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Gutach "Cloaca" als Ort der Offenbarung

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Musikalisch stimmig eingefasst wurde die Lesung von "Primavera", einem Ensemble der Musikschule Offenburg. Foto: Jehle

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Eine kurzweilige und interessante Lesung über die Reformation und Martin Luther haben zahlreiche Zuhörer im Foyer des Freilichtmuseums Vogtsbauernhof erlebt. In zwölf Kapiteln näherte sich Pfarrer Hans-Michael Uhl der vielschichtigen Persönlichkeit des Reformators an.

Gutach. Eingebettet war der Vortrag in ein Zeitgemälde der vielfältigen Umbrüche in der Renaissance. Zehn zeitgenössische Melodien wie "Fort seulement" von Mattheus Pipelare harmonierten thematisch großartig mit dem vorgetragenen Text.

Schon bei den einleitenden Worten Uhls über die "zwei Seelen ach in seiner Brust" wurde das widersprüchliche Wesen Luthers deutlich: "Da ist der von Selbstzweifeln zerfressene demütige Klosterbruder, aber auch der über alle Zweifel erhabene prophetische Gottesmann." Im ersten Kapitel der Lesung führte Uhl die Zuhörer in das mittelalterliche Wittenberg, wo Luther lebte und wirkte. Der landwirtschaftlich geprägte Flecken profitierte damals von dem Entschluss des sächsischen Fürsten, sich dort niederzulassen. Die Stadt war laut Uhl zu jener Zeit ein überschaubares "Tohuwabohu" in jeder Hinsicht.

Neben der humanistischen Vernunft und der tief ausgeprägten Gottesfurcht existierte ebenso der Glaube an das leibhaftige Böse. Auch für Luther war es selbstverständlich, den Teufel als Urheber mannigfaltiger Plagen zu sehen. Dazu gehörten unter anderem seine ausgeprägten Verdauungsstörungen und von Uhl rezitierte deftige Anekdoten riefen etliche Lacher im Publikum hervor. Kaum wundert´s, dass Luthers grundlegende theologische Einsichten wohl auf der Toilette vonstatten gingen. Freimütig habe er, so der Referent, die "Cloaca" als Ort der Offenbarung genannt.

Unkonventionell auch Uhls Schilderung der berühmten historischen Begegnung 1521 zwischen Luther und dem Kaiser bei dem Reichstag zu Worms und deren Folgen. Kapitel VII und VIII der Lesung zeigten den passionierten Ehemann und liebevollen Vater, der er war – ungeachtet seines oft beschriebenen unbelehrbaren sexistischen Frauenbilds. Verschwiegen wurden auch nicht in der Lesung fatale Äußerungen des Reformators hinsichtlich Hexen, Juden und Türken sowie der Bauernaufstände. Fatal auch deshalb, weil auf das Wort des inzwischen zum Medienstar avancierten Luther gehört wurde.

Neben diesen dunklen Aspekten seiner Persönlichkeit gab es aber auch einen musischen und geistreichen Luther. Einen, der außerordentliche Sprachkunst besaß und das Lautenspiel liebte.

Entgegen der Behauptung seiner Gegner, er sei des Teufels und von ihm geholt worden, fand Luther einen sanften Tod. Auch die sechs Kinder, die aus der Ehe mit der entlaufenen Nonne Katharina von Bora hervorgingen, waren gesund.

"Das war von enormer Bedeutung für den weiteren Verlauf der Reformationsgeschichte," unterstrich Uhl im Hinblick auf das damalige Weltbild. Der christliche Glaube sei durch Luther wieder vielen zugänglich geworden.

Er sei ein Kind seiner Zeit gewesen – kein Revolutionär, sondern einer, der sich Ordnung wünschte und das zwischen Genie und Wahnsinn. Mit lang anhaltendem Applaus bescheinigte das Publikum dem Referenten einen sehr gelungenen Abend. Thomas Hafen, wissenschaftlicher Leiter des Freilichtmuseums, der bereits eingangs die Gäste begrüßt hatte, dankte Hans-Michael Uhl für die Lesung.

Er habe aufgrund seiner Gabe "Literat, Historiker und eine Prise Schauspieler" zu vereinen, dem Publikum zwei schöne Stunden beschert. Musikalisch stimmig eingefasst wurde die Lesung von "Primavera", einem Ensemble der Musikschule Offenburg.

 
 

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Eckhard Gräff

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