Mit vielen emotionalen Worten und humorvollen Anekdoten ist Seelbachs Bürgermeister Thomas Schäfer am Freitagabend verabschiedet worden. Für seine 16-jährige Amtszeit fanden Schäfers die viel Lob. Höhepunkt war ein liebevoll produzierter Film der Verwaltung, der für zahlreiche Lacher sorgte.
Verwaltungsmitarbeiter, Gemeinderäte, Bürgermeister der Region und auch viele Seelbacher Bürger – gut 200 Menschen kamen im Bürgerhaus zusammen, um sich von ihrem Chef, Vorsitzenden, Amtskollegen und Bürgermeister zu verabschieden. 16 Jahre hat Thomas Schäfer die Gemeinde Seelbach geprägt. Das wurde an einem kurzweiligen Abend gespickt mit humorvollen und emotionalen Momenten mehr als deutlich.
Für den scheidenden Bürgermeister hatte der Abend viele Überraschungen in petto. Darunter Sebastian Gehring, der als Moderator schwungvoll durch das Programm führte, Bodo Schaffrath, der mehrmals zur Gitarre griff und natürlich einige Abschiedsgeschenke.
Marion Gentges lobt Hartnäckigkeit: Den Reigen der Festreden und Dankesworte eröffnete Justizministerin Marion Gentges. „Es ist dir nie um dich gegangen, sondern immer um Seelbach und um die Menschen“, sagte die CDU-Politikerin an Schäfer gewandt. Dieser habe stets mit großem Fleiß, Ehrlichkeit und Professionalität gearbeitet. „Dadurch war es verdammt schwer, dir irgendetwas abzuschlagen“, erklärte Gentges mit einem Schmunzeln. Dabei sei Schäfer zum Wohle der Gemeinde mitunter sehr hartnäckig gewesen. Viele Projekte habe Schäfer angestoßen und gut bewältigt – allen voran die Sanierung der Ortsmitte und des Rathauses –, auch jene die „nicht auf dem Wunschzettel stehen“. Beispielsweise die Flüchtlingsaufnahme. „Du warst ein sehr verlässlicher Partner und kannst auf 16 Jahre erfolgreiches Wirken zurückblicken“, lobte Gentges.
Pascal Weber wählt persönliche Worte: Als Vertreter der Bürgermeisterkollegen aus dem Umland, von denen einige am Freitagabend gekommen waren, sprach Ringsheims Rathauschef Pascal Weber. Ein sehr passender Laudator, war doch Weber einst neun Jahre Hauptamtsleiter unter Schäfers Führung und der erste, abseits der Familie, den Weber seinen Wunsch mitteilte, in Ringsheim zu kandidieren. „Ich habe dir so viel zu verdanken“, richtete er sich an seinen früheren Chef. „Ich war ungestüm, voller Ideen, nicht immer einfach, aber selbstbewusst“, resümierte Ringsheims Bürgermeister seine Zeit als Hauptamtsleiter. Doch Schäfer habe ihn immer unterstützt und stets gefördert. „Du warst ein klasse Chef, Vorbild, Kollege und Freund“. Auch Weber blickte auf gemeinsam Erreichtes zurück, unter anderen auf die neuen Konzepte für die Freilichtspiele und den Katharinenmarkt. „Nur eines hast du nicht geschafft: Ich kriege zu meiner Katharinenwurst immer noch keinen Ketchup“, neckte er Schäfer humorvoll, was den ganzen Saal zum Lachen brachte, bis Weber noch einmal ernst und emotional wurde: „Ich stehe nur hier, weil ich in dir einen großen Förderer und Ratgeber hatte.“
Alfred Himmelsbach blickt auf Erreichtes zurück: Für alle Gemeinderäte würdigte Alfred Himmelsbach, CDU-Fraktionschef, die 16-jährige Amtszeit Schäfers: „Er war Bürgermeister vom Scheitel bis zur Sohle. Er wollte ganz sicher nicht alles beim Alten lassen, sondern hat Seelbach zu einer lebenswerten Gemeinde entwickelt. Bei Projekten wie der Sanierung des Schwimmbads oder der der Ortsmitte hätten sich die Gemeinderäte oftmals gefragt „Oh je, wie soll das denn gehen?“, doch am Ende seien diese Vorhaben dank Schäfer „hervorragend gelungen“. Natürlich habe es auch einmal Zweifel gegeben, wie bei der Auswahl des Pflasters vor dem Rathaus. Das war aber doch rutschfester als gedacht und beinahe wäre Himmelsbach beim Selbstversuch auf allen Vieren gelandet, schilderte er launig. Wie viele Redner ging auch der Gemeinderat auf Schäfers große Leidenschaft, die Burgruine, ein. Bei Spaziergängen dort habe er den Bürgermeister oft getroffen, der dann stets stolz von den neuesten Maßnahmen erzählt habe. Bei Förderungen von Projekten habe Schäfer „stets bei Fuß“ gestanden. „Es hat mich an die Fabel vom Hasen und dem Igel erinnert. Wann immer der Hase, das Regierunpräsidium, mit einer neuen Förderung um die Ecke kam, konnte der Igel, Thomas, sagen: ,Ich bin schon da.’“, schloss sich Himmelsbach der Reihe an launigen Erinnerungen an.
Christian Vögele dankt im Namen der Vereine: Auf „vielfältige Begegnungen“ mit dem scheidenden Bürgermeister, sei es bei Hauptversammlungen oder Festen, blickte Feuerwehrkommandant Christian Vögele zurück. Er sprach im Namen aller Vereine der Gemeinde und attestierte Schäfer, das tolle, aktive Vereinsleben unterstützt zu haben. Ein eigenes Buch als Geschenk könne leider noch nicht geliefert werden, das werde nachgeholt. Doch Vögele wünschte Schäfer schon einmal alles Gute für die Zukunft. Er solle sich stets „an die schönen Zeiten erinnern“.
Verwaltung setzt mit einem Film den Höhepunkt: Zur großen Überraschung Schäfers und zur Erheiterung des ganzen Saals hatte die Gemeindeverwaltung einen unterhaltsamen Film vorbereitet. Im „Tatort Seelbach“ begab sich Ermittler „Mäx“ Clever auf Spurensuche nach einem ominösen „Ritter“, der überall im Ort seine Spuren hinterlassen haben soll. Diesem wurde vorgeworfen „Dinge angestoßen zu haben“, wie Clever beim Ordnungsamt herausfand. Doch die Ermittlung gestaltete sich schwierig: Die Mitarbeiterinnen in der Verwaltung waren vom „so smarten“ Clever so hingerissen, dass sie sich kaum darauf konzentrieren konnten, Auskunft zu geben. Auch beim Bauhof war der „Ritter“ nicht zu finden, obwohl die Mitarbeiter extra zur Schaufel griffen. Auch die Kindergartenkinder konnten mit dem Abbild nichts anfangen. Und wenn mal doch eine Gruppe den Herrn mit dem Helm und dem Bart gesehen haben wollte, deuteten die Zeugen in die unterschiedlichsten Richtungen. Clever jedoch gab nicht auf. Im Rathaus schließlich stellte er den „Verantwortlichen“ und enthüllte – wenig überraschend – Thomas Schäfer als „Ritter Löwenherz“.
„Er hat viele Ideen und Visionen realisiert“, bilanzierte Kämmerer Wolfgang Mech in seinen Dankesworten Schäfers Amtszeit. Doch die Mitarbeiter hätten auch Raum für eigene Akzente bekommen und Schäfer sei stets offen für Ideen und Ratschläge gewesen. Bei Abschieden und Jubiläen habe er immer „passende und lobende Worte gefunden“. Mech wünschte seinem Ex-Chef nun, mehr Ruhe bei den Unternehmungen zu finden.
Thomas Schäfer verabschiedet sich emotional: Sichtlich gerührt trat Thomas Schäfer ein letztes Mal als Bürgermeister auf die Bühne im Bürgerhaus seines „Marktflecken Seelbach“, wie er die Gemeinde oft nannte. „Der Abend hat mir sehr gut getan. Er hilft mir, Abschied zu nehmen. Ich hab noch nie eine so große öffentliche Wertschätzung erfahren“, bedankte er sich bei allen Laudatoren. Schäfer wird sich noch nicht ganz zur Ruhe setzen, sondern künftig halbtags im Sozialbereich des Landratsamts arbeiten, kündigte er an. Vor allem galt sein Dank aber seiner Familie – Ehefrau Sigrid und den beiden Töchtern Eva und Johanna. „Ich habe zu Hause bestimmt nicht immer alles richtig gemacht, muss ich gestehen“, bekannte Schäfer. „Aber ihr habt mich immer unterstützt.“ Für alle drei hatte er einen Blumenstrauß parat.
Besonders herzlich verabschiede sich Thomas Schäfer von seiner langjährigen persönlichen Mitarbeiterin, Elke Albrecht-Pelz. Mit ihr sei über die Jahre eine Freundschaft entstanden und Albrecht-Pelz habe nicht nur ihn unterstützt – und auch den ein oder anderen Tipp gegeben und ermutigt – sondern auch die Verwaltung nach vorne gebracht. Auch sie erhielt Blumen, bevor Schäfer selbst allen Wegbegleitern und der gesamten Gemeinde „viel Glück und Gottes Segen“ wünschte. Die Anwesenden Gäste dankten es ihm mit „Standing Ovations“. Gänsehautstimmung.
Nachfolger wird vereidigt
Der scheidende Bürgermeister Thomas Schäfer richtete auch einige Worte an seinen Nachfolger, Michael Moser. „Es ist nun an Ihnen, Herr Moser, diese Schritte weiterzuführen“. Die Redner waren sich sicher, dass Moser eine funktionierende Verwaltung vorfindet. Moser tritt sein Amt am heutigen Montag an und wird ab 19 Uhr im Rahmen der Gemeinderatssitzung im Bürgersaal im Rathaus vereidigt und verpflichtet. Dazu lädt die Gemeinde alle interessierten Bürger ein.