CSU-Parteitag in München
: Ilse Aigner stiehlt Söder und Merz die Show – Wird sie die neue Bundespräsidentin?

Obwohl sie beim Parteitag keine Rede hält, erntet Aigner den größten Applaus. Äußert sich Friedrich Merz über Aigners Kandidatur?
Von
Ole Rockrohr
München
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CSU-Parteitag: Ilse Aigner (CSU), Präsidentin des bayerischen Landtags, nimmt am CSU-Parteitag in der Messehalle teil und freut sich über die Begrüßung durch den Bundeskanzler. (zu dpa: «Die große Ilse-Aigner-Show»)

Ilse Aigner (CSU) wird auf dem Parteitag in München von den Delegierten bejubelt.

Sven Hoppe/dpa
  • Ilse Aigner erhält auf dem CSU-Parteitag den größten Applaus und Standing Ovations.
  • Sie gilt als Wunschkandidatin der CSU für das Bundespräsidentenamt.
  • Markus Söder wirbt offen für Aigner und betont ihre breite Akzeptanz und Erfahrung.
  • Friedrich Merz begrüßt Aigner prominent, äußert sich aber nicht zur Kandidatur.
  • Eine Entscheidung fällt nicht auf dem Parteitag, sie wird in den nächsten Wochen erwartet.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Auch wenn Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in München Beifall bekommen: Den größten Applaus auf dem CSU-Parteitag bekommt Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags und hochgehandelte Kandidatin auf das höchste Amt in Deutschland, die Bundespräsidentschaft.

Standing Ovations für Ilse Aigner, auch ohne Rede

Gleich zu Beginn seiner Rede begrüßt Friedrich Merz direkt nach CSU-Chef Markus Söder die Politikerin Ilse Aigner, noch vor dem Chef der Europäischen Volkspartei, Manfred Weber. Die Delegierten brechen daraufhin in Applaus und Jubel aus und erheben sich von ihren Plätzen. Aigner, die in der ersten Reihe sitzt, steht ebenfalls auf und winkt mit beiden Händen in die Parteitagshalle in München. Sie strahlt.

Es ist keine beliebige Begrüßung. Aigner ist die Wunschkandidatin der CSU für das Bundespräsidentenamt. Söder hätte sie gerne, ihre Partei steht fast geschlossen hinter ihr, Aigner bekommt Zuspruch auch von SPD und Grünen. Nur wen die CDU und Merz wollen, ist bislang unklar. Deshalb fällt so auf, dass der Kanzler Aigner, anders als auf den CSU-Parteitagen 2024 und 2025, als sie noch nicht als Kandidatin für das Präsidentenamt gehandelt wurde, namentlich und gleich so prominent an zweiter Stelle nennt.

Kommt die Nachfolgerin von Steinmeier aus Bayern?

Die Erwartungen der CSU-Delegierten an Merz sind hoch. Alle Augen und Kameras richten sich beim Parteitag darauf, wie der Kanzler mit Aigner umgeht, ob er etwas sagt. Und natürlich wird deshalb genau notiert, wie Merz Aigner bei seinem Einzug in die Halle und auf dem Weg Richtung Bühne begrüßt – mit Wangenküsschen rechts und links.

CSU-Parteitag: Ilse Aigner (CSU), Präsidentin des bayerischen Landtags, begrüßt Bundeskanzler Friedrich Merz (l)zum Abschluss des CSU-Parteitags. (zu dpa: «Die große Ilse-Aigner-Show»)

Ilse Aigner (CSU) und Friedrich Merz (CDU) auf dem CSU-Parteitag. Aigner gilt als starke Kandidatin für das Bundespräsididentenamt.

Sven Hoppe/dpa

Die Frage, wer Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nächstes Jahr nachfolgt, ist die alles überragende Frage dieses CSU‑Parteitags. Deshalb wird das Delegiertentreffen letztlich zu einer Art Ilse-Aigner-Show. Auch wenn die 61-Jährige nicht ein einziges Mal das Wort ergreift, auch wenn sie öffentlich quasi gar nichts sagt, außer, dass sie sich über den großen Rückhalt freue, und die Entscheidung bei den Parteichefs liege.

Markus Söder wirbt offen für Aigner als Bundespräsidentin

Schon Söders 73-Minuten-Rede, in der er ansonsten primär zum gemeinsamen Kampf gegen Extremisten von links und rechts aufruft, steuerte auf diesen Höhepunkt zu: das neuerliche Werben für Aigner als nächste Bundespräsidentin. Mit einem Freudschen Versprecher: „Die Entscheidung wird woanders gefällt, aber ich würde mir es von Herzen gönnen, wenn Ilse Aigner nächste Bundespräsidentin werden würde. Das wäre eine tolle Sache“, sagte er. „Mir wünschen und ihr gönnen“, wollte er eigentlich sagen. Auf Instagram korrigierte Söder den Satz später noch.

Und auch am Morgen wirbt der bayerische Ministerpräsident noch einmal im Interview bei Phoenix für Ilse Aigner. Mit Bezug auf Aigner sagt Söder: „Wir haben eine sehr erfahrene Kandidatin. Wir haben jemanden, der weit über die Parteigrenzen hinaus Akzeptanz genießt.“ Mit ihrer Vergangenheit als Bundesministerin und ihrer Position als Präsidentin des Bayerischen, die sich mit der Stärkung der Demokratie identifiziert, „wäre das in diesen Zeiten auch ein Signal für Demokratie, aber auch für Menschlichkeit und Empathie“, so Söder. Doch am Ende müsse die stärkste Gruppe, die CDU, den Prozess einleiten.

CSU-Parteitag bringt keine Entscheidung

Aber was steckt hinter Söders Werben? Zur Erinnerung: Als Söder Aigner Ende April, nach den Kommunalwahlen, erstmals ins Gespräch brachte, befand er sich selbst intern in einer Schwächephase. Zig verlorene kommunale Stichwahlen setzten der CSU zu, Söder selbst verstolperte eine Pressekonferenz und zog damit den Zorn vieler Wahlkämpfer auf sich. Deshalb wurde Söders öffentliches Werben für Aigner auch als Versuch gewertet, seine eigene Position zu stabilisieren.

Söder selbst gibt sich auf dem Parteitag auch ungewohnt selbstkritisch. Viel Freude habe es bei den Kommunalwahlen gegeben, aber zurecht auch viel Frust. Keiner sei unfehlbar, auch er nicht. Die damalige Kritik sei richtig gewesen. Und fast beschwörend sagt Söder, dem manche in seiner Partei gerne mangelndes Teamplay vorwerfen: „Wir sind nur gemeinsam stark.“

Das betont auch der Bundeskanzler, der in seiner Rede den Zusammenhalt zwischen CDU und CSU, zwischen Merz und Söder, lobt. Und Merz wird in München herzlich begrüßt. Immer wieder wird die Rede von Applaus unterbrochen. Vielleicht auch wegen des Aigner-Moments zu Beginn.

Aber abgesehen von der geschickten Begrüßung Aigners zu Beginn, kommt zur Frage, ob Aigner die neue Bundespräsidentin wird, in der gesamten Rede des Bundeskanzlers nichts. Auch nach dem Parteitag in München ist weiterhin unklar, wie sich die CDU unter ihrem Vorsitzenden Merz zur möglichen Präsidentschaft von Aigner verhält. Doch die Entscheidung ist nur vertagt. In den nächsten Wochen muss sie dann gefällt werden. Und dieser Parteitag hat dem Kanzler deutlich gezeigt, was die CSU will.