Geschichte der „Problembärin“ JJ4
: Deshalb kam "Gaia" aus Italien in den Schwarzwald

„Gaia“ ist mittlerweile im Bärenpark Schwarzwald in Bad Rippoldsau-Schapbach angekommen. Wir haben die tragische Geschichte der Bärin zusammengetragen.
Von
Salome Menzler
Oberndorf
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Wildbärin JJ4, genannt „Gaia“, wurde am Wochenende in den Schwarzwald transportiert.

Stiftung für Bären

„Gaia“, wie die Bärin JJ4 von vielen genannt wird, ist im Juli 2025 nach langer Vorgeschichte im Schwarzwald angekommen. Hier soll die Wildbärin ihr Leben in Gefangenschaft verbringen, nach einem tödlichen Zwischenfall in Italien.

JJ4 wurde in der norditalienischen Provinz Trentino geboren. Ihre slowenischen Eltern, „Jose“ und „Jurka“, wurden Anfang der 2000er-Jahre im Rahmen des EU-Projektes „Life Ursus“ dorthin gebracht. Das Projekt diente dem Artenschutz. So leben heute rund 100 Bären im Trentino.

Ebenfalls in Trentino zur Welt kam „Gaias“ Bruder JJ1, bekannt als „Bruno“, der jedoch nach Bayern auswanderte. Dort wurde er bekannt, als er 2006 Deutschland spaltete.

Er riss dort Schafe, plünderte Bienenstöcke und Kaninchenställe. Der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber brachte damals die Bezeichnung „Problembär“ in den allgemeinen Sprachgebrauch. Nach „Brunos“ Abschuss richtete der Bärenpark Schwarzwald den Bärengedenktag ein.

JJ4s Mutter, Jurka, lebt seit 2010 im Bärenpark Schwarzwald. (Archivfoto)

Foto: Stiftung für Bären

„Jurka“ lebt mittlerweile, wie nun auch ihre Tochter, im Schwarzwald - seit 2010. Für sie war der Umzug in den Schwarzwald jedoch ein „Upgrade“, wie eine Sprecherin des Parks damals sagte. Denn die Mutter wurde so wie „Bruno“ in Trentino angefüttert, verlor die Scheu vor Menschen und gelangte so in ein „kleines Gehege“ in Italien, wie der Park auf seiner Webseite erklärt.

Bärin tötet Jogger

Die Geschichte von JJ4 ist dagegen tief mit dem tragischen Tod eines Joggers in der Region Trentino verwoben. Obwohl JJ4 bereits in der beliebten Touristenregion bekannt war, erlangte sie mit dem Fund der Leiche im April 2023 erst richtige „Berühmtheit“. Es war laut Behörden vor Ort der erste tödliche Zwischenfall mit einem Bären. Durch DNA-Untersuchungen wurde die Wildbärin identifiziert.

Nach Berichten des Teams aus dem Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald in Bad Rippoldsau-Schapbach gegenüber unserer Redaktion hatte JJ4 zur Zeit der Attacke Nachwuchs. Wie viele Tiere zeigen auch Bären einen ausgeprägten Beschützerinstinkt gegenüber ihren Jungen. Wie es genau zur Attacke kam, ist jedoch nicht bekannt.

Bären töten oder nicht?

Lange, in Begleitung mit Demonstrationen und Gerichtsverhandlungen, wurde darüber diskutiert, ob die Bärin nun abgeschossen werden sollte oder nicht.

Die Provinz hatte im direkten Anschluss an den Tod des Joggers den Abschussbefehl angeordnet, um die „öffentliche Sicherheit zu wahren“. Ein Verwaltungsgericht in Trient setzte den Befehl jedoch nach Berufung von Tierschutzorganisationen noch im April 2023 wieder aus. Letztendlich wurde die Bärin gefangen und nördlich der Provinzhauptstadt Trient in einem Wildtiergehege unterbracht.

In der italienischen Provinz Trentino leben Bären in Freiheit. (Archivfoto)

Foto: dpa/Matteo Zeni/Servizio Faunistico

Etwa ein Jahr nach dem tödlichen Zwischenfall stand fest: Die Bärin wird nach Deutschland gebracht. Die Stiftung für Bären, die zwei Bärenparks in Bad Rippoldsau-Schapbach im Schwarzwald und einen in Thüringen besitzt, nahm sich der Bärin an. Die Stiftung stellte bereits damals klar: Für eine Wildbärin sei die Entscheidung, weder ausgewildert noch eingeschläfert zu werden, „die Höchststrafe“.

Nichtsdestotrotz wurden entsprechende Vorbereitungen getroffen. Es wurde mit dem Bau einer neuen Hochsicherheitsanlage im Schwarzwald begonnen. Es soll die größte in ganz Europa werden.

Bau der Tieranlage dauert

Die Bärin lebte vor dem Tod des Joggers in einem Revier mit einer Größe zwischen 500 und 1000 Quadratkilometern in Freiheit. Zum Vergleich und warum auch die Stiftung von einer Höchststrafe spricht: Die Wildtieranlage umfasst rund 7500 Quadratmeter.

Im Frühjahr 2025 war der Umzug von JJ4 geplant gewesen, doch verspätete sich dieser immer wieder. Schlechtes Wetter erschwerte die Bauarbeiten, noch dazu erhöhten sich die Kosten des neuen Projekts.

Anfang Juli berichteten dann einige Medien, es sei so weit. Die Bärin soll noch im Juli 2025 nach Deutschland umgezogen werden. Gegenüber unserer Redaktion erklärte Raoul Schwarze, Projektleiter des Parks, dass dies nicht stimme. Ein Transport stehe nicht an.

Besucher bekommen „Gaia“ nicht zu sehen

Wie nur einige Tage später herausstellte: Die Aussage diente der Geheimhaltung des Transports. Dieser fand am Wochenende, in der Nacht auf den 20. Juli, statt. Am Sonntagmorgen kam die Bärin dann im Schwarzwald an.

Im Bärenpark leben vor allem aus Gefangenschaft gerettete Bären – wie auch „Isa“, die Halbschwester von „Gaia“.

Foto: Salome Menzler

Der Park ist seitdem geschlossen, um der Bärin die Ankunft einfacher zu machen - ohne die verschiedenen Gerüche der Besucher sowie die neue Geräuschkulisse. Doch nach und nach soll ein regulierter Besucherstrom sie auch an diese gewöhnen, erzählt Schwarze unserer Redaktion im Gespräch. Vorerst nur mit Parkführungen, später dann mit einem Besucherlimit, führt Leona Köver, stellvertretende Projektleitung, aus.

Ein Massentourismus soll durch JJ4 jedoch nicht entstehen. Denn die neue Wildtieranlage liegt außerhalb des Rundwegs, auf dem sich Besucher aufhalten können. Zu beobachten wird die Bärin also nicht sein.

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