Problembärin jetzt im Schwarzwald
: „Das ist kein Tierschutz – das ist Quälerei“

Seit etwas mehr als einem Tag ist die Wildbärin JJ4 im Alternativen Wolf- und Bärenpark in Bad Rippoldsau-Schapbach. Angekommen ist sie laut Projektleiter Raoul Schwarze noch lange nicht.
Von
Salome Menzler
Oberndorf
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Wildbärin JJ4 ist am Wochenende in den Schwarzwald transportiert worden.

Stiftung für Bären

„Mein Herz ist gebrochen, als ich heute Morgen die Trauer in ihren Augen gesehen habe“, erläutert Raoul Schwarze, Projektleiter im Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald. Seiner Stimme hört man den Schmerz förmlich an, den der Tierschützer empfindet. Im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt er, wie der erste Tag der Wildbärin aus Italien verlief.

Erst am Sonntag, gegen 6 Uhr, kam die Bärin im Schwarzwald an. Der Transport erfolgte unter strenger Geheimhaltung. Den Beteiligten sei bewusst gewesen, dass das Thema sowohl politisch als auch gesellschaftlich ein sehr emotional geladenes ist, erläutert Schwarze.

„Zum Schutz des Tieres – aber auch zum Schutz des Teams – haben wir uns entschieden, nichts an die Öffentlichkeit dringen zu lassen.“ Daher wurde auch unserer Redaktion in der vergangenen Woche noch gesagt, der Transport finde nicht statt.

Das sei auch gut gewesen, betont Schwarze. Denn so habe dieser nachts in Ruhe, ohne große Probleme oder Vorfälle, stattfinden können. „Natürlich war es dennoch aufregend, mit einem Wildtier unterwegs zu sein“, betont er. Sie haben demnach auch sehr auf die Reaktion von JJ4, genannt „Gaia“, geachtet.

Transport ohne Narkose

Nachdem die Bärin narkotisiert und auch gleich medizinisch untersucht worden war, warteten die Pfleger, bis sie in der Transportbox wieder zu sich kam. Es sei Pflicht, aber auch für das Tier gut, dass dieses nur in wachem Zustand nach Deutschland eingeführt wurde. Die Transportbox könne man sich wie eine große Hundebox vorstellen, in der sich das Tier recht frei bewegen kann. Während der Narkose gebe es zu viele Möglichkeiten, wie es sich verletzen könnte.

Die Bärin wurde in dieser Transportbox nach Deutschland gebracht.

Foto: Stiftung für Bären

Im Schwarzwald schließlich angekommen, habe das Team schnell gemerkt, dass die direkte Freilassung nicht möglich war. Drei Stunden ließen sie vorübergehen, bevor die Bärin in eine Vorbox der neuen Wildtieranlage entlassen wurde. Dort befindet sie sich auch noch einen Tag später – und vermutlich über eine längere Zeit.

Über Kameras wurde sie in der ersten Nacht beobachtet, um ihr Verhalten weiterhin im Blick zu haben. Laut Schwarze hatte sie sich bereits deutlich beruhigt und auch etwas geruht. Die anfänglichen Scheinangriffe - die viele auch als Aggressivität deuten könnten, jedoch zur Verteidigung des eingeschüchterten Tieres dienen - seien weniger geworden. Vor allem habe sie versucht Schutz und Sicherheit in der Enge zu finden.

„Gaias“ Weg nach Deutschland

„Sie muss erst einmal ankommen“, erklärt der Projektleiter. Sie müsse verstehen, wo sie sich befindet. Sie wurde unter Narkose aus ihrem Zuhause entfernt. Anschließend musste sie in Italien warten, bis ihr neues „Zuhause“ in Deutschland fertiggestellt war.

Dann wurde sie in Italien in eine Box gebracht und verließ diese an völlig anderer Stelle – in einem anderen Land. Wobei sie genau wisse, dass sie gefangen ist. „Wir Menschen wären in einer solchen Situation auch völlig durch“, sagt Schwarze.

Leben in Gefangenschaft

Daher sei es erst einmal wichtig, dass sie sich im Schwarzwald zurechtfindet, die neuen Gerüche und auch das Team im Park etwas kennenlernt. „Unsere Devise aktuell: sie in Ruhe lassen“, betont er. Sie würden aktuell nur das Nötigste tun, wie etwa Essen bereitstellen, und die Bärin eben so wenig wie möglich stören.

Die neue Wildtieranlage im Bärenpark wurde für die Ankunft vorbereitet.

Foto: Stiftung für Bären

Doch auch später soll die Bärin so wenig Menschenkontakt haben wie möglich. Daher seien entlang der neuen, hoch gesicherten Wildtieranlage auch in den kommenden Jahren keine Besucher erlaubt.

Bär will der Enge entfliehen

Das Wildtier sei natürlich kein Fluchttier, dennoch suche es ständig nach Schutz und Sicherheit – will von den Menschen weg, aus der Enge heraus, erläutert der Projektleiter. Doch das sei nun definitiv nicht mehr möglich. Die Anlage sei so konzipiert, dass sie sich weder hindurchgraben noch über die Zäune klettern kann. Ihr Leben müsse sie nun in ewiger Gefangenschaft verbringen.

In der hoch gesicherten Anlage findet sich „Problembärin“ JJ4 bald wieder.

Foto: Stiftung für Bären

Und obwohl das Tier sich nach Tag Eins im Schwarzwald wohl bereits beruhigt habe, stehe ihr die Trauer ins Gesicht geschrieben, sagt Schwarze. Und wieder klingt in seiner Stimme der Schmerz mit, den er als Tierschützer bei dem Anblick empfindet. „Wir sind hier im Park Tierschutz mit Leib und Seele. Aber das ist kein Tierschutz, das ist Quälerei.“

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