50 Jahre Albstadt
: Was haben eigentlich die von der Stadt so gemacht? – Die Fotos verraten es

Der gefragteste Mann beim Stadtfest „50 Jahre Albstadt“ war der Oberbürgermeister. Er erwies sich als erster Diener seiner Stadt und servierte Torte. Und sonst so?
Von
Karina Eyrich
Oberndorf
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Für die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (Zweite von rechts) ist ein Besuch in Albstadt immer gut: Dort erfährt sie, wo’s lang geht Richtung Zukunft! Da kann Europaabgeordneter Norbert Lins (Zweiter von links) nur staunen!

Gustav Kaul

War das nun Arbeitszeit oder Freizeit? Drei Abende (und Nächte!) sowie drei Tage lang hat das Stadtfest „50 Jahre Albstadt“ gedauert, und gefühlt die gesamte Stadtverwaltung war unterwegs zwischen Hof und Bürgerturmplatz, zwischen Oberer und Unterer Vorstadt.

Schließlich gab es gut zu tun. Besonders schwer dürfte es Oberbürgermeister Roland Tralmer und Kulturamtsleiter Martin Roscher gefallen sein, die Messer zu wetzen. Tralmer ist gelernter Rechtsanwalt und hat persönlich etwas gegen Gewalt. Roscher ist Katholik, und die sind seit Papst Leo XIV. bekanntlich noch viel friedfertiger als ohnehin schon: „Der Friede sei mit Euch allen“, hatte der Missionar bei seinem Amtsantritt den Menschen zugerufen.

Manchmal kommt es doch auf die Größe an

Tralmer musste nicht rufen „Ich erkläre das Stadtfest für eröffnet!“, sondern nur mit der scharfen Schneide ran: Eine so große Torte hat Albstadt wohl schon lange nicht mehr gesehen.

Wie kann man das denn einer Sahnetorte antun?

Wie um Himmels Willen kann man denn eine Sahnetorte in die pralle Sonne vor die Bühne stellen, bis alle ihre Reden geschwungen haben? Das mögen sich die Hausfrauen und Zuckerbäckerinnen im großen Publikum bei Festakt vermutlich gefragt haben, als sie das Prachtstück – von der Sonne beschienen – erblickt haben.

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Allerdings bestand nicht die geringste Gefahr, dass die süße Sünde sich in der Julihitze auflöst: Sie bestand aus unempfindlich-lockerem Biskuit, und der Überzug war aus Fondant, einem süßen und ziemlich widerstandsfähigem Zuckerguss, der nur von weitem aussieht wie Sahne.

Die legitime Nachfolgerin von Axel Pflanz

Witzig: Sandra Testa, die Chefin im Vorzimmer des Kulturamtsleiters Martin Roscher, versorgte ihren Chef und dessen Chef mit reichlich Servietten, damit sie die Tortenstücke unfallfrei an die Frau und den Mann bringen konnten.

Heute wie damals: Ein Oberbürgermeister und ein Bürgermeister brauchen Hilfe. Sandra Testa, die legitime Nachfolgerin von Axel Pflanz, hilft mit Papier (servietten).

Foto: Jannik Nölke

Das Bild erinnerte irgendwie an ein Foto, das zu den meistveröffentlichten in der Geschichte unserer Zeitung gehören dürfte: 1975, bei der Unterzeichnung der Gründungsurkunde der Stadt Albstadt durch den damaligen Ebinger Oberbürgermeister Hans Hoss und den Tailfinger Bürgermeister Horst Kiesecker, eilte einer mit Löschpapier zur Hilfe, der beim Festakt „50 Jahre Albstadt“ wieder dabei war: Axel Pflanz, vormals persönlicher Referent des Oberbürgermeisters, der als Erster Bürgermeister in den Ruhestand gegangen ist und mehr über die Geschichte der Stadt Albstadt erzählen kann als 50 andere jemals gewusst und wieder vergessen haben.

Vor 50 Jahren: Hans Hoss und Horst Kiesecker unterzeichnen den Gründungsvertrag der Stadt Albstadt. Axel Pflanz hilft mit Löschpapier (von links).

Foto: Schwarzwälder Bote

Aber wir wollen nicht vom Thema abkommen, denn an den Tagen nach dem Festakt ging es für Roland Tralmer heiter weiter: Überall tauchte er plötzlich auf, mitten unter den Menschen, wo ein OB bekanntlich am besten aufgehoben ist, scherzte, lachte, erzählte Anekdoten und freute sich, endlich mal ganze Tage mit seiner Frau Kristina verbringen zu können – während der Arbeitszeit!

Die First Lady zeigt sich von ihrer schönsten Seite – wie ganz Albstadt

Die First Lady der größten Stadt des Zollernalbkreises, die bekanntlich nicht im Mittelpunkt stehen will, obwohl sie es sich optisch wie intellektuell leisten könnte, mischte sich ebenfalls unter die Menge, stöberte in den Angeboten auf dem Albmarkt und an den Ständen im Hof, genoss die internationalen kulinarischen Verlockungen, plauderte mit den Festgästen und verstärkte den Effekt, den das Stadtfest dem Vernehmen nach bei allen hatte, die es besuchten: Albstadt hat sich von seiner schönsten Seite gezeigt.

Ein Kunstwerk auf zwei Beinen

Noch ein bisschen schöner tätowiert als bisher schon ist Holger Much, der stellvertretende Pressesprecher und Social Media-Beauftragte der Stadtverwaltung, denn er hat sich am Stand der Lifestyle-Garage stechen lassen. Kurz zuvor hatte er noch den Song-Wettbewerb auf der Hauptbühne moderiert, den Volker Lässing gewonnen hat, um sich hinterher gegen Barzahlung weh tun zu lassen. Das Ergebnis allerdings war es wert. Und als bundesweit gefragter Grafik-Künstler ist Holger Much quasi sowieso ein wandelndes Kunstwerk.

So jemanden lässt man nicht gehen

Die Kunst, ein solches Stadtfest zu organisieren, hat übrigens das Team des Amtes für Kultur, Tourismus und bürgerschaftliches Engagement geschafft, allen voran Prisca Hille, die zum Zweck der Organisation der Sause eingestellt worden war und sich als so wertvoll erwiesen hat, dass die Stadt Albstadt sie nun fest und dauerhaft verpflichtet hat, sowie Julian Köhnlein, der nicht nur Veranstaltungen organisieren kann, sondern als Helfer vor Ort immer und überall zu sein scheint – stets strahlend.

Sonderapplaus für die Macher(in)

Gegen sie wetzten Roland Tralmer und Martin Roscher beim Festakt ganz und gar nicht die Messer, sondern holten sie auf die Bühne, wo die beiden jenen Sonderapplaus erhielten, den sie verdient haben: Für die Organisation des schönsten und größten Albstädter Festes seit – mindestens – der Einweihung des Westtangententunnels vor mehr 21 Jahren. Unter den vielen Prominenten, die mitgefeiert haben, waren übrigens alle bisherigen Oberbürgermeister – Hans-Martin Haller, Jürgen Gneveckow und Klaus Konzelmann. Nur einer fehlte, dafür aber schmerzlich: Hans Pfarr, der erste gewählte Oberbürgermeister der Stadt Albstadt, war kurz vor Pfingsten 2024 verstorben. Seine Frau Hedda, Albstadts erste First Lady, hat ihn allerdings gut vertreten auf dem Kurt-Georg-Kiesinger-Platz, von dem sich ziemlich viele Albstädter dem Vernehmen nach wünschen, dass er bald Hans-Pfarr-Platz heißt. Nicht nur, weil’s kürzer ist.