Niederwasser - Den Bahnhof Niederwasser gibt es nicht mehr. Schon lange fand dort kein Zughalt mehr statt und auch seine Bedeutung als Stellwerk für die Bedienung von Weichen und Schranken auf diesem Streckenabschnitt hatte er längst eingebüßt. Die "Schieflage" einer Mauer des alten Bahnhofsgebäudes wurde kürzlich als Gefahr für den Zugverkehr erkannt und deshalb der Abbruch des Bahnhofs als dringend erforderlich eingestuft. Vorübergehend wurde eine Geschwindigkeitsbegrenzung der Züge auf diesem kurzen Teilstück der Schwarzwaldbahn angeordnet, damit der Einsturz des Gebäudes nicht durch Vibrationen provoziert wird.

Nachdem der Abriss schon mehrfach vorgesehen war, wurde der 20. Dezember als neuer Termin genannt. Tatsächlich rückte nun am Donnerstag ein Bagger an und um 23 Uhr wurde – nach dem letzten Güterzug – mit dem Abriss begonnen. Die Gefahrenstelle ist damit beseitigt und der Zugverkehr kann wieder normal "laufen". Weitere Arbeiten an dem in einem doch recht exponierten Gelände gelegenen Objekt sind dem Vernehmen nach im Frühjahr 2013 vorgesehen.

Beim Bahnhof von Niederwasser handelte es sich um ein sehr altes Gebäude, das vermutlich zeitgleich mit der Inbetriebnahme der Schwarzwaldbahn entstand. Wie sich ältere Mitbürger aus Niederwasser noch erinnern, war neben dem durch Personal bedienten Stellwerk noch ein Wartesaal vorhanden und der Bahnhof hatte – ehe der Individualverkehr sich entwickelte – auch eine bemerkenswerte Frequentierung. Nicht nur Einwohner von Niederwasser benutzten den Zughalt dort, sondern auch Bewohner des nahen Schonacher Raumes. Ortsvorsteher Bernhard Dold berichtet, dass in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts hier viele Erwerbstätige aus der Raumschaft einstiegen, die täglich mit der Bahn nach Triberg zur Arbeit fuhren.

Letzte diensthabende Bewohnerin des Bahnhofsgebäudes war Marie Müller. Sie betreute Stellwerk und Schranken und hatte dort ihre Dienstwohnung. Nach der Elektrifizierung der Schwarzwaldbahn und Aufhebung des Zughalts in Niederwasser wurde der Bahnhof zum Verkauf ausgeschrieben.

Es folgten wechselnde Besitzverhältnisse, als letzter Eigentümer wird der Freistaat Bayern genannt.