Alternativer Wolf- und Bärenpark
: So ist der Transport von Problembärin Gaia in den Schwarzwald abgelaufen

Am Sonntag ist die italienische Bärin JJ4 im Alternativen Wolf- und Bärenpark angekommen. Die einstige Wildbärin ist das erste Tier in der neu entstandenen Wildtierauffangstation.
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(red/pm)
Oberndorf
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Am Sonntagmorgen ist die Bärin Gaia im Schwarzwald angekommen.

Alternativer Wolf- und Bärenpark Schwarzwald

Am Sonntagmorgen erreichte die Wildbärin JJ4 den Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald, wie der Park mitteilt. Gegen 09:30 Uhr wurde sie in die Vorbox ihrer Freianlage entlassen. Dort befindet sie sich, bis sie so weit ist, in ihre Freianlage entlassen zu werden.

Dabei kommt es ganz auf das Tempo der Bärin an – durch genaue Beobachtung wird ihr die Zeit gegeben, die sie benötigt. Die Anlage ist neu entstanden und mit erhöhten Sicherheitsstandards ausgestattet, speziell für Tiere aus der freien Wildbahn konzipiert. Der Fall JJ4 soll wissenschaftlich aufgearbeitet werden, um den zukünftigen Umgang mit Wildbären – auch in Hinblick auf Deutschland als Bärenerwartungsland – effektiver gestalten zu können.

Die Überführung aus dem italienischen Trentino wurde im Vorfeld geheim gehalten, da Demonstrationen und Übergriffe italienischer Aktivisten befürchtet wurden. Die Bärin JJ4 wurde im April 2023 eingefangen, nachdem durch einen mutmaßlichen Angriff ein junger Mann zu Tode kam.

Im „Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald“ steht eine Bärin. Hier soll künftig auch die Bärin Gaia zuhause sein.

Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Aktivsten legten Einspruch gegen den ursprünglich verhangenen Abschussbefehl ein, sodass eine lebendige Entnahme aus der Natur angeordnet wurde. Die Forstbehörde stellte eine Anfrage zur Übernahme der Bärin an den Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald aufgrund der vorhandenen Erfahrung und der Fakt, dass die Einrichtung ein Tierschutzprojekt ist und kein Zoo.

Wieso die Bärin nicht in Freiheit leben kann

JJ4 ist Nachwuchs der Bärin JURKA, die ebenfalls im Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald lebt, und Schwester des 2006 in Bayern erschossenen BRUNO (JJ1). JURKA selbst wurde in der freien Wildbahn in Slowenien geboren und im Rahmen des Artenschutzprogramms Life Ursus Ende der 1990er Jahre nach Italien umgesiedelt.

Life Ursus sollte die Wildbärenpopulation in der Region stärken, was auch relativ zügig eintrat. Aktuell leben fast 100 Bären im Trentino. Im Laufe der letzten 20 Jahre spaltete sich die Bevölkerung in zwei Lager auf, Bärenbefürworter und Bärengegner. Beide Seiten radikalisierten sich. Es kommt immer wieder zu Ausschreitungen.

Mittlerweile ist das Thema Bär ein kontroverses Politikum geworden, dass in dem dramatischen Zwischenfall im April 2023, als der junge Italiener Andrea Papi im Wald tot aufgefunden wurde und Spuren einer Bärenattacke aufwies.

Der anschließende DNA-Test führte zu der bereits behördlich bekannten Bärin JJ4. Da ab diesem Punkt eine Gefahr für die Bevölkerung bestand, wurde, wie im Wildtiermanagementplan der Region festgelegt, ein Abschuss angeordnet. Dieser wurde durch die Gegenklage von Aktivisten in lebenslange Gefangenschaft umgewandelt.

So ist der Transport abgelaufen

Am Samstag ist das Team um Einsatzleiter Bernd Nonnenmacher Richtung Trentino aufgebrochen. Gegen 18 Uhr erreichte es die Forstbehörde in Castellar, Trentino, wo sich JJ4 befand.

Nach einer Narkotisierung und einen veterinärmedizinischen Check wurde die Bärin verladen. Nachdem sie wieder bei vollem Bewusstsein war, trat das Team die Rückfahrt in den Schwarzwald an. Zum ersten Mal kommt ein Prototyp zum Einsatz, welche die Vitalzeichen der Bärin übermittelt und aufzeichnet und bei diesem Einsatz vor allem die Realdaten für die weitere Forschung aufzeichnet. Dies dient laut Mitteilung des Parks zur Optimierung des Tiertransports.

Entwickelt wurde der Prototyp im Rahmen eines Forschungsprojekts mit WildlifePro, einem Netzwerkpartner der STIFTUNG für BÄREN. Entwickler hinter dem KI basierenden, autark funktionierenden Geräts sind die International Research & Project Development GmbH sowie das Fraunhofer Institut/TU Berlin.

Die Fahrt in den Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald verlief laut Mitteilung des Parks „ohne weitere Komplikationen“. Tier und Mensch seien am frühen Sonntagmorgen gesund angekommen. Nach der Entlassung in die Vorbox ihrer Freianlage, benötige JJ4 nun in allererster Linie Ruhe und Zeit. Zum Ankommen, zum Einleben. „Diese geben wir ihr“, heißt es von Seiten des Parks. „Nun heißt es für uns ganz genau beobachten und im Tempo der Bärin Schritt für Schritt weitermachen.“

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