Nordische Kombination: Nathalie Armbruster liefert den Wahnsinn ab

Nathalie Armbruster knüpfte da an, wo sie am Ende der letzten Saison aufgehört hatte – und durfte jubeln.
Matthias Schrader/AP/dpaDer Wettergott meinte es nicht gut mit den Kombiniererinnen und Kombinierern, denn die Entscheidungen fielen im strömenden Regen von Oberstdorf. Während die Athletinnen und Athleten dem Wetter trotzten („Das war schon wahnsinnig zäh“ – Nathalie Armbruster), war es für die Zuschauer (Armbruster: „Es war wieder absolut der Wahnsinn diese Kulisse“) ein nasser Spaß.
Aber was für einer: In einem dramatischen und taktisch hervorragenden Rennen setzte Nathalie Armbruster aus Freudenstadt vor der Schlussrunde zur richtigen Zeit eine harte Attacke, lief der Konkurrenz davon und ließ sich ihren ersten Erfolg in Oberstdorf nicht mehr nehmen.
Völlig durchnässt, aber mit einem überglücklichen Jubelschrei überquerte sie die Ziellinie, ehe ihr 5,6 Sekunden später die Slowenin Ema Volavsek folgte. „Ich bin echt überwältigt, damit hätte ich wirklich nicht gerechnet nach drei Wochen Urlaub“, musste sich Nathalie Armbruster, die für den SV/SZ Kniebis startet, erst einmal zwicken, um an ihren Sieg zu glauben. Sprungsiegerin Lisa Hirner konnte dem Mördertempo nicht folgen und musste sich mit Platz drei begnügen.
Wink mit dem Zaunpfahl für das IOC
Für das IOC wichtig bei der Entscheidungsfindung, ob die Frauen-Kombination Olympia-würdig ist: Unter den ersten sechs waren dank Tara Geraghty-Moats (Platz 4) und der Finnin Minja Korhonen (6) fünf verschiedene Nationen.
Angriff zum optimalen Zeitpunkt
Und Spannung pur war nach dem Karriere-Ende von Svenja Würth aus Baiersbronn auf der Strecke auch angesagt: Nach der ersten Runde waren alle Favoritinnen zusammengerückt, auch Ema Volavsek kämpfte sich von Platz 10 nach dem Springen in die Führungsgruppe. 900 Meter vor dem Ziel ging Nathalie Armbruster zum Angriff über, zog an Lisa Hirner vorbei und verschaffte sich vor der Schlussrunde einen Zwei-Sekunden-Vorsprung.
Nathalie Armbruster cool und mit Biss
Zwar tat Ema Volavsek alles, um noch einmal heranzukommen – doch vergebens: Cool und mit Biss verteidigte Nathalie Armbruster ihre Führung bis zum Schluss. „Ich bin echt glücklich mit meiner Laufleistung“, strahlte die 19-Jährige.
„Die Nathalie hat das unglaublich clever gemacht, auch taktisch super“, gab es für Nathalie Arbruster ein Sonderlob von Bundestrainer Florian Aichinger. Für die weiteren Deutschen lief es nicht so glänzend: Jenny Nowak, nach dem Springen Sechste, kam auf Platz 8, die Sprung-Zweite Maria Gerboth mit 2:01,3 Minuten Rückstand auf Rang 12.
Einfaches Fazit: „Wahnsinn!“
Dass Nathalie Armbruster schon auf der Schanze mit 120,5 Metern überzeugen konnte, kam nach den Trainingssprüngen und dem provisorischen Wettkampfsprung eher überraschend, denn da war noch der Wurm drin. „Wir hatten vorher schon einen Lehrgang in Oberstdorf, da war es auch relativ unkonstant“, gab die Freudenstädterin zu. Als es aber darauf ankam, war auf die Gesamtweltcupsiegerin 2024/25 Verlass: „Ich habe es geschafft, im Wettkampf meinen besten Sprung abzuliefern. Wahnsinn!“ Besser kann die Saison nicht beginnen.
Bei den Männern musste Vinzenz Geiger nach einen total verkorksten Sprung (Platz 21/117,0 Meter) dem Österreicher Stefan Rettenegger den Vortritt lassen, aber die Aufholjagd auf Platz 2, knapp vor Stefans Bruder Thomas Rettenegger, dem Führenden nach dem Springen, lässt für die Saison hoffen.
Probleme auf der Schanze
Während alle Deutschen ohne den Baiersbronner Manuel Faißt auf der Schanze so ihre Probleme hatten („Da haben wir heute nicht ganz den optimalen Tag gehabt" – Bundestrainer Eric Frenzel), nutzte Wendelin Thannheimer seinen gelungenen Flug auf Platz 3 trotz durchwachsener Lauf-Vorstellung, um als Vierter zweitbester DSV-Athlet zu werden.
