Gespräche mit Wegbegleitern, ein Quiz zu Deutschland und Frankreich, ein Cancan und schließlich sogar eine ganz besondere Ehrung: Unter dem Motto „Vive la Freundschaft“ feierte Rust beim Frühlingsempfang die 40 Jahre Partnerschaft mit Marlenheim.
Der Frieden in Europa jährt sich zum 8. Mai 2025 zum 80. Mal – doch gleichzeitig „weht derzeit ein Ungeist durchs Land, der alles in Frage stellt, was einmal vereinbart und aufgebaut wurde“, erklärte Rusts Bürgermeister Kai-Achim Klare in seiner Begrüßungsrede. Dieser Bedrohung – von innen wie von außen – müsse man sich entgegenstellen. Der Wunsch, dass Deutsche und Franzosen friedlich zusammen arbeiten und leben, trieb den französischen Präsidenten Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer 1963 zur Unterzeichnung des Vertrags über die deutsch-französische Zusammenarbeit. Getragen wurde dieser jedoch nicht nur von der Politik, sondern vor allem „von den Menschen, die sich aufmachten, das Nachbarland kennenzulernen und sich für Partnerschaften entschieden“, so Klare. So wie es vor 40 Jahren auch Rust und Marlenheim getan hatten.
Unterhaltung stand im Mittelpunkt: Wie im vergangenen Jahr war der Ruster Frühlingsempfang humorvoll und unterhaltsam aufgebaut. Klare führte weniger als Vortragsredner denn als Moderator durch den Abend. Weil auch Paris ein Teil Frankreichs ist, tanzte das Showballett des Europa-Parks einen Cancan wie aus dem Moulin Rouge. Für musikalische Unterhaltung sorgte – unter dem Dirigat von Andreas Vetter – eine gemeinsame Kapelle aus Marlenheimer und Ruster Musikern, die an diesem Abend so zum ersten Mal auftrat.
Das ist Marlenheim: Marlenheims Bürgermeister Daniel Fischer lernte Rust 1978/79 durch einen Besuch im Europa-Park kennen. Durch neue Plätze, Straßen, die neue Sporthalle und Schule und den Freizeitpark, der sich weiter entwickelt habe, sei Rust im Laufe der Zeit noch größer und schöner geworden, gratulierte er. Marlenheim sei eine Stadt, aber mit 4300 Einwohnern ähnlich groß und liege am nördlichen Eingang der elsässischen Weinstraße. „Es ist uns wichtig, alles zu tun, damit wir uns in Marlenheim wohlfühlen“, erklärte Fischer. Dazu gehöre neben einer guten Infrastruktur auch, „dass etwas geschieht, damit die Leute zusammenkommen, damit das Dorf ein Herz hat – sprich Feste“, erläuterte er.
Entscheidend sind die Menschen, die die Partnerschaft tragen
So kam es zur Partnerschaft: CDU-Gemeinderatsfraktionsführer Gottfried Schießle habe sich für die Partnerschaft zu einer französischen Gemeinde stark gemacht. Auf einen Antrag hin hatte Rust Marlenheim zugeteilt bekommen, berichtete Rusts Altbürgermeister Günter Gorecky. Nachdem sich die Vertreter beider Gemeinden damals beschnuppert hatten „und wir festgestellt hatten, dass unsere Chemie stimmt und wir auch dieselben Probleme – den Verkehr – haben“, so Gorecky, habe man 1984 die Partnerschaft geschlossen. Aber warum sei diese so herzlich geworden, wollte Klare wissen. Zum einen sei die Entfernung gering und die Sprachbarriere kaum vorhanden, denn in Marlenheim spricht man auch Elsässisch und Deutsch. Zum anderen aber seien die Menschen entscheidend gewesen, betonte Gorecky. Unter Bürgermeister Marcel Luttmann sei sie richtig ins Rollen gekommen. Mit dazu beigetragen, habe auch das Theater Alsace aus Marlenheim, das regelmäßig mit „Mann, Maus, Requisiten und Kostümen“ in Rust Station gemacht habe. So sei schließlich 1990 in Rust ein Partnerschaftskomitee gegründet worden, für das sich Alfred Bühler eingesetzt hatte. Das Partnerschaftskomitee in Marlenheim sei unter Claude Schué auch für Rust geöffnet worden. Das Besondere an der Freundschaft von Marlenheim und Rust? „Es ist keine Partnerschaft der Honorationen, es ist eine der Bürger“, so Gorecky. Zwischen den Bürgern, Vereinen und Schulen der beiden Orte bestehen vielfältige Beziehungen.
