Nordische Kombination in Seefeld: Nathalie Armbruster kämpft wie eine Löwin

Das war anstrengend: Trotz ihres Infekts zog Nathalie Armbruster das Tempo auf der Fünf-Kilometer-Runde durch.
Barbara Gindl/APA/dpaGehandicapt auf Platz 4 im ungeliebten Massenstart – Nathalie Armbruster wusste nicht so recht, ob sie sich freuen oder ärgern sollte. „Natürlich ist es immer so ein bisschen ein undankbarer Platz“, gab sie zunächst im ZDF zu.
Mit ein wenig Abstand überwog aber doch das positive Gefühl, trotz des grippalen Infekts, der sie seit eineinhalb Wochen, seit dem Weltcup in Oberhof, bremst, nicht weit weg zu sein von der Spitze.
„Ja, also ich bin sehr, sehr zufrieden. Vor allem nach dem, mit welchen Erwartungen ich hier reingegangen bin“, erklärte sie. Aber natürlich ärgerte sie ein wenig, dass sie den Patzer von Ida Marie Hagen nicht nutzen konnte.
Ida Marie Hagen patzt
Die hatte nämlich keinen guten Tag auf der Schanze, nachdem sie den Lauf wieder einmal deutlich gewonnen hatte. So fand Nathalie Armbruster – letztes Jahr die „Königin von Seefeld“ – für ihr Fazit auch nur das Wort „zufriedenstellend“.
Platz 3 nicht weit weg
Lediglich fünf Punkte fehlten der amtierenden Gesamtweltcupsiegerin auf ihre wahrscheinliche Nachfolgerin Hagen, die beim überraschenden ersten Weltcupsieg der Amerikanerin Alexa Brabec nur Dritte wurde.
Ebenfalls überraschend: Nathalie Armbrusters Freundin Ema Volavsek (Slowenien) gelang ein überragender Sprung – und mit Platz 2 das erste Weltcup-Podest seit fünf Jahren. „Ich freue mich sehr für Ema, die heute endlich mal wieder auf dem Podium gestanden ist. Das hat sie sich echt verdient“, jubelte die 20-Jährige mit Volavsek wie die Norwegerinnen mit Brabec – die US-Springerin trainiert wie ein Teammitglied mit den Skandinavierinnen.
Gedanken an Olympia
„Das ist echt total cool, mal jemanden zu haben von einem anderen Kontinent, der jetzt da schon die ganze Saison mitmischt“, dachte Nathalie Armbruster, für die die Saison mit Zusammenbruch und Disqualifikation bisher nicht optimal verlief, sofort an das Thema Olympia , „das ist sicherlich gut auch für unsere Sportart.“
Wink ans IOC
Für eine Aufnahme der Frauen ins Programm für 2030 ist sie zwar skeptisch. „Ich will nicht zu viel Hoffnung haben, weil ich nicht enttäuscht werden möchte“, sagte die Sommer-Grand-Prix-Siegerin, aber: „Ich denke, es gibt nur eine richtige Entscheidung, wenn man sich hier die Wettkämpfe anschaut.“
Start bis zum Schluss unsicher
Sie selbst lieferte eine tolle Leistung ab, wenn man bedenkt, dass ihr Start bis zum Donnerstag noch nicht einmal sicher war. „Zum Schluss hin habe ich dann schon gemerkt, dass die Lunge noch nicht ganz so frei ist, wie ich das gern hätte“, berichtete sie. Aber: „Ich hab’s, ehrlich gesagt, noch schlimmer erwartet.“
Teamarzt bremst den Ehrgeiz
Ihre Taktik im Rennen hatte sie aber natürlich in Absprache mit Trainer und Teamarzt an den Infekt („ganz schön hartnäckig, das Zeug“) angepasst. „Ich hab mir heute vorgenommen, es nicht zu überstürzen, und ich bin’s heute wirklich ruhig und kontrolliert angegangen. Es war natürlich schön, wenn man dann mal kurz hinter jemandem herlaufen kann“, gab sie zu.
Probleme auf der Schanze
Vor dem Springen hatte die Kombiniererin noch gehofft, dass „über Nacht noch was in meinem Hirn passiert ist“ und „ich heute jetzt mal die Kante treffe“. So ganz klappte das nur im Probedurchgang, aber als es darauf ankam, lief es mit 93,5 Metern nicht so rund. „Ich denke, ich kann besser springen, als ich es heute jetzt im Wettkampfsprung gezeigt habe“, meinte sie achselzuckend.
Für die folgenden Wettkämpfe am Samstag (Individual Compact 10:15 Uhr Springen/ 14:45 Uhr fünf Kilometer) und Sonntag (gleiche Zeiten, aber 7,5 Kilometer) ist sie gedämpft optimistisch, denn: „Ich hab’s natürlich gemerkt, dass ich nicht zu hundert Prozent fit bin.“ Aber: „Ich hoffe, das war heute jetzt so ein Durchputzer für die Wettkämpfe morgen und übermorgen.“
