Eine gute Stunde hat der Ortschaftsrat Altenheim am Mittwoch über ein geplantes Projekt in der Schwarzwaldstraße diskutiert. Dort will ein Investor drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 27 Wohneinheiten bauen – „viel zu dicht“, wie die Räte finden.
„Wohnraum ist gefragter denn je. Aufgrund des derzeitigen Wohnraummangels sowie um Flächen einzusparen, steht die Verwaltung dem Geschosswohnungsbau erst einmal positiv entgegen“, sagte Altenheims Ortsvorsteher Jochen Strosack und stieg damit in den Tagesordnungspunkt „Bauvoranfrage zum Neubau von drei Mehrfamilienhäusern mit jeweils neun Wohneinheiten mit Tiefgarage in der Schwarzwaldstraße 15“ ein. Vorgestellt wurde das Bauprojekt von Christian Tenzer von der Firma „E.Kilic“ .
Das angedachte Grundstück liegt im unbeplanten Innenbereich von Altenheim und grenzt direkt an die alte Bahnhofsgaststätte an. Das Grundstück ist derzeit bebaut mit einem Einfamilienwohnhaus, welches seit längerer Zeit leer steht. „Geplant ist es das alte Wohnhaus abzureißen und auf dem knapp 19 Ar großen Grundstück drei Mehrfamilienhäuser mit jeweils neun Wohneinheiten zu errichten“, erklärte Tenzer. Die Wohngebäude sind in dreigeschossiger Bauweise mit Tiefgarage geplant. Ein Aufzug soll den Zugang von der Tiefgarage aus zu allen drei Gebäuden ermöglichen. Es seien verschiedene Dach-Varianten möglich – sowohl ein Flachdach als auch ein Satteldach, je nachdem welches sich besser in die Umgebung einfügen würde. Außerdem sei eine Photovoltaikanlage darauf vorgesehen.
Bei 27 Wohneinheiten wären laut Stellplatzsatzung 54 Stellplätze erforderlich. „In der Tiefgarage können bisher 51 Stellplätze entstehen. Für die noch drei fehlenden Stellplätze werden noch Lösungen gesucht“, erklärte Tenzer weiter. Grundsätzlich erkenne man die akute Wohnraumproblematik und sehe mit dem Bauprojekt eine Chance, junge Erwachsene als auch Senioren bedienen zu können. „Wir haben bereits zahlreiche Anfragen erhalten“, sagte Tenzer.
Drei Wohnblöcke sind miteinander verbunden
Auch könne sich der Investor vorstellen, einen Spielplatz im angrenzenden Park zu errichten, sodass dieser von der Öffentlichkeit genutzt werden könnte.
„Der Baubeginn soll Ende 2024 erfolgen, die Bauzeit beträgt rund 1,5 Jahre“, erklärte Tenzer, beendete damit seine Präsentation und stellte sich den Fragen und Anregungen des Ortschaftsrats – und die hatten einige, größtenteils kritische.
„Ich bin schon sehr irritiert über die Absicht, dass die Gemeinde für ein privates Vorhaben eine Fläche zur Verfügung stellen soll“, sagte Bernd Reinholdt (FW) und sprach damit das Vorhaben des Spielplatzes im Bürgerpark an. Haftungs- und Instandsetzungsfragen würden ihn zum einen interessieren, zum anderen sehe er damit die Schaffung eines Präzedenzfalls. „Da bin ich energisch dagegen.“
Aber auch dem Bauvorhaben auf den 19 Ar sahen die Ortschaftsräte problematisch. „Vorgestellt wird es hier als drei Blöcke, mit 27 Wohnungen. Die Häuser sind aber miteinander verbunden, wir können also von einem einzigen Baukörper sprechen. Da ist dann – auch wenn das hier in der Präsentation schön dargestellt wird – nicht mehr viel Platz für grün“, war sich Peter Heuken (CDU) sicher. Außerdem seien rund 120 Menschen, die dort wohnen würden, zu viel für das Gelände. Dass es „zu viele Menschen auf zu engem Raum“ sind, fand auch Stephan Weis (FW). Er sehe gute Ansätze und er wisse um die Wohnraumsituation, könne aber ebenfalls bei diesem massiven Bauvorhaben nicht mitgehen.
Investor sieht weniger Wohnungen als unwirtschaftlich an
Von einem „Bunker, der nicht in das dörfliche Altenheim passt“, sprach Bernd Uebel (SPD). „Zu viel, zu dicht“, hörte man in den etlichen Wortbeiträgen – unter anderem von Uta Adam (FW), die den konkreten Wunsch äußerte, einen Wohnkomplex weniger umzusetzen. Darauf äußerte sich der Investor selbst sich, der ebenfalls an der Sitzung teilnahm: „Weniger Wohneinheiten, als diese 27 geplanten, funktioniert nicht. Die Investition von rund elf Millionen Euro müssen wir auch bewirtschaften können. Sehen Sie es mir nach. Ich bin da sehr geradeaus. Wir würden gerne mit der Gemeinde arbeiten, wenn diese allerdings nicht will, müssen wir eben mit dem Landratsamt arbeiten. Es kostet schließlich alles Zeit und Geld.“ Empört entgegnete Heuken: „Das Argument nehme ich Ihnen nicht ab. Wenn Sie sagen, es ginge einzig so wie geplant, mit den 27 Wohneinheiten, muss ich sagen, dann geht es eben nicht.“
Sowohl Adam als auch Bettina Dürr (UL) appellierten an den Bauherren, „das hier wirklich als Voranfrage anzusehen“ und die Wünsche und Anregungen mitzunehmen und zu nutzen. „Ich denke, der Tenor ist klar“, so Strosack und stellte dem Planer zwei Varianten zur Verfügung: Entweder es werde über das Bauvorhaben abgestimmt oder die Anfrage wird zurückgestellt – auf letztes wurde sich am Ende geeinigt.
Grundstücksangebot
Während der Sitzung meldete sich ein Bürger, der in unmittelbarer Nachbarschaft zum geplanten Bauvorhaben Grundstück besitzt, zu Wort und bot ein Teil davon dem Investor an – „an zu geringer Grundstücksgröße soll es nicht scheitern“, sagte er. Ob das Angebot angenommen wird, ist offen. In der Gemeinderatssitzung am Mittwoch, 15. November, die um 19 Uhr startet, wird das Vorhaben nochmals vorgestellt.