Preis für inklusive Band
: Überraschung für Musiker von „WG & Friends“ aus Villingen-Schwenningen

Emotionen, Wertschätzung und ehrenamtliches Engagement prägten die Verleihung des Paul-Harris-Preises in Schwenningen. Der Hauptpreis ging an „WG & Friends“.
Von
Birgit Heinig
Oberndorf
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Die Musikband „WG & Friends“, bestehend aus Menschen mit und ohne Handicap, ist der diesjährige Hauptgewinner des Paul-Harris- Preises, den der der ­Rotary-Club VS jetzt verliehen hat.

Birgit Heinig

Das war eine Überraschung! Der Preisträger des diesjährigen Paul-Harris-Preises wusste bis wenige Minuten vor Bekanntgabe des Gewinners nichts von seinem Glück.

Seit 2013 verleiht der Rotary-Club VS einen Preis an jene, die sich zum Wohle ihrer Mitmenschen engagieren. Der amtierende Clubpräsident Detlev Bührer begrüßte im Atrium der Vivida in Schwenningen die fünf in diesem Jahr Nominierten, „die alle Gewinner sind, weil sie ohne Besserwisserei und erhobenem Zeigefinger, die Welt ein wenig besser machen“. Sie verdienen „Wertschätzung und Respekt“, so Bührer.

Den mit 1500 Euro dotierten Hauptpreis gewann in diesem Jahr die Band „WG & Friends“, die eigentlich „nur“ zur musikalischen Untermalung des Festaktes gebeten worden war und das zu Beginn von Bührers Laudatio auch noch glaubte. Entsprechend groß war der Jubel, als die Musiker nach wenigen Worten den wahren Grund ihres Engagements für diesen Abend erkannten.

„WG & Friends“ wurde vor 20 Jahren von Jörg Spiegelhalter, Schulleiter der Carl-Orff-Schule, aus jungen Menschen mit Handicap aus einer Wohngemeinschaft (WG) gegründet. Nach dessen frühem Tod übernahm Gerhard Kurz, Lehrer an der Bickebergschule, die Leitung und formte daraus eine Combo, die mittlerweile ein einstündiges Rock- und Pop-Repertoire präsentieren kann und durch viele Auftritte bekannt wurde.

Verstärkt wurde sie vor zehn Jahre durch Mitglieder der „Rentnerbänd“. „Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten“ zitierte Bührer dazu den Komponisten Gustav Mahler und überreichte der Truppe aus Menschen mit und ohne Behinderung das Preisgeld und eine der neu kreiierten Paul-Harris-Statuetten.

Anlaufstelle für Frauen

Diese in Klein sowie je 500 Euro durften alle weiteren Nominierten entgegennehmen. Rotary-Mitglied Sebastian Schnitzer stellte den Verein Frauen helfen Frauen Schwarzwald-Baar vor, dessen „unverzichtbare“ Arbeit durch zwei prominente Fälle von Gewalt an Frauen (Gisèle Pellicot und Collien Fernandes) aktuell in den Blickpunkt rückt. Die Ehrenamtlichen betreuen rund 50 betroffene Frauen und Kinder pro Jahr in einer Beratungsstelle in Villingen sowie einem Frauenhaus im Schwarzwald-Baar-Kreis.

Helfer versorgen Senioren mit Büchern

Mit „Bücher auf Rädern“ begeben sich ehrenamtliche Helfer zu Senioren, die noch zu Hause oder in Pflegeheimen leben, und versorgen sie mit Büchern zum Lesen oder Hören und damit den „Schlüsseln zur Welt“, wie der Rotarier Volker Mehne in seiner Laudatio lobte.

Sein Clubkollege Markus Hoch wandte sich dem Freibadförderverein aus Tannheim zu. Als das 70 Jahre alte Freibad 2003 Sparmaßnahmen der Stadt zum Opfer fallen sollte, beließen es die Dorfbewohner nicht beim Protest, sondern packten an, kauften es für einen symbolischen Euro und die Arbeit begann. 70 Helfende stehen heute für den Freibadbetrieb in einer 70-Stunden-Woche parat, die Stadt unterstützt finanziell.

Telefonseelsorger hören zu

Wolfgang Wislsperger stellte in seiner Laudatio den Verein Telefonseelsorge Schwarzwald-Bodensee vor. Geschulte Ehrenamtliche nehmen Tag und Nacht Anrufe von Menschen entgegen, die nicht mehr weiterwissen. Trennung, Krankheit, Tod eines Angehörigen, Jobverlust oder existenzielle Bedrohungen lassen in Deutschland jährlich rund 1,2 Millionen zum Hörer greifen, eine Mail absetzen oder in einen Chat eintreten. Die Telefonseelsorger hören zu, geben Hoffnung und haben Zeit.

„Gemeinschaft und die Kraft der Mitmenschlichkeit zählen“. Mit diesen Worten wandte sich Oberbürgermeister Jürgen Roth in seinem Grußwort an die Preisträger. Er erlebe „jeden Tag, wie viel Herz in dieser Stadt steckt“. Bührer bestätigte, dass sich für die Rotarier eine Sorge längst erledigt habe: „Preiswürdige Sozialprojekte gehen uns nicht aus“.

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