Sandra und Volker Effinger von der Gesellschaft für Altertums- und Brauchtumspflege Brigachtal hoffen, für den Fortbestand des Vereins einen Nachfolger zu finden. (Archivfoto) Foto: Hella Schimkat

Der Gesellschaft für Altertums- und Brauchtumspflege droht das Aus: Das gesamte Vorstandsteam tritt zurück – doch Nachfolger sind bislang nicht in Sicht.

Am 6. April 1976 wurde die Gesellschaft für Altertums- und Brauchtumspflege im Gasthaus Kreuz in Klengen mit dem Ziel gegründet, nicht nur die Geschichte von Brigachtal näher zu erforschen sowie das Brauchtum aufrecht zu erhalten, sondern auch dies in einem Museum der Öffentlichkeit zur dauerhaften Veranschaulichung darzustellen.

 

In nur sechs Jahren war das große Ziel, die Eröffnung des Heimatmuseums, geschafft. Nur durch die tatkräftige Mithilfe der Mitglieder, die einen Großteil ihrer Freizeit opferten, konnte dieses Ziel damals so schnell erreicht werden, teilt der Verein in einer Mitteilung mit.

Rückblick In den Folgejahren galt es, das Museum mit altem Leben zu füllen, was den Mitgliedern auch gut gelungen sei, so der Verein. Neben der traditionellen Ausstellung fanden zahlreiche Künstler im Museum eine Plattform, ihre Kunstwerke auszustellen. Der Verein beteiligte sich damals auch an Ausgrabungen, wie zum Beispiel 1979 im Brühl, wo ein römisches Gebäude entdeckt wurde. 1980 und 1981 wurde eine Rettungsgrabung am hallzeitstattlichen Grabhügel im Eggwald durchgeführt. 1995 wurde im Rahmen der Erschließung des Neubaugebietes „Im Brühl“ das römische Hauptgebäude durch das Landesdenkmal ausgegraben. Einige Funde daraus wurden im Museum ausgestellt.

Heimatmuseum Damit die Errichtung des Heimatmuseums auch finanziert werden konnte, veranstaltete der Verein unter anderem viermal im Jahr eine Disco in der Festhalle in Überauchen. Als dann 1985 der Startschuss für das Dorffest fiel, wirkte die Gesellschaft auch da regelmäßig mit, um die Finanzierung des Vorhabens sicherzustellen. 2015 nahm der Verein nach reiflicher Überlegung das letzte Mal am Dorffest teil.

Adventsbasar kommt bei Besuchern an

Adventsbasar Viele Jahre fand in den Räumen des Heimatmuseums ein kleiner aber feiner Adventsmarkt statt. Im Keller des Gebäudes gab es Kaffee und Kuchen. Daraus entstand 2010 die Idee vom „Brigachtaler Adventsbasar“ im Außenbereich des Museums. Dieser sei 2011 zum ersten Mal mit großem Erfolg in die Tat umgesetzt worden, so der Verein. Jahr für Jahr sei die Veranstaltung gewachsen und habe Groß und Klein weit über die Grenzen Brigachtals hinaus erfreut.

2023 organisierte die Gesellschaft für Altertums- und Brauchtumspflege zum letzten Mal einen Adventsbasar in Brigachtal. (Archivfoto) Foto: Hella Schimkat

Herausforderungen In den letzten Jahren forderte die Planung viel Improvisationstalent, schreibt der Verein. Rund um das Heimatmuseum gab es eine Baustelle – die alte Halle wurde abgerissen, das Dorfhaus neu gebaut. Nach den Zwangspausen durch Corona wurde die Veranstaltung fortgesetzt. Viel Neuplanung war nötig, da die alte Festhalle nicht mehr da war und der Platz zwischen Dorfhaus und Kita noch nicht fertig gestellt war. Somit wurde das Dorfhaus miteingebunden.

Leider konnte 2024 der Adventsbasar nicht veranstaltet werden. Es sei logistisch nicht möglich gewesen, einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung zu gewährleisten, so der Verein. Die Entscheidung sei der Vorstandschaft nicht leicht gefallen.

Grund für die Absage sei gewesen, dass die Vorstandschaft viele Wochen damit beschäftigt war, sämtliche Räume, die der Verein im Gebäude des Heimatmuseums nutzte, aufgrund der Sanierung des Museums zu räumen. Das sei ein sehr großer Kraftakt gewesen, der bei der Vorstandschaft Spuren hinterlassen habe. Wehmütig seien die leeren Räume der Gemeinde übergeben worden.

„Nun ist es so, dass dem Verein sämtliche Grundlagen fehlen, um eine Vereinsarbeit aufrecht zu erhalten“, schreibt der Verein in seiner Mitteilung. Die Gemeinde und der Verein seien sich anfangs nicht einig gewesen, wie es mit den Räumlichkeiten in der Bondelstrasse 25 weitergehen sollte. Eine Wiederinbetriebnahme des Heimatmuseums durch den Verein sei lange Zeit nicht in Aussicht gestellt worden.

Es sei der Zeit geschuldet, dass der Verein sich nicht mehr vorstellen könne, das Museum in zwei bis drei Jahren wieder zum Leben zu erwecken. Daraufhin sei die Gesellschaft mit der Gemeinde übereingekommen, dass sie eine andere Nutzung für die Räumlichkeiten ins Auge fassen müsse, was zu Anfang von Seite der Gemeinde auch so geplant gewesen sei, schreibt der Verein.

Droht dem Verein die Auflösung?

Vorstand Der Verein hatte in seiner 49 Jahre dauernden Geschichte insgesamt sechs erste Vorsitzende, die die Geschicke der Gesellschaft leiteten. Seit 2012 hat dieses Amt Volker Effinger, der den Verein schon zuvor als zweiter Vorsitzender kommissarisch führte. Nun sei es laut Verein an der Zeit, dass die Gesellschaft sich neu aufstellen sollte. Der erste Vorsitzende möchte aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen den Vorsitz abgeben. Auch der zweite Vorsitzende wolle ebenfalls aus der Vorstandschaft ausscheiden, weil er andere Pläne für die Zukunft habe. Auch die übrigen Vorstandsmitglieder werden in Zukunft dem Verein nicht mehr zur Verfügung stehen, heißt es in der Mitteilung.

Im Vorfeld seien schon mehrere Gespräche mit potenziellen Kandidaten geführt worden, aber bisher ohne Erfolg. Sollte sich aus der Bevölkerung jemand vorstellen können, diesen Verein zu führen, dürfe sich die Person gerne bei dem ersten Vorsitzenden melden. Wenn sich hier jedoch keine Lösung abzeichne, sehe sich die Vorstandschaft gezwungen, den Verein aufzulösen.

Die Mitgliederversammlung wird Anfang Juli stattfinden. Die Einladung hierzu erfolgt über das Mitteilungsblatt der Gemeinde.