Haslach i. K. "Ich bin traurig und erschrocken"

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Der Terroranschlag in Istanbul am Dienstag, bei dem deutsche Touristen ums Leben kamen, erschüttert die Menschen. Vor Ort gibt es vielfältige Formen der Anteilnahme. Foto: Suna

Haslach - Der Terroranschlag in Istanbul am Dienstag, bei dem deutsche Touristen ums Leben kamen,  erschüttert  die Menschen. Vor Ort gibt es vielfältige Formen der Anteilnahme.

In Haslach gibt es eine muslimische Gemeinde, viele türkische Bürger pflegen  Kontakte in ihre alte Heimat. Der SchwaBo hat mit Binnur Aksu gesprochen, die seit seit sieben Jahren Dialogbeauftragte für interkulturelle und interreligiöse Zusammenarbeit ist. Die 45-jährige verheiratete Mutter zweier Kinder arbeitet  in Haslach und lebt seit ihrem sechsten Lebensjahr in Deutschland.

Frau Aksu, was denken Sie angesichts des Terroranschlags am Dienstag mitten in Istanbul?

Als ich das gehört habe, war ich traurig und erschrocken und dachte, kann das nicht endlich ein Ende haben? Ich habe mir gewünscht, dass wir Menschen miteinander in Frieden leben können, ohne uns gegenseitig zu bekämpfen.

Was ist das für ein Platz, auf dem sich der Attentäter in die Luft sprengte und andere Menschen mit in den Tod riss?

Das ist ein sehr belebter Platz, auf dem die Sultan Ahmet Moschee steht. Dort kommen viele Menschen zusammen, Touristen und Einheimische, um die Sehenswürdigkeiten zu besichtigen.

Lässt es sich auch nur annähernd nachvollziehen, was in einem solchen Menschen vorgeht?

Nein, in meinen Augen ist das nicht mehr normal.

Haben Sie Verwandte und Freunde in Istanbul oder anderswo in der Türkei?

Mein Mann und ich haben viele Verwandte in der Türkei, auch in Istanbul, wo mein Mann herkommt.

Der türkische Präsident Erdogan sagt, der Attentäter sei ein 28-jähriger Syrer gewesen, der vor kurzem in die Türkei eingereist sei. Könnte dies das Bild von den syrischen Zuwanderern negativ beeinflussen?

Das könnte ich mir vorstellen, ich glaube auch, dass der türkische Staat jetzt stärkere Kontrollen machen wird.

Wie funktioniert der Dialog zwischen Muslimen und Christen hier in Haslach?

Meiner Meinung und Erfahrung nach läuft es hier sehr gut. Natürlich gibt es hin und wieder Meinungsverschiedenheiten, aber durch den Dialog vor Ort können die gelöst werden. Wir sprechen miteinander.

Besuchen die vielen muslimischen Flüchtlingen, die zurzeit ins Kinzigtal kommen, die Moschee in Haslach?

Ich selbst habe sie noch nicht persönlich kennengelernt, aber mein Mann sagt, dass viele zum Freitagsgebet in die Moschee kommen.

Haben Sie im Moment Kontakt nach Istanbul? Herrscht dort jetzt die Angst?

Die Familie meines Mannes lebt in Istanbul – wegen der Ereignisse dort sind sie natürlich beunruhigt.

Sie sind eine der Dialogbeauftragen der Haslacher Moschee: Kommen Menschen auf Sie zu, die Angst vor terroristischen Anschlägen auch hier in der Gegend haben?

Ganz direkt ausgesprochen wurde das bisher von niemandem. Aber ältere Menschen machen zuweilen Andeutungen in diese Richtung.

In Deutschland kann man frei leben. Gilt das auch für die Muslime, die Sie kennen und betrifft das alle Altersgruppen?

Es ist immer die Frage, was man unter »frei leben« versteht. Deutschland hat natürlich seine Gesetze, und jeder, egal welcher Herkunft, sollte sie befolgen.

Würden Sie selbst im Moment nach Istanbul fliegen oder Urlaub in der Türkei machen?

Schon, denn wir wissen ja nicht, wann und wo etwas passieren wird.

Was würden Sie jungen Männern sagen, die mit extremen religiösen Ideen auf Sie zukommen?

Das  hinge von den Fragen und Ideen ab. Wenn die Fragen für mich  keinen Sinn hätten, dann würde ich mich nicht einmal dazu äußern. Ich denke, junge Menschen sollten Perspektiven und Lebensziele haben, sollten sich grundsätzlich etwas aufbauen wollen.

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