So lautet ein besonderes Rezept: „Mr. Partnerschaft“ Claude Schué auf die Bühne gebeten bat Klare das Rezept des Planteur zu verraten, den man immer in Marlenheim trinke und dank dem man sich so gut verstehe: „Liebe, Vergnügen, Freundschaft, Lebensfreude“, erklärte Schué. Er betonte: Letztendlich seien es die Männer, Frauen und Jugendliche, die mit ihrem Engagement die Partnerschaft trügen. Durch Treffen zwischen den Nationen, lebe man Europa. Eine Gelegenheit zum nächsten Treffen gibt es am 15. August beim großen Amifritz-Fest in Marlenheim, zudem auch die Gemeinde Rust einen Bus organisiert. Wer schon zuvor nach Marlenheim will, hat am 23. März die Gelegenheit dazu: Anlässlich des runden Geburtstags der Partnerschaft wollen die Ruster dort 40 Bäume pflanzen.
Wie Michael Mack Honorarkonsul von Frankreich wurde
Statt dem Vater wurde es der Sohn: Ängste und Vorurteile gegenüber Frankreich habe man in seiner Familie schon früh abgebaut, betonte Europa-Park-Geschäftsführer Michael Mack. Bereits sein Großvater habe nie vergessen, dass die Elsässer ihn in Kriegsgefangenschaft gut behandelt hatten. Durch den Park habe sein Vater vielfältige Kontakte nach Frankreich geknüpft. Die Nähe zu Frankreich, „diese Melange macht die Region lebenswert“. Den Titel „Honorarkonsul von Frankreich“ habe Michael Mack eigentlich seinem Vater Roland zum 70. Geburtstag schenken wollen. Doch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron habe seine Honorarkonsule verjüngen wollen und wollte deshalb lieber Michael Mack. „Es ist mehr Arbeit als Vergnügen“, gab er zu. Aber dass er sich in dieser Position für Wirtschaft und die Jugend einsetzen könne, habe er diesen Titel „als Bekenntnis für Europa“nochmals um vier Jahre verlängert.
Wer weiß was?: Auch die Jugend war zum Thema Frankreich gefragt. Vertreter der Klassen 10 a und 10 b der Gemeinschaftsschule traten in Teams zum Quiz gegeneinander an. Ihnen zur Seite gestellt wurden als Paten Michael Mack und Claude Schué. Zudem durften sie das Publikum befragen. Hilfreich war das nicht immer. So waren die Gäste etwa bei der Frage, wer mehr Fußball-EMs gewonnen hatte – Deutschland oder Frankreich – unschlüssig und standen nur sehr zaghaft auf. (Es ist Deutschland.) Souverän beantwortet wurden hingegen alle Fragen aus der Kategorie „Marlenheim“. Auch dass die EU 27 Mitgliedstaaten besitzt und Emmanuel Macron zwei Zentimeter größer ist als Olaf Scholz, wussten die Schüler. So trennten sie sich schließlich unentschieden.
Eine besondere Ehre
Ruster Bürgermedaille erhält neuen Träger: „Eine Gemeindepartnerschaft ist immer nur so stark, wie die Menschen, die sie tragen“, betonte Klare. Besonders um diese Partnerschaft in vielfältiger Weise verdient gemacht – und sie damit mitgetragen – habe sich Daniel Fischer. Für diese Verdienste verlieh Klare ihm die Bürgermedaille Rusts. Vor allem durch seine Leitung des gemischten Marlenheimer Chors „Chorale Sainte Cécile“ sei es zu vielen inspirierenden Begegnungen und Projekten gekommen und die Partnerschaft wurde „in die Breite der Bürgerschaft verankert“. Weiter stabilisiert habe Fischer diese Partnerschaft in seiner Funktion als Marlenheimer Gemeinderat ab 1995, als Adjoint de Mair des Bürgermeisters seit 2008 und als Bürgermeister ab 2020, dankte Klare. Für ihn habe diese Medaille eine dreifache Bedeutung betonte Fischer. Zum einen sei sie ein Zeichen der Freundschaft von der Ruster Bevölkerung an Marlenheim und seine Einwohner. Zum Zweiten zeige sie das Vertrauen in die Bande, die vor 40 Jahren geknüpft worden seien. Zum Dritten ermuntere sie die Zusammenarbeit zu vertiefen und die Freundschaft zu pflegen, um auch die junge Generation für Europa zu gewinnen. Dass europäischer Frieden nicht selbstverständlich sei, zeige sich an dem Krieg, in dem sich die Ukraine und Russland bekämpften „und das obwohl sie sich kulturell doch so ähnlich sind“.
So wird weiter gefeiert
Eine große Partnerschaftsfeier
ist für Freitag, 28. Juni, im Klosgarten geplant. Mit dabei sind Austausch-Jugendliche aus Marlenheim, die eine Woche in Rust verbringen.
Ein grenzüberschreitendes, elsässisches Theater
kündigte Klare für den Herbst an.