Gutach - Der Gutacher Kunstverein nahm den Vorabend des ersten Advent zum Anlass, in der katholischen Kirche die Gedächtnisausstellung des Schwarzwaldmalers Curt Liebich zu eröffnen.Nach der musikalisch festlichen Begrüßung durch Odile Meyer-Siat (Violine) und Wilfried Busse (Klavier) mit Stücken von Claudio Monteverdi und Pandolfi Mealli hieß Vorsitzender Jean-Philippe Naudet die zahlreich erschienenen Gäste willkommen. "Um diese Ausstellung anlässlich des 75. Todestages von Curt Liebich einzurichten, hat das Kuratorium monatelang mit Georg Liebich zusammen gearbeitet", sprach Naudet dem anwesenden Enkel des Künstlers und Kuratoriumsmitglied Willy Scheurer seinen besonderen Dank aus.

Bürgermeister Siegfried Eckert unterstrich in seinem Grußwort die Gabe der Kunst, die Wahrnehmung für die kleinen Dinge zu schärfen in einem Alltag, der von moderner Sachlichkeit beherrscht werde. Kenntnisreich und humorvoll beleuchtete Ansgar Barth Lebensstationen und Schaffen Curt Liebichs. Als Sohn eines königlich-preußischen Beamten sei Curt Liebichs Kindheit und Jugend von zahlreichen Ortsveränderungen geprägt gewesen.

Weder die vorgesehene Offizierslaufbahn noch die Aussage eines Gymnasiallehrers, dass er "wohl nie zeichnen lerne" verunsicherten Liebich. Er absolvierte ein Kunststudium in Dresden, Berlin und Weimar. Bald schloss er sich den "Freilichtmalern" an, einer künstlerischen Bewegung der impressionistischen Richtung, die in frischen, kräftigen Farben die Natur abbildete. Anders als die Zeitgenossen Wassily Kandinsky und später August Macke, die sich hin zum Expressionismus und zur Abstraktion entwickelten, blieb Liebich der Landschaft und seiner Kunstauffassung treu.

Nach Gutach kam der Künstler 1891, um Wilhelm Hasemann, dem anderen Namensgeber des Museums, Grüße aus Weimar zu überbringen. Bei diesem Besuch lernte er seine spätere Ehefrau Antonie Lichtenberg kennen. Liebich hinterließ ein wahres Füllhorn an künstlerischem Schaffen, teilweise gefärbt von der Notwendigkeit des Broterwerbs. Buchillustrationen, die Gestaltung von Einbänden und eine umfangreiche Künstlerkartenproduktion, die das Gutachtal weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt machte, dienten ebenso zur Existenzsicherung wie Werbegrafik für Firmen.

Im Spätwerk des Künstlers nahm die bildhauerische Gestaltung größeren Raum ein wie etwa das Kriegerdenkmal in Gutach. Entgegen der damaligen Heldendarstellung wählte Liebich einen Granitsockel, auf dem eine trauernde Frau in Tracht sitzt. Seinerzeit war die Idee nicht unumstritten, wie Ansgar Barth in seiner Laudatio darlegte. Um Spender und Sponsoren anzusprechen, wurde der Entwurf in der Kirche vorgestellt und einer der Kirchgänger sagte: "Wenn e Wiib da druff kommt, gib ich nix her". In der sehenswerten Ausstellung sind Stadtansichten wie beispielsweise von Schramberg und Porträtgemälde in großer Zahl zu bewundern.

Schwarzwälder Trachten-, Brauchtums- und Lebenswelt sind in kraftvollen Farben dargestellt. Zauberhafte Landschaften wie die "Ginsterblüte", entstanden 1921 auf dem Landwassereck, und anmutige Schwarzwaldmädchen mit unergründlichem Blick schlagen ein Brücke von "Gestern" zum "Heute" und vermitteln dem Betrachter ein Gefühl der Zeitlosigkeit.

Weitere Informationen: Die Ausstellung ist bis Sonntag, 6. Januar, im Museum Hasemann-Liebich in Gutach zu sehen. Sie ist sonntags, mittwochs und feiertags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Sonderöffnungszeiten sind nach Vereinbarung mit dem Kunstverein möglich.