Nordische Kombination in Seefeld
: Nathalie Armbruster – ist sie in Gefahr?

Am Wochenende hat Nathalie Armbruster beim Seefeld-Triple der Frauen den fünften Platz erreicht – trotz der Nachwirkungen eines Infekts. Aber war der Start wirklich sinnvoll?
Von
Peter Flaig
Oberndorf
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Mit den Nachwirkungen eines Infekts in Seefeld am Start: Nathalie Armbruster wollte auf das Highlight nicht verzichten.

Hendrik Schmidt/dpa

Eine kleine Rückblende: Nathalie Armbruster liegt im Schnee und bewegt sich nicht. Sie ist mitten im Rennen umgefallen, dreht sich zur Seite, und endlos lange Sekunden ist nicht klar, was mit ihr los ist.

Die Uhr tickt, Nathalie Armbruster liegt da. Bis wieder Leben in ihr erwacht, sie sich aufrappelt, sich einen neuen Stock geben lässt, weil ihr alter gebrochen ist, und sich aufmacht in Richtung Ziel.

Viele Zuschauer fragen sich: Warum hat sie niemand daran gehindert weiterzumachen?

Der 19. Dezember 2025

Es ist der 19. Dezember 2025, an dem nicht nur die Fans die Luft anhalten. Der Zusammenbruch beim zweiten Rennen im österreichischen Ramsau. „Der Körper hat alles zugemacht. Ich wollte laufen, aber es ging nicht mehr, es ging kein Schritt mehr. Ich bin irgendwie in mir zusammengesackt und habe mir gedacht, das war jetzt das Ende“, berichtete die Freudenstädterin später.

„Die Nathalie war im Vorfeld nicht ganz fit und hat sich auf der Strecke schwergetan“, meinte Bundestrainer Florian Aichinger, „dann kommt einfach irgendwann der große Knall.“

Gesundheit ständig gecheckt

Und Teamarzt Lukas Pecher ergänzte: „Nathalie hatte nach immer wiederkehrenden Infekten im Vorfeld einen Kreislaufzusammenbruch.“ Den Vorfall ordnete er als nicht so gravierend ein, denn: „Sie konnte sich an alles erinnern und wollte unbedingt noch ins Ziel laufen.“ Und ein Gesundheitscheck ergab keine Auffälligkeiten.

Grenzwertige Belastung

Am Wochenende war die 20-jährige Gesamtweltcupsiegerin beim Seefeld-Triple am Start. Drei aufeinanderfolgende Tage auf einer schweren Strecke mit der absoluten Grenzbelastung an Tag 3: 7,5 Kilometer höllisches Tempo statt wie normal nur fünf. Zu viel für Ronja Loh: Mannschaftsarzt Lukas Pecher erteilte ihr Startverbot, weil sie Vorzeichen eines Infekts zeigte.

Infekt mit langen Folgen

Und Nathalie Armbruster litt hörbar unter den Folgen eines Infekts, der ein Training im Vorfeld unmöglich gemacht hatte. Die Sommer-Grand-Prix-Siegerin selbst berichtete nach Tag 3, dass sie nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte war: „Ich habe gemerkt, dass die Lunge so ein bisschen verschleimt war. Ich habe ein paarmal versucht zu husten, es irgendwie loszuwerden, aber das hat leider nicht geklappt.“

Experten raten: Kein Sport bei einem Infekt!

Ist es sinnvoll, unter diesen Bedingungen sich einer solchen extremen Belastung zu stellen? Nathalie Armbruster steht unter ständiger ärztlicher Kontrolle, aber Professor Dr. med. Joachim Lasch von der Hochschule Fresenius in Köln sagt im Interview mit envivas: „Ist unser Immunsystem mit dem akuten Kampf gegen einen Erreger bereits stark beschäftigt, dann setzt der Sport uns noch mal stärker unter Stress.”

Das heißt: Ist der Körper mit dem Kampf gegen Erreger beschäftigt, und „ich packe noch einen Stressor drauf“, dann, so Professor Dr. Othmar Moser von der Uni Bayreuth, „potenziert sich die schädliche Wirkung für unseren Körper“.

Die Tür ist offen für andere Krankheiten

Es kommt zum sogenannten „Open Window“-Effekt. Moser: „So lange ich im Körper eine Inflammation habe, beschäftigt sich mein Körper mit dem Haupterreger – und lässt andere Viren oder Bakterien zunächst unbeachtet.“

Kein Risiko eingehen!

Das heißt: Andere Krankheiten haben freie Bahn. Genau deshalb sollte sich kein Freizeitsportler, der nicht unter ständiger Kontrolle steht, mit einem Infekt oder deren Nachwirkungen intensiven sportlichen Belastungen aussetzen. Allenfalls leicht zu joggen, ist bei geübten Personen erlaubt.

„Von jeder Art der höheren Intensität ist abzuraten, bis ich mich vom Infekt wieder erholt fühle“, mahnt Moser. Latsch weiß, dass früher Sportler sogar mit erhöhter Temperatur unter 38 Grad in den Wettkampf geschickt wurden: „Davon sind wir heute abgerückt.“

Eine Herzmuskelentzündung droht

Es droht eine Myokarditis, eine Herzmuskelentzündung, die „jedem bei einer Infektion unterkommen kann“, so Moser.

Nathalie Armbruster unter Kontrolle

Nathalie Armbruster steht natürlich unter Dauer-Überwachung, so wie in Ramsau: „Wir haben sie gestern Abend sowie heute erneut gründlich durchgecheckt und medizinisch untersucht; dabei war alles unauffällig. Sie fühlt sich gut und möchte heute das Rennen bestreiten. Aus medizinischer Sicht spricht nichts dagegen“, sagte Teamarzt Lukas Pecher.

Der Start am Wochenende in Seefeld nach dem Infekt von Oberhof hat gezeigt, dass sie nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte war und dennoch ihre medizinischen Werte in Ordnung waren. Trotzdem: Dieses Highlight wollte sie sich – bei dem doch eher nicht so prallen Wettkampfkalender („Schade, dass wir nicht mehr so viele Wettkämpfe haben“ – Nathalie Armbruster im ZDF) nicht entgehen lassen. Und dafür ging sie ins Risiko.

Teamarzt als Lebensversicherung

Ihre Lebensversicherung heißt Lukas Pecher: „Wir behalten sie genau im Blick – denn Gesundheit ist nicht verhandelbar.“

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Freitag um 12.00 Uhr
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