gesammelt – als Bürgermeister, selbständiger Unternehmer mit seiner Beratungsfirma, aber auch als Mitglied des Kreistags, wo die Parteifreunde Gabbert und Granderath in der vergangenen Legislaturperiode Fraktionskollegen waren.

Im Gespräch mit unserer Redaktion hebt sie außerdem Gabberts gelassene Ausstrahlung hervor – und dass er für eine Politik der Mitte stehe. Erhofft sie sich zusätzlich Vorteile für Lahr, da nun ein gebürtiger Lahrer ins Chefbüro des Regierungspräsidiums einziehen wird? Die Frage weist Granderath entschieden zurück, „er wird sein Amt in der Landesverwaltung natürlich unparteiisch ausüben“, betont sie. Andererseits könne es für Lahr nur von Vorteil sein, dass sich der neue Regierungspräsident in der Stadt auskenne.

Matthias Litterst war Nachfolger Gabberts als Bürgermeister von Schuttertal. Foto: Gemeinde

2020 hatte Gabbert als Bürgermeister von Schuttertal aufgehört. Sein Nachfolger wurde Matthias Litterst. „Ich wusste es nicht, aber das Gerücht macht ja schon länger die Runde“, sagt Litterst am Dienstagmittag unserer Redaktion über den neuen Posten seines Vorgängers in Schuttertal. „Ich freue mich“, ergänzt er. „Er ist gut gerüstet für das Amt und kennt die Herausforderungen gut, vor allem für den ländlichen Raum.“ Litterst erhofft sich, dass sich Gabbert gut für die Region und den ländlichen Raum einsetzen kann. Denn er bringe 16 Jahre Erfahrung als Bürgermeister mit. Das Amt als Regierungspräsident traut er ihm entsprechend voll und ganz zu. „Er ist ein Menschen mit Weitblick und mit weitem Horizont.“ Schon als er die Rolle des Projektmanagers für das neue Lahrer Klinikum angetreten hat, habe er ihm gratuliert, so Litterst. Das tue er jetzt auch.

Wolfgang Wölfle war 16 Jahre Hauptamtsleiter unter Gabbert. Foto: Gemeinde

Schuttertals Hauptamtsleiter Wolfgang Wölfle hatte Gabbert über seine komplette Amtszeit im Rathaus begleitet und ihn stets als „angenehmen und menschlichen Chef“ wahrgenommen. „Er hat Verantwortung übertragen, hat aber auch gefordert“, erinnert sich Wölfle und betont dabei ein „gutes und vertrauensvolles Verhältnis“. Gabbert habe im Rathaus ein gutes Verwaltungsteam aufgebaut und auch „nicht einfache Projekte“ wie Windräder, die Pfarrscheune oder die Dorfmitte in Schweighausen vorangetrieben. „Ich bin ein bisschen erstaunt, ich habe nicht damit gerechnet, dass er Regierungspräsident wird“, sagt Wölfle. Doch unterm Strich sei es „wahrscheinlich der richtige Mann“. Es sei sicher kein Nachteil, dass Gabbert als langjähriger Bürgermeister den Blick einer Kommune kenne. Vorteile für Schuttertal erhofft sich der Hauptamtsleiter aber nicht: „Da wird er neutral sein.“

Stelle wird neu besetzt

Carsten Gabbert kann nun nicht mehr Projektleiter zum Klinikneubau bleiben. „Die Aufgabe der Leitung des dezernatsübergreifenden Projektteams zum Klinikumsneubau soll neu vergeben werden“, teilte die Stadt dazu mit.