Nordische Kombination
: Damoklesschwert über Nathalie Armbruster

Die Nordischen Kombiniererinnen und Kombinierer um Nathalie Armbruster starten in den Sommer Grand Prix. Unbeschwert ist der Saisonauftakt jedoch nicht.
Von
Peter Flaig
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Sorgenfalten bei Nathalie Armbruster: Das IOC hat die Entscheidung über Wohl und Wehe der Nordischen Kombination bis in den Februar 2026 vertagt.

Hendrik Schmidt/dpa

Kurz und knackig – so wird er wieder, der Sommer Grand Prix der nordischen Kombinierer, der am Mittwochabend in Oberstdorf mit dem legendären Night Race startet. „Dieser Wettkampf ist einfach was ganz Besonderes“, freut sich Nathalie Armbruster auf das Compact Race mit dem Springen auf der Großschanze ab 18.00 Uhr (Männer 18.45 Uhr) und dem 5-Kilometer-Langlauf ab 20.15 Uhr (Männer ab 20.45 Uhr).

„Das Publikum ist unfassbar, die Atmosphäre genial. Es lässt wirklich nichts zu wünschen übrig, was da immer an Stimmung los ist“, schwärmt die Freudenstädterin, die nach dem Karriereende von Svenja Würth und der schweren Verletzung von Manuel Faißt erst einmal Alleinkämpferin für den Schwarzwald sein wird.

Nach der Station in Oberstdorf geht es am Wochenende im französischen Chaux Neuve gleich weiter (Samstag Gundersen, Sonntag Team Sprint) – und nach dem Wochenende 18. bis 21. September in Val di Fiemme ist auch schon wieder Schluss mit dem Sommer-Spuk.

Olympia-Aus immer im Kopf

Ganz unbelastet gehen die Kombinierer nicht in die Saison, denn über ihren Köpfen schwebt das Damoklesschwert des Olympia-Entzugs. Eigentlich sollte in diesem Sommer eine Grundsatzentscheidung beim IOC fallen, ob die Frauen-Kombination 2030 dabei ist – oder auch die Männer zu Hause bleiben müssen.

IOC zieht Entscheidung hinaus

Doch die Olympier ziehen die Entscheidung hinaus. Während das Programm der Winterspiele Ende 2025 grundsätzlich feststeht, wird es eine Ausnahme geben. „Für die Nordische Kombination wird die Entscheidung basierend auf den Daten der Spiele 2026 erwartet“, erklärt Sandra Spitz aus Schonach, die beim internationalen Skiverband FIS Sport- und Eventdirektorin ist und direkt mit dem IOC verhandelt.

„Ich habe große Sorge um unseren Sport“, sagt Gesamtweltcup-Siegerin Nathalie Armbruster, weil bei einem Olympia-Aus „auch die Förderung stark dezimiert wird. Da macht man sich als junge Sportlerin seine Gedanken, weil: Das ist meine Leidenschaft, und ich möchte das ein paar Jahre auch mal als meinen Beruf ausüben.“

100 Jahre Tradition nichts wert?

100 Jahre Olympia-Tradition einer Sportart werden also vom IOC reduziert auf drei mickrige Entscheidungen in Predazzo und Tesero – Zuschauerzuspruch und die Zusammensetzung der Siegerpodeste lassen die Olympierdaumen heben oder senken. Auch dabei wieder einmal draußen vor der Tür: die Frauen. Denn die sind ja bei Olympia 2026 nach IOC-Willen gar nicht erst dabei.

In sechs Monaten wird’s ernst

Dieses Szenarium ist noch ein halbes Jahr entfernt. Jetzt gilt es erst einmal, in den Flow für den Winter zu kommen. „Es ist natürlich klar, dass ich nicht so viel gesprungen bin wie die anderen und auch nicht so viele Ausdauerstunden habe sammeln können“, blickt Nathalie Armbruster auf ihre Doppelbelastung Training/Abitur zurück. „Aber bis zum Winter hin ist es noch eine Weile, und die werde ich dann hoffentlich auch gescheit nutzen.“

In Oberstdorf startet auch ihr Schweizer Freund Nico Zarucchi. Das lässt die trüben Olympia-Gedanken schnell in den Hintergrund entschweben: „Das wird total cool, da gemeinsam den Wettkampf zu haben“, freut sich Nathalie Armbruster doppelt auf den Auftakt des Sommer-Grand-Prix’.

Schwabo Powerplay
Freitag um 12.00 Uhr
Die sportlichen Highlights der Woche und die Top-Events für das Wochenende auf einen Blick.