Daniel Cremer hat die Montagsspaziergänge gegen die Corona-Maßnahmen in Freudenstadt organisiert – nun wurde dem AfD-Vorstandsmitglied beim DRK gekündigt. Über die Gründe hält sich das DRK allerdings bedeckt. (Archivfoto) Foto: Beyer

Hat der DRK-Kreisverband einen Rettungssanitäter rausgeschmissen, weil er Corona-Demos organisierte und AfD-Vorstandsmitglied ist? Fakt ist: Es tobt eine Schlammschlacht.

Kreis Freudenstadt - Daniel Cremer ist seit gut einem Monat Beisitzer des AfD-Vorstands Calw/Freudenstadt. Doch sein Name fiel auch noch in einem anderen Kontext. Er hat die Montagsspaziergänge gegen die Corona-Maßnahmen in Freudenstadt organisiert. Außerdem soll er im Dezember vergangenen Jahres im Telegram-Kanal "Freiheitsboten Freudenstadt" dazu aufgerufen haben, der Praxisgemeinschaft "Hausärzte am Spritzenhaus" in Baiersbronn schlechte Bewertungen bei Google zu geben, weil sie Kinder gegen Corona impften. Zitat: "Da dürft ihr euch mal austoben." Pikant: Cremer war zu diesem Zeitpunkt Rettungsassistent und Notfallsanitäter in Diensten des DRK-Kreisverbandes Freudenstadt.

 

AfD-Kreisverband macht fristlose Kündigung publik

Mittlerweile ist er seinen Job los. Nachdem das DRK mehrere Anfragen unserer Redaktion unbeantwortet gelassen hatte, machte nun der AfD-Kreisverband die fristlose Kündigung publik. Die Überschrift des Beitrags auf der Homepage der Partei lautet: "Verdienter Notfallsanitäter Daniel Cremer, Veranstalter der Montagsspaziergänge in Freudenstadt, wird vermutlich wegen AfD-Mitgliedschaft fristlos gefeuert!" Cremer sei "einen Tag nach der Geburt seines Sohnes die fristlose Kündigung zugestellt" worden. "Sein Arbeitgeber ist das angeblich so soziale Deutsche Rote Kreuz", teilt die Partei aus.

Günther Schöttle, Sprecher des AfD-Kreisverband Calw-Freudenstadt und Unterzeichner des Schreibens auf der Homepage, ruft zu Spenden auf, weil sich Cremer mit seiner Familie in "Existenzangst" befinde. "Daniel Cremer hat sich tapfer und solidarisch für unsere Rechte eingesetzt – bitte seid Ihr nun solidarisch und kämpft für Daniel und seine Familie."

DRK bestätigt Entlassung, nennt aber keine Gründe

Was sagt das DRK zur Kündigung und zu den Vorwürfen? "Die Kündigung kann ich bestätigen", antwortet Kurt Deckelnick, Vorsitzender des DRK-Kreisverbands, im Gespräch mit unserer Redaktion. Über die Gründe hüllt sich Deckelnick in Schweigen: "Aufgrund des laufenden Verfahrens kann ich zu weiteren Einzelheiten keine Stellung nehmen. Es handelt sich um einen arbeitsgerichtlichen Vorgang", sagt er.

Die Verhandlung habe noch nicht stattgefunden. "Sie sollte eigentlich im Mai stattfinden, da unser Kreisgeschäftsführer noch in Urlaub ist, ist sie auf unsere Bitte hin verschoben worden." Abschließend erklärt Deckelnick noch: "Eines zumindest kann ich sagen: Die Art und Weise, wie die AfD vorgegangen ist, ist sehr seltsam." Daniel Cremer hat bis Mittwochmittag eine Anfrage unserer Redaktion nicht beantwortet.