Acht Gruppen sind am Sonntag durch die acht Wolfacher Schnurrlokale gezogen. Dabei nahmen sie weder ein Blatt vor den Mund, noch scheuten sie sich vor aufwendigen Kostümen oder dem Bau besonderer „Hebe-Schiebe-Apperaturen“, um das Publikum in den gut gefüllten Beizen zum Lachen zu bringen.
Den Auftakt in der Schlosshalle gestalteten „Combo Communale“. Geschnurrt wurden Alfred und Christa Mayer, die just um die Weihnachtszeit herum ihre Küche renovieren wollten. „Hau se raus (gemeint war die alte Küche) bevor the new kitchen comes“: zur Melodie des „Sonderzugs nach Pankow“ wurde der Telefonanruf nachgestellt, mit dem das Küchenstudio Lieferprobleme meldete. Glück, wer in dieser Situation auf die Küche im Wohnmobil zurückgreifen kann. Wie alles im Leben wird in der Erinnerung auch dieses Weihnachten romantisch verklärt und die „Combo Communale“ lieferte mit „Gänsebraten im Hymer“ die Melodie dazu.
Rundumschlag gegen die etablierten Gruppen
Die „Kirchplatzschnallen“ blicken inzwischen auf 20 Jahre Schnurren zurück. Ihr Schnurre beschäftigte sich mit Ute Riester und deren Manie für Rabattsysteme aller Art. Eines dieser Systeme sieht den Einkauf beim örtlichen Raiffeisenmarkt vor – genüsslich reimten sich Anja Kopp und Heike Schamm durch die gesamte Produktpalette. Die Einkaufsrallye wurde jäh gestört durch den Verlust des Coupon-Heftes, welches sich erst nach Wochen in der Gefriertruhe wiederfand. Wem das alles zu schnell ging, bekam von Musikant Georg Müller ein Resümee in Kurzfassung.
In die heile Schnurrwelt hielten brachial die Krawall-Schnurranten vom „Kommando Enkeltrick“ Einzug. Den etablierten Schnurrgruppen wurde per Rundumschlag eine mitgegeben. Geschnurrt wurden im Anschluss die Karrierechancen von Linus Rauber, nach dem örtlichen Fiat-Autohaus auch noch auf anderen Feldern seinem Vorgänger Manfred Schafheutle nachzueifern. „Kommando Enkeltrick“ lieferten pikante Details zu Marketingstrategie und Liebesleben. Die Schnurre war gut recherchiert und mit Abba-Songs instrumentiert – „Schmelzegrün, Wolfachs Ost-Berlin“ ging gut ins Ohr.
„Wunderfitz und Brägelschnitz“ – vom „Kommando Enkeltrick“ noch der braven, anbiedernden Schnurretei bezichtigt – reagierten auf die Anschuldigungen souverän. „Unsere Maschinisten waren schon da, hier kommen die Kapitäne“, verkündeten die vier in weiße Uniformen gekleidet. Geschnurrt wurde Christian „Schattenmann“ Keller, stadtbekannter Optiker und stellvertretender Feuerwehrkommandant und der Wunsch seiner Gattin Patricia nach einem schönen Urlaub. „Mein Herz ist die Wehr, Patti lass‘ das träumen“ bedeuteten zunächst das Ende aller Reiseträume, ehe esfür den widerwilligen Gatten (herrlich gespielt von Hans Glunk) zunächst ins Reisebüro und dann zum Anzugkauf ging. Zwei Anzug-Alternativen (Feuerwehr-Ausgehuniform, und Geldwäscher-Montur) wurden mit feinem Reim nachgezeichnet, die finale Lösung (Reaktivierung des nur einmal getragenen Hochzeitsanzugs für’s Kapitänsdinner auf der Kreuzfahrt) sorgte auf hoher See jedoch für einige Lacher.
Mit viel Applaus wurden auch „Die Pflasterfeger“ für ihre Schnurre zur Wolfacher Prominenz Erich und Silke Sattler belohnt.
Luxus-Bleibe und Gourmet-Büffet für Igel
Der Oberwäscher hatte bei einem Picknick im Grünen seine Tierliebe zu fünf Igelkindern entdeckt und im heimischen Garten keine Kosten und Mühen für eine artgerechte Unterbringungsform gescheut und sich auch für das tägliche Igel-Büffet nicht lumpen lassen. Einen Sonderpreis verdiente sich Mathias Kern im Imitieren der „Silke-Sattler-Lache“, die mit einem Echo gleich von Silke Sattler persönlich am anderen Ende des Saals beantwortet wurde.
„Die Lückenfüller“ widmeten sich ihrer Passion, im Auftrag des Rechnungshofes Misswirtschaft im Wolfacher Rathaus aufzudecken und hatten dabei geradezu erschütternde Details zum Ausflug der Rathausmannschaft nach Schapbach aufgetan. Als wären die Büffet-Exzesse zu Lasten der dortigen Ortsverwaltung noch nicht genug – was nicht gegessen wurde, wurde schamlos eingetuppert – fiel ein Mitarbeiter aus dem Baurechtsamt (er ist kein netter Herr, er trinkt gern Ketterer und reimt sich auf beides) durch den Diebstahl einer Flasche Himbeergeist auf, die er – um unerkannt zu bleiben – dem unbescholtenen Kämmerer aus Kirnbach in den Rucksack schmuggelte. Mit einer für Beamte untypischen Energieleistung hatte dieser sich den Rucksack aufgesetzt und die Flasche und der schnöde Diebstahl flogen in hohem Bogen auf.
Die „Pariser Unfall-Behörde“ (PUB) beklagten den Verlust des Festivals der Kristalle, dies aber weniger wegen der Touristen („die haben das Zelt mit dem Geröll doch eh nicht verlassen“) sondern mehr wegen der Alden Rungunkeln, die sich mit dem Geld für den Zeltauf- und abbau etwas für ihre Kameradschaftskasse dazu verdient hatten. Über Sommerarbeit konnten gleich zwei Wolfacher nicht beklagen, deckte die „Pariser Unfall-Behörde“ (PUB) auf. Beiden hätte Vogelkot über Sitzbank beziehungsweise Balkon heftig zugesetzt.
Alde Rungunkeln sind nun im Sommer arbeitslos
In einem Fall konnte eine patentierte „Enten-Hebe-Schiebe-Apparatur“ für Abhilfe schaffen – in einem an große Momente aus „Wetten, dass“ erinnernden Kunststück wurde eine Quietscheente in vier Meter Höhe über dem Tresen in der Schlosshalle platziert.
Den Abschluss machten die „Tresentratscher“ mit ihren Gedanken zum Ausflug von Stefan „Bo“ Brückner zur Partylocation „Zwetschgenmarkt“ auf dem Heiligenbronn. Die Story erinnerte entfernt an Partygänger Linus Rauber, nur dass der „Bo“ nach dem Verzehr allerlei zwetschgenhaltiger Edelbrände noch den Ehrgeiz besaß, mit dem Fahrrad aus dem Kofferraum den Weg nach Hause unter die Pedale zu nehmen, wo er nach einigen Abenteuern mit einer nächtlichen Wandergruppe auf Schrambergs Höhen auch wohlbehalten ankam. „Pappa, kannst du mich fahren?“ erschall zu den Klängen von Queen am nächsten Morgen die Bitte.
Die acht Schnurrgruppen
PUB (und Musik)
: Philipp Heitzmann, Jakob Zwikirs, Elias, Sebastian und Elias Kopp Die Tresentratscher:
Nadine und Sherine Gad, Helena und Lara Gutmann, Ronja Mayer, Andreas Schamm und Corina Harter Combo Communale:
Sebastian Carosi, Andreas Hauer, Benni Hiller, Thomas Moser und Christian Oberfell Wunderfitz und Brägelschnitz:
Anita Böhler, Hans Glunk, Bruno Heil und Bernd Schillinger Die Kirchplatzschnallen:
Anja Kopp, Heike Schamm, Georg Müller und Richard Steinhauser Kommando Enkeltrick:
Jochen Huber, Oli Kiefer und René Plaasch Die Pflasterfeger:
Mathias Kern, Matthias Lehmann und Fabian Schmider Die Lückenfüller:
Klaus Heil, Didier und Katja Juillard, Achim Müller und Hannes Schrempp