Geothermie gilt als nachhaltige Energiequelle. Um sie auch in der Ortenau nutzbar zu machen, stehen Untersuchungen in der Region Lahr an. Bei einem Fachgespräch wurde der aktuelle Stand präsentiert.
Als „sehr ehrgeizig“ sehen die Beteiligten, die sich im Landratsamt Offenburg zu einem Fachgespräch trafen, die Klimaziele von Bund und Land. Um Klimaneutralität zu erreichen, ist Geothermie eine der Quellen aus dem Mix nachhaltiger Energieliferanten. In Teilen der Bevölkerung gibt es jedoch auch Widerstände gegen Erdwärme-Projekte.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Emmendingen-Lahr, Yannick Bury, traf sich mit Parteikollege Andreas Jung, dem Ersten Landesbeamten Nikolas Stoermer und Vertretern des Energieunternehmens Badenova zum Austausch über die konkrete Nutzung von Geothermie in der Ortenau. Das Potenzial der Geothermie ist groß: 99 Prozent der Erde hat eine Temperatur von über 1000 Grad, verdeutlichte Badenova-Wärmeplus-Geschäftsführer Klaus Preiser. Diese Energiequelle versiege nicht. Die Nutzung der Energie erscheint die logische Konsequenz. Allerdings gibt es technische Herausforderungen und Vorbehalte in der Bevölkerung aufgrund früherer Fehlschläge. Orte wie Staufen im Breisgau oder Vendenheim im Elsass sind überregional durch Schäden in Folge von Geothermiebohrungen bekannt.
„Gesprochen wird über Geothermie dann, wenn es Probleme gibt“, sagte Preiser, „die vielen positiven Beispiele sind kaum bekannt.“ Mögliche Bohrungen im Oberrheingraben bei Lahr seien mit denen in Staufen und Vendenheim nicht zu vergleichen. Bei beiden Fällen habe es menschliche Fehler gegeben. Aus diesen habe man gelernt. Auch setze man bei möglichen Geothermiebohrungen in der Region auf detailliertere Untersuchungen, so Preiser. Auch die Geologie unterscheide sich deutlich.
Heißes Wasser in der Tiefe
Der Oberrheingraben bietet aufgrund seiner geologischen Beschaffenheit die Möglichkeit, das heiße Wasser, das sich teilweise in mehreren Tausend Metern Tiefe befindet, zu nutzen. Auch die Region um Lahr ist für Geothermieprojekte interessant. Im Juni 2023 hat die Badenova vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau im Regierungspräsidium Freiburg die sogenannte Aufsuchungserlaubnis erhalten. Endergebnis ist im Idealfall die Nutzung der Energie für die Region, so Preiser.
Das Gebiet, das in der Region Lahr untersucht wird, ist 207 Quadratkilometer groß. Es beinhaltet neben Lahr auch zehn weitere Kommunen, unter ihnen Ettenheim, Meißenheim und Rust.
In 1200 bis 1400 Metern vermutet man eine Wärme von 50 bis 60 Grad. Ob diese Wärmequelle genutzt werden kann, werden Untersuchungen zeigen. Nur wenn diese erfolgversprechend sind, kann es erste Bohrungen geben. Bis es zu der ersten Bohrung kommen kann, dauert es fünf bis sieben Jahre, erklärt Preiser. Zudem würden „enorme Summen“ in die Untersuchung fließen. Alleine die Voruntersuchungen können fünf bis sieben Millionen Euro kosten. Eine erste Bohrung bis zu zehn Millionen Euro, so Preiser.
Nicht ohne die Akzeptanz der Bevölkerung
Innerhalb eines Jahres sollen nun alle bereits vorhandenen Informationen über die Geothermie in der Region Lahr gesammelt und digitalisiert werden. Für den Abgeordneten Bury ist die transparente Planung in der Region entscheidend. Um die Energie erfolgreich nutzen zu können, brauche es die Akzeptanz in der Bevölkerung. Die Sicherheitsfrage sei ein großer Punkt in der Debatte, so Bury.
Klare Regelungen bei Schäden gefordert
Dem stimmte auch sein Parteikollege Jung zu. Der energiepolitischer Sprecher der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion sieht drei Kriterien als Voraussetzung: Transparenz, Sicherheit und Verlässlichkeit. Es müsse klar geregelt sein, wie mit möglichen Schäden durch Geothermiebohrungen umgegangen wird. Jung und Bury schlagen eine „Schadenskasse“ vor. Von Schäden Betroffene müssten so nicht kompliziert die Entschädigungen einfordern. Ähnlich einem Einlagesicherungssystem könnte das Modell organisiert sein, so Jung. Mögliche Probleme durch Insolvenzen von Geothermiefirmen sollen damit vermieden werden.
Die Technik
Um die Wärme in der Tiefe nutzbar zu machen, will man im Falle der Region Lahr auf Hydrothermale Geothermie setzten. Die Wärme wird dabei über das heiße Wasser entnommen. Das erkaltete Wasser wird zurück in das wasserdurchlässige Gestein gepumpt. Bei möglichen Bohrtiefen von 1 200 bis 1 400 Metern in der Region Lahr spricht das Unternehmen Badenova von „mitteltiefer Geothermie“.