Nordische Kombination
: Nathalie Armbruster verliert wichtige Stütze

Svenja Würth hat die Bombe platzen lassen: Das Weltcup-Finale in Oslo am kommenden Wochenende ist zugleich das Karriere-Finale für die nordische Skisportlerin aus Baiersbronn.
Von
Peter Flaig
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Stellt ihre Ski endgültig in die Ecke: Svenja Würth.

Eibner//Memmler

So werden die Gesamtweltcup-Führende Nathalie Armbruster und das Team um sie herum in Zukunft ohne die erfahrene Baiersbronnerin Svenja Würth auskommen müssen, die vor allem nach ihrem Wechsel vom Skispringen zur nordischen Kombination eine Art Team-Mama für die jungen Athletinnen war und den „Laden zusammengehalten hat“.

Unvergessen ist der Karriere-Höhepunkt der extrem sympathischen Ex-Skispringerin und heutigen nordischen Kombiniererin: Bei der nordischen Ski-WM 2017 im finnischen Lahti gewinnt Svenja Würth zusammen mit Carina Vogt, Markus Eisenbichler und Andreas Wellinger Gold im Mixed-Springen.

Der damalige Bundestrainer Werner Schuster staunte nicht schlecht, wie weit runter es für Svenja Würth auf der nicht einfachen Schanze von Lahti ging. „Die Svenja hat ja ein unglaubliches Potenzial. Sie muss nur ihre Sprünge ganz ausfliegen.“

Trauma aus dem Jahr 2014

Das mit dem „ganz ausfliegen“ war leicht gesagt, aber schwer getan. Denn der 3. Januar 2014 hatte sich tief in ihr Gedächtnis gegraben und war bei jedem Sprung, bei jeder Landung mit an Bord. Svenja Würth stürzte an jenem Tag im russischen Tschaikowski schwer und brach sich den sechsten Halswirbel. „Eine instabile Trümmerfraktur“, berichtet sie noch heute über „Tage zwischen Hoffen und Bangen“ und der Angst, dass die Rückreise „für mich im Rollstuhl endet“.

Drei Jahre später, sie war zwischenzeitlich sogar aus allen DSV-Kadern gestrichen worden, hatte sie sich zurückgekämpft und erlebte in Lahti den Höhepunkt. Doch nach dieser „besten Weltcup-Saison überhaupt“ reißt sie sich Ende 2017 das Kreuzband.

„Weiter als in meiner Karriere hätten Höhen und Tiefen wohl nicht auseinandergehen können“, zieht die Baiersbronnerin Bilanz. Denn eigentlich sollte sie im Februar zu den Olympischen Spielen ins südkoreanische Pyeongchang fahren, daraus wurde nichts. „Das war der nächste herbe Rückschlag, damit blieben mir nach 2014 die zweiten Spiele verletzungsbedingt verwehrt. Das war schwer zu akzeptieren“, sagt die 31-Jährige im Rückblick.

In der Folge fiel sie in ein psychisches Loch, „es fehlte mir an Motivation“. Der Ausweg: Sie wechselte vom Spezialspringen zur Nordischen Kombination. „Das war für mich ein Neuanfang.“

Schwerer NoKo-Start

Dort hatte sie allerdings auch schwer zu kämpfen, nicht nur mit Vorurteilen: „Ich wurde anfangs doch von einigen belächelt.“ Auch die für sie neu hinzugekommene Disziplin Langlauf bescherte ihr Schwierigkeiten. „Ich hatte einige Jahre Rückstand im Vergleich zu denen, die das von klein auf gemacht haben“, gab sie zu. Doch sie biss sich durch, wurde von Jahr zu Jahr stärker. „Ohne diesen lästigen Dauerinfekt hätte sie wohl eine sehr starke Saison bestritten“, schätzt Bundestrainer Florian Aichinger, „schade, dass es so anders gelaufen ist und diese Saison so enden musste.“

Svenja Würth ist bisher die einzige Sportlerin, die im Weltcup der Spezialspringerinnen und im Weltcup der nordischen Kombiniererinnen Top-Ten-Plätze und deutsche Meistertitel gefeiert hat. Nun zieht sie in Oslo am traditionsreichen Holmenkollen also einen Schlussstrich unter ihre große Karriere und stürzt sich in ein neues Abenteuer bei der Bundespolizei – und freut sich drauf: „Für diese berufliche Absicherung bin ich unglaublich dankbar.“

Die Mutter atmet auf

Zwar atmet ihre Mutter jetzt etwas auf, weil „sie nicht mehr Angst haben muss, dass ich von den Schanzen dieser Welt springe“, doch sie wird nicht nur dem Team der Kombiniererinnen fehlen.

Die Anführerin im Team

„Mit ihrem Erfahrungswissen und dem, was sie unseren jungen Athletinnen auch sonst noch mit auf den Weg geben konnte, hat sie einen sehr, sehr großen Anteil an den Erfolgen, auch an denen von Nathalie“, sagt Bundestrainer Aichinger im Blick auf die Entwicklung von Nathalie Armbruster vom Teamküken zur Anführerin und Trägerin des gelben Trikots der Gesamtweltcup-Führenden.

„Ich hatte ein saucooles Team und habe den Disziplinenwechsel nie bereut“, gesteht Svenja Würth, dass auch ihr das Team fehlen wird, denn „heute kann ich sagen, dass ich selten so viel gelernt habe wie in den letzten vier, fünf Jahren.“ Jetzt hofft sie auf einen schönen Abschluss in Oslo. Abseits sportlicher Ziele wird auf jeden Fall groß gefeiert. Aichinger verspricht: „Wir werden Svenja in Oslo gebührend verabschieden.“

Schwabo Powerplay
Freitag um 12.00 Uhr
Die sportlichen Highlights der Woche und die Top-Events für das Wochenende auf einen Blick.