Muslime in Trossingen
: Gebetsraumverein sucht Gespräch mit Anwohnern

Zu einer Dialogveranstaltung mit der Nachbarschaft der „Linde“ hatte der Verein Trossinger Bildungs- und Begegnungsstätte (TBB) rund 80 Haushalte eingeladen. Rund 40 Anwohnerinnen und Anwohner kamen. Sie hatten Fragen und bekamen Antworten.
Von
Daniela Schneider
Oberndorf
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Die „Linde“.

Verein Trossinger Bildungs- und Begegnungsstätte

Sie hatten es angekündigt – jetzt wurde es in die Tat umgesetzt: Vertreter des Vereins Trossinger Bildungs- und Begegnungsstätte luden zum Informationsabend für die Nachbarschaft rund um die „Linde“ ein. 80 Haushalte hatten nach Angaben des Vereins eine Einladung bekommen, rund 40 Personen nutzten letztlich das Angebot, sich zu informieren.

Die Veranstaltung im Festsaal des Restaurants sollte „ zur Information der direkten Nachbarschaft über die Pläne des Vereins, den Festsaal in einen Gebetsraum für die in Trossingen ansässigen Muslime umzubauen“ dienen, so Thomas Müller, der bei dem Verein der Presseverantwortliche ist. Der Verein hatte Anfang November eine Bauvoranfrage für die Umnutzung des Saals in einen Gebetsraum gestellt. Nach der Vorstellung im Gemeinderat am 18. November, hatte Mujahid Kahf, Sprecher des Vereins, versprochen, die Nachbarschaft Mitte Dezember zu einer Infoveranstaltung einzuladen. Der Abend sollte nun die Gelegenheit bieten, miteinander ins Gespräch zu kommen, Informationen auszutauschen und Berührungsängste und Vorurteile abzubauen.

Fragen zu Parken und Lokal

Mujahid Khaf stellte das Konzept der Umnutzung vor. Aslihan Kahf, Sozialpädagogin und Studentin der Islamwissenschaften, informierte über die Webseite des Vereins, die als Kontaktplattform für die Nachbarn dienen soll: „Wir möchten unseren Glauben als deutsche Muslime leben und Transparenz schaffen“, so Aslihan Kahf.

In der anschließenden Fragerunde sollte der offene Dialog im Mittelpunkt stehen. „Es wurden viele Fragen gestellt, Anliegen geäußert und Meinungen ausgetauscht“, Thomas Müller. Einigen Anwohnerinnen und Anwohner habe die Verkehrs- und Parkraumsituation während der Fest- und Gebetszeiten am Herzen gelegen.

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Sowohl Mujahid Kahf wie auch eine Nachbarin verwiesen auf die 15 Stellplätze sowie viele öffentliche Parkplätze in der Nachbarschaft. Kahf erklärte, dass die Mehrheit der Gläubigen sowieso zu Fuß komme. Im Alltag rechne man mit fünf bis maximal zehn Personen zu den Gebetszeiten, zum Freitagsgebet sowie zu den zwei hohen Festtagen im Jahr bis zu 50 Personen.

Gastro-Konzept geplant

Ebenfalls von hohem Interesse sei die Frage nach der Zukunft der beliebten Gastronomie in der „Linde“ gewesen. Zu deren Fortbestand sagte Mujahid Kahf: „Wir denken an eine an der mediterranen Küche ausgerichtete Gastronomie.“ Dabei seien für den Restaurantbetrieb die Regeln im Islam zu beachten, wie etwa das Gebot, keinen Alkohol zu trinken. Hier gebe es erfolgreiche Gastro-Konzepte für die breite Gesellschaft. Auch Fragen der Sicherheit wurden angesprochen. Der TBB strebe die Erarbeitung eines Sicherheitskonzepts in enger Abstimmung mit den Behörden an und suche dazu bereits das Gespräch, erläuterte Mujahid Kahf.

Wogegen sich die Vereinsvertreter explizit wehren, sind „stereotype Aussagen über Muslime“. Diese seien auch an diesem Abend von einer Person geäußert worden. „Wir wünschen uns hier mehr Respekt und Differenzierung. Wir Trossinger Muslime sind nicht verantwortlich für alle Muslime in der Welt,“gibt Thomas Müller zu bedenken. Zum Abschluss hätten die Nachbarn bei einem gemütlichen „Get together“ verweilt. „Wir freuen uns, dass die Veranstaltung so gut besucht war und dass wir mit dem Infoabend einen ersten Auftakt machen konnten für eine gute Nachbarschaft“, so Mujahid Kahf.

Wie der Verein erfahren habe, habe das Bauamt die Bauvoranfrage für die Umnutzung erhalten. Damit lägen nun die Grundlagen vor, die nächsten Schritte auf dem Weg zum Gebetsraum in der „Linde“ zu gehen. Doch egal wie sich die Pläne entwickelten, will der Verein sich zum Jahresanfang 2025 regelmäßig auf dem Trossinger Wochenmarkt präsentieren. An einem kleinen Infostand laden die Muslime die Bürgerinnen und Bürger der Stadt auf einen Tee ein, um die Gemeinde besser kennenzulernen und um Vorurteile und Berührungsängste abzubauen.