Carl-Orff-Schule in Villingen
: Therapiebad des Bildungs- und Beratungszentrums steht auf der Kippe

Das Therapiebad der Villinger Carl-Orff-Schule hilft Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf bei Bewegung, Wahrnehmung und Therapie. Landrat Sven Hinterseh warb für die Stilllegung, um Kosten zu sparen. Doch im Bildungs- und Sozialausschuss wurden Zweifel laut. Nun soll der Kreistag entscheiden.
Von
Hans-Jürgen Eisenmann
Schwarzwald-Baar-Kreis
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Das Therapiebecken der Carl-Orff-Schule in Villingen hat nur eine Wasserfläche von 52 Quadratmetern, ein Besuch öffentlicher Bäder ist aber nach Auffassung der Schule nicht möglich, dort fehlt die geschützte, reizarme Umgebung.

Das Therapiebecken der Carl-Orff-Schule in Villingen hat nur eine Wasserfläche von 52 Quadratmetern, ein Besuch öffentlicher Bäder ist aber nach Auffassung der Schule nicht möglich, dort fehlt die geschützte, reizarme Umgebung.

Hans-Jürgen Eisenmann
  • Streit um Therapiebad der Carl-Orff-Schule in Villingen: Kreistag entscheidet am 2. November.
  • Landrat empfiehlt Stilllegung, um Kosten zu sparen – im Ausschuss wuchsen Zweifel.
  • Schule betont pädagogischen Nutzen: geschützte Umgebung, Hilfe bei Wahrnehmung und Motorik.
  • Sanierung soll 1,2 Mio. Euro kosten, nach Zuschüssen verbleiben 0,93 Mio. Euro beim Kreis.
  • CDU beantragt Vertagung und Folgenprüfung, breite Unterstützung von FW, AfD, Grünen und SPD.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Dass die kreiseigene Carl-Orff-Schule (COS) in Villingen saniert und erweitert werden muss, stellt niemand in Frage. Doch was ist mit dem kleinen Schwimmbad?

Während Landrat Sven Hinterseh den Kreisräten aus finanziellen Gründen empfahl, das Therapiebecken der Schule zwischen Fasanen- und Wieselsbergstraße stillzulegen, regte sich im Bildungs- und Sozialausschuss des Kreistags immer mehr Widerstand, der letztlich eine Abstimmung verhinderte.

Innerhalb der CDU-Fraktion wurden Zweifel an der Höhe der Einsparungen laut, ebenso hatten die Christdemokraten offene Fragen zu den Konsequenzen einer Schließung des Therapiebades.

Die Carl-Orff-Schule ist ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung.  Viele der Kinder sind verhaltensauffällig oder leiden unter Autismus, regelmäßig werden Lehrer und pädagogische Mitarbeiter von ihren Schützlingen gebissen.

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Lehrschwimmbecken ist wertvolle pädagogische Hilfe

Neben dem kognitiven Lernen werden an der Schule besonders die Wahrnehmung, die Sprache, motorische Fähigkeiten sowie soziale Kompetenzen geschult. Nach Angaben von Schulleiter Michael Fraas ist das Lehrschwimmbecken eine wertvolle pädagogische Hilfe, sowohl im Gruppenunterricht wie auch in der Einzelbetreuung.

Die Carl-Orff-Schule hat derzeit 157 Schüler mit in den vergangenen Jahren steigender Tendenz. „Wenn man bei der Bildung, Betreuung und Therapie dieser Schüler spart, kommen die Kosten um so stärker auf uns zu, wenn sie mit 18 die Einrichtung verlassen und nirgends unterkommen“, sagt Michael Fraas.

Kostenschätzung liegt bei 1,2 Millionen Euro

Für die Sanierung und Erweiterung der COS sind in den nächsten Jahren 19,6 Millionen Euro eingeplant, aktuell würde die Sanierung 14,5 Millionen Euro kosten, der Erweiterungsbau mindestens acht Millionen Euro. Die Sanierung des Villinger Therapiebades würde 1,2 Millionen Euro kosten, nach Abzug der Zuschüsse blieben gerade noch 0,93 Millionen Euro beim Kreis hängen.

„Die Entscheidung gegen das Therapiebad ist keine Entscheidung gegen die Schule“, merkte Landrat Sven Hinterseh an und fügte hinzu: „Wir müssen mit dem knappen Gut Geld so wirtschaften, dass wir alles, was wir machen müssen, bezahlen können. Wir haben es uns als Verwaltung nicht leicht gemacht“. Stefan Löffler, Leiter des Amtes für Schule, Hochbau und Gebäudemanagement wies darauf hin, dass die Schule während der Sanierung ein Ausweichquartier braucht.

Fahrt in andere Hallenbäder angedacht

Wie zu erfahren war, hat das Donaueschinger SBBZ geistige Entwicklung, die Karl-Wacker-Schule, kein Therapiebad, die Schüler gehen ins städtische Hallenbad Hüfingen. Deshalb schlug die Kreisverwaltung vor, die Carl-Orff-Schüler könnten in ein anderes Bad transportiert werden und errechnete dafür 28.800 Euro Transportkosten pro Jahr. Angesichts dieser Tatsachen hielt es Landrat Sven Hinterseh „trotz großer Schmerzen vertretbar, auf die Sanierung des Therapiebades zu verzichten“.

Namens der CDU-Fraktion beantragte der Landtagsabgeordnete Andreas Braun eine Vertagung und verlangte, dass auch über die pädagogischen und therapeutischen Folgen einer Schließung des Bades informiert wird. Zusätzlich schlug die CDU vor, das Bad verstärkt an Schwimmvereine und Therapieeinrichtungen zu vermieten, um Einnahmen zu haben.

Soziale und wirtschaftliche Verantwortung im Blick

„Entscheidend ist eine gute Versorgung der Schüler“, begründete der CDU-Sprecher den Vertagungsantrag, denn die Schließung betreffe Kinder und Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf. „Das Bad kann zur Rehabilitation beitragen und Eltern entlasten. Wir haben hier eine soziale und wirtschaftliche Verantwortung, im Vordergrund stehen für uns die betroffenen Menschen und ihre Familien“, so Andreas Braun.

Die Freien Wähler schlossen sich dem Vertagungsantrag an, ebenso die AfD, für deren Sprecher Martin Rothweiler es um die Frage geht, „ob bei den Schwächsten der Gesellschaft gespart wird“. Auch die Grünen, die ohnehin gegen eine Schließung des Therapiebades sind, stimmten zu.

SPD macht sich für Erhalt stark

Auch die Sozialdemokraten waren für die Verschiebung, hatten sich aber schon für den Erhalt des Therapiebades entschieden. „Gerade bei der Inklusion sollten wir nicht ausschließlich danach fragen, ob eine Leistung Pflichtaufgabe ist, sondern auch danach, welchen Wert sie für die Menschen im Landkreis hat“, hieß es in der Begründung der SPD.

„Ich höre vom Kreistag immer, wo man nicht sparen will. Sie müssen schon die Kraft haben, zu benennen, wo man sparen kann“, appellierte Hinterseh an die Kreisräte. Einstimmig fiel dann die Vertagungsentscheidung, am 2. November soll der Kreistag einen Beschluss treffen.