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Hausach Kein Bier für die Feinde des Euro?

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Am 20. April plant die AfD eine Veranstaltung im Landhaus Hechtsberg. Die Betreiber, die Familie Kühn, sagten sie ab. Foto: Archiv

Für die einen ist die AfD eine Euro-Protest-Bewegung, für den SPDler Dieter Müller sind AfD-Anhänger die neuen Rechten. Der Hornberger will wegen einer AfD-Versammlung nun den Landhaus Hechtsberg boykottieren. Das Datum der Veranstaltung ist pikant.

Hausach/Hornberg. Müller ist Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Hornberg und Ortsverbandsvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds Ortsverband Gutachtal-Kinzigtal. Künftig will er Lokale der Region boykottieren, welche den Alternativen eine Plattform zur Öffentlichkeit und zur Selbstdarstellung bieten. Das kündigt er in einem Brief an, der an die Kreisvorstände der SPD Ortenau, des Schwarzwald-Baar-Kreises sowie an die Bundestagsabgeordnete Elvira Dobrinski-Weiß beziehungsweise die Vorstände der Ortsgruppen Wolfach, Gutach und Hausach verschickt wurde. Auch das Landhaus Hechtsberg in Hausach und der Brauereigasthof Brandeck in Offenburg erhielten das Schreiben.

Der Grund: Auf der Facebook-Seite "AfD-Freunde Kinzigtal" wird am 20. April zu einer Veranstaltung mit dem Titel "AfD auf Tour – Der Kreisverband Ortenau stellt sich vor" in den "Hechtsberg" eingeladen. Dass der 20. April 2017 Adolf Hitlers 128. Geburtstag gewesen wäre, wissen selbst historisch Ungeübte. Eine Aktion, von der sich Gastronom und Hechtsberg-Betreiber Bernhard Kühn distanziert: "Die Veranstaltung wird natürlich abgesagt", so der Wirt des Hauses.

Veranstaltung abgesagt

Zwar habe sein Lokal den Termin zuerst bestätigt, ohne sich allerdings bewusst zu sein, wer genau reservierte und dass man einem Zusammenhang der Veranstaltung mit dem Datum interpretieren könnte. "Die Terminierung ist irgendwann in der Mittagspause passiert und im allgemeinen Geschäftstrubel wohl irgendwie untergegangen, sonst hätte ich es schon an Ort und Stelle verhindert", berichtet Kühn auf Anfrage des Schwabo. Der Boykott-Brief habe ihn nicht erreicht, allerdings ist dieser mit dem Datum des 31. März’ beziffert, was diese Tatsache erklären könnte.

In dem Schreiben hatte das Fraktionsmitglied bekundet, das Lokal nicht mehr betreten zu wollen, sollte dort noch weiterer Freiraum für die Veranstaltungen der AfD gegeben sein. Der mit "Wehret den Anfängen" abgeschlossene Brief beinhaltet zudem die Aussage, Müllers Familie hätte unter dem NS-Regime gelitten. Dass der Krieg kein Abenteuerspielplatz, sondern ein Szenario voller Angst und Schrecken ist, nutzt Müller dabei als Argument für seinen Feldzug: "Mein Onkel ist im zweiten Weltkrieg gefallen, mein Vater wurde verwundet, unzählige Kinder wurden gewaltsam ihrer Jugend beraubt", sagt Müller, der es zudem als völlig inakzeptabel erachtet, Hitlers Geburtstag in irgendeiner Weise zu zelebrieren, noch diesem makaberen Datum den Anlass zu einem Stammtisch zu geben.

Dass die Demokratie auch die Freiheit des Andersdenkenden ist, findet hingegen Thomas Kinzinger, Sprecher des AfD-Kreisverbands Ortenau. Er sagt: "Müller bekämpft uns mit den gleichen Methoden, die er offiziell verurteilt." Und auch wenn die Alternativen derzeit vornehmlich durch die zahlreichen inneren Diskrepanzen von sich Reden machen, so wäre die Anti-Euro-Fraktion immer noch eine demokratisch gewählte Partei wie alle anderen auch.

"Demokratisch gewählt"

Dem setzt Kinzinger noch einen drauf, indem er bemängelt: "Wenn die AfD die anderen Parteien mal zum offenen Diskurs einlädt, dann kommt so gut wie keine Resonanz."

Schade findet das auch Heiko Henninger, Betreiber der Brauereigaststätte Brandeck, der ebenfalls eine Boykotterklärung von Müller erhalten hat. Dort sollte laut dem Brief am 11. Januar ein AfD-Stammtisch stattfinden. Müller bekundete daraufhin, nicht nur sämtliche Veranstaltungen innerhalb des Offenburger Brandecks zu unterlassen, sondern aus Protest auch das dort hergestellte Kronenbier "nicht mehr zu trinken." Dieses Verhalten Müllers kann Henninger nicht nachvollziehen: "Bei mir bekommen alle Parteien ein Forum: Von linksgrün bis blau-rot", so der Offenburger Gastronom, der auch gerne betont, jede Menge Angestellte mit Migrationshintergrund – Inder, Tunesier, Russen, Polen – bei sich zu beschäftigen.

Ebenso friedlich wie dieses interkulturelle Miteinander würden auch die Veranstaltungen der AfD ablaufen, zu denen noch nie irgendwelche glatzköpfigen Schlägertrupps erschienen seien. In diesem Zusammenhang unterstreicht Kinzinger die Distanz seiner Partei zur NPD und zur NSDAP, wohingegen Müller mit dem Argument kontert, dass auch "die Nazis einstmals demokratisch gewählt wurden."

Rückendeckung erhält Müller in Bezug aus den eigenen Reihen: So bekräftigt die Hausacher SPD-Gemeinderätin Brigitte Salzmann ihren Genossen, dass keine öffentlichen Plattformen für "Demokratie-gefährdende Parteien" geschaffen werden dürften. Der Stammtisch vom 20. April wäre eine Provokation, die so nicht hinzunehmen sei, sagt sie.

